Meerbusch: Klimaschutz — ab jetzt erst recht

Meerbusch : Klimaschutz — ab jetzt erst recht

Am Montag ist der erste Arbeitstag von Meerbuschs erster Klimaschutzmanagerin. Sie soll zahlreiche Umweltprojekte auf den Weg bringen. Ziel: Den Meerbuscher Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis zum Jahr 2030 um ein Drittel zu verringern

Von heute an macht Meerbusch Ernst mit seinen Plänen zum Klimaschutz: Innerhalb der nächsten 17 Jahre will die Stadt im Grünen den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um ein Drittel reduzieren. Dass das Ziel erreicht wird, dafür soll in den kommenden drei Jahren eine neu bei der Stadt angestellte Klimaschutzmanagerin sorgen. Heute hat sie ihren ersten Arbeitstag. Die Stadt möchte die neue Mitarbeiterin demnächst der Öffentlichkeit vorstellen.

Bereits in der Vergangenheit zeigte sich, dass Meerbusch nicht nur eine Stadt im Grünen ist, sondern auch eine grüne Stadt. Die durchschnittliche CO2-Emission lag im Jahr 2009 bei 8,3 Tonnen pro Einwohner. Das ist deutlich weniger als der NRW-Schnitt von 15,1 Tonnen. Hauptgrund: Die Zahl der Industriebetriebe ist in Meerbusch außerordentlich gering. Sie sind für rund 20 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Doppelt so hoch, bei 40 Prozent, liegt der Anteil der Privathaushalte. Der Verkehr hat einen Anteil von 38 Prozent am Meerbuscher CO2-Ausstoß. In Meerbusch kommen auf 1000 Einwohner 630 Autos, das sind zehn Prozent mehr als im Bundesschnitt.

Bis zum Jahr 2020 soll laut Klimaschutzkonzept der Stromverbrauch innerhalb Meerbuschs um sechs Prozent zurückgehen. Die Einsparpotenziale liegen nach Ansicht der Experten, die das Konzept erstellt haben, deutlich höher: So könnten die privaten Haushalte 30 Prozent, die Wirtschaft 21 Prozent und die kommunalen Einrichtungen 24 Prozent Strom sparen. Das entspräche einer Gesamtabnahme von 27 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei der Wärme: Fünf Prozent sollen bis 2020 eingespart werden. Das Einsparpotenzial hingegen liegt laut Klimaschutzkonzept bei 25 Prozent. Allerdings müssten dazu auch Maßnahmen umgesetzt werden, die sich nur auf sehr lange Sicht rechnen.

Bereits in der Vergangenheit hat die Stadt Meerbusch klimaschutzfreundliche Programme angeschoben: Die Dächer kommunaler Liegenschaften wurden für Bürger-Solaranlagen freigegeben, seit einigen Monaten bietet die Verbraucherzentrale im Bürgerhaus Lank Energieberatungen an, die Verwaltung hat zahlreiche Fahrzeuge auf Erdgas umgerüstet und Elektrofahrräder für die Mitarbeiter angeschafft.

Klar ist: Kostenintensive kommunale Förderprogramme, beispielsweise für eine Modernisierung der privaten Heizungsanlage, kann sich die klamme Stadt Meerbusch nicht leisten. Ein nichtöffentlich tagender Umweltbeirat, in dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Umweltverbänden und Verwaltung sitzen, hat im vergangenen Jahr gut 40 mögliche Maßnahmen diskutiert, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Für nahezu alle möglichen Projekte ist die Klimaschutzmanagerin als Koordinatorin vorgesehen.

Die Maßnahmensteckbriefe reichen von einer Beleuchtungssanierung an den Meerbuscher Schulen über die Ausweisung neuer Vorrangflächen für Windkraftanlagen (mit der Möglichkeit, interessierte Bürger an einer Windkraftanlage zu beteiligen) bis hin zur Nutzung des Strömungswassers des Rheins. Aber auch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie ein jährlicher Aktionstag "Mit dem Rad zur Arbeit". In der Überlegung ist auch, die Haltestellen auf Meerbuscher Stadtgebiet mit Fahrradabstellplätzen auszustatten oder einen "Schwarzfahrertag" einzuführen, an dem Busse und Bahnen legal gratis genutzt werden dürfen. Im Klimaschutzkonzept sind die verschiedenen Maßnahmen nach fünf verschiedenen Kriterien bewertet worden: Wie hoch ist die Energieeinsparung? Wie hoch sind die Investitionskosten für die Stadt? Wie ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis? Wie hoch ist der Personalaufwand für die Stadtverwaltung? Wie sieht es mit der regionalen Wertschöpfung aus?

Vier Projekte erhielten die beste Bewertung. Neben dem bereits eingerichteten Energieberatungsstützpunkt im Bürgerhaus Lank und dem Ausbau von Windkraftanlagen ist dies der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Denkbar sei, mittelfristig zehn Prozent der Meerbuscher Mehrfamilienhäuser auf KWK-Anlagen umzustellen und so eine Tonne CO2 pro Jahr einzusparen. Diese sogenannten Mikro-Blockheizkraftwerke erzeugen neben Wärme auch Strom. Die Bestbewertung erhielt auch der Ausbau der Solarthermie. Viele Meerbuscher nutzen bereits Solarkollektoren für die Brauchwassererhitzung. "Genau so sinnvoll ist es, den Fokus auf die Nutzung zur Raumheizung zu richten", heißt es im Klimaschutzkonzept.

(RP)
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