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Meerbusch: Kita-Streik betrifft rund 750 Kinder

Meerbusch : Kita-Streik betrifft rund 750 Kinder

Der erste Streiktag der Erzieherinnen in den neun städtischen Kindertagesstätten verlief glimpflich: Alle Eltern in Not fanden einen Platz für ihre Sprösslinge in einer der drei Notgruppen. Nächste Woche könnte es aber eng werden

Seit gestern herrscht für viele hundert Eltern in Meerbusch Ausnahmezustand: Durch den Streik der Erzieherinnen in den neun städtischen Kindertagesstätten stehen gut 750 U3- und Ü3-Kinder aus insgesamt 37 Kita-Gruppen vor verschlossener Tür. Die Eltern müssen sich selbst um die Betreuung kümmern. "Anders als bei Streiks im Energiesektor haben die Gewerkschaften keine Not-Vereinbarung angeboten", erklärt Peter Annacker, Leiter des Jugendamtes. Dennoch hat die Stadt insgesamt drei Notgruppen für 75 Kinder zusammenbekommen: eine in der Büdericher Kita "Lummerland", zwei in der Kita "Kunterbunt" in Strümp.

 In der Kita "Schatzinsel" bedankten sich Eltern und Kinder gestern mit einem von Sabine Meisner (rechts) komponierten Lied bei den Erzieherinnen.
In der Kita "Schatzinsel" bedankten sich Eltern und Kinder gestern mit einem von Sabine Meisner (rechts) komponierten Lied bei den Erzieherinnen. Foto: U.D.

Kunterbunt zusammengewürfelt sind nicht nur die Kinder in den Notgruppen, sondern auch die Erzieherinnen. So wie Kathrin Taubert. "Eigentlich arbeite ich in der Kita Knirpsmühle", berichtet sie. Während des Streiks ist sie in der Kita Kunterbunt in Strümp im Einsatz. Der Betreuungsschlüssel in den Notgruppen ist sogar noch besser als in den regulären Kita-Gruppen. "Gerade wenn man die Kinder noch nicht so kennt, ist das hilfreich", sagt Annacker. Neben Praktikantinnen im Anerkennungsjahr, die nicht streiken dürfen, und Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres schieben auch vier Teilzeit- und drei Vollzeitkräfte Dienst. "Wir sind sehr dankbar, dass sie uns unterstützen", sagt Annacker.

Auch die Eltern hätten toll reagiert. "Viele haben sich zusammengetan. Da betreut dann eine Mutter mehrere Kinder, und am nächsten Tag wechselt das - so dass immer nur eine frei nehmen muss", berichtet der Jugendamtsleiter. Allerdings: Während viele Eltern in dieser Woche die Betreuung ihrer Kinder kurzfristig sicherstellen können, sieht das in der kommenden Woche schon anders aus. "Wir haben für nächste Woche bereits deutlich mehr Anmeldungen für unsere Notgruppen", berichtet Annacker. Die Gewerkschaft Verdi hat den Warnstreik als "unbefristet" ausgerufen.

Nicht bestreikt werden die konfessionellen Kindertagesstätten und die in freier Trägerschaft. In der im vergangenen Sommer neu gegründeten Kita "Schatzinsel" in der Trägerschaft des OBV Meerbusch überraschten die Kita-Kinder und ihre Eltern gestern früh die Erzieherinnen. Heimlich hatten sie ein selbstkomponiertes Lied geprobt, sangen es den Erziehern vor: "Wir wollen Euch heute Danke sagen fürs Kuscheln, Trösten und Rumtragen. Drum ist es hier auch immer voll - die Schatzinsel ist einfach toll", hallte es durch den großen Aufenthaltsraum. Sichtlich gerührt nahmen die Betreuerinnen selbstgebastelte Blumen mit persönlichen Dankesbriefen der Eltern entgegen. "Die Qualität der Betreuung ist wirklich toll, und die Kinder fühlen sich sehr wohl hier", sagte Katrin Willm, Sprecherin des Elternbeirates. "Wir wissen, dass es mit uns und den Kindern nicht immer einfach ist." Und Mutter Friederike Schuffenhauer ergänzte: Heute ist der Tag der Kinderbetreuung. Er soll die Aufmerksamkeit auf die Leistungen und die Arbeitsbedingungen der Kinderbetreuer lenken, die sich Tag für Tag zum Wohle der Kinder engagieren."

(RP)