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Kindertheater aus Meerbusch: Schnorky und Mauli erklären die Welt

Kindertheater aus Meerbusch : Schnorky und Mauli erklären die Welt

Theater für Kinder, Workshops für Pädagogen und Infos für die Eltern: Aus diesem Paket besteht das Angebot der Therapeutin Yvonne Keßler aus Büderich. Im Mittelpunkt stehen sechs Stofftiere, die Kindern Stärke vermitteln sollen.

Schweinchen Schnorky kommt als erstes auf die Bühne. Es hat einen Maulwurfshügel gesehen und glaubt, dass es sich dabei einfach nur um einen Haufen Glück handelt. Harry Hund geht total emotional mit dem Hügel um, Hase Hops hat schon mal einen Möhrenkuchen für den Maulwurf gebacken, und die kreative Katze Karla ein Lied für ihn komponiert. Eine knappe Stunde dauert es dann, bis das kleine Kindertheaterstück um Mauli, den Maulwurf und seine Gefährten vorbei ist. Jedes der sechs Tiere – es gibt noch Fritz, den Fuchs, und Brummi, den Bären – geht anders an die Herausforderung eines Maulwurfhügels heran. Der eine ernst, der andere gefühlvoll, der dritte eben kreativ oder schlau und mit einem Konzept. Daraus sollen die kleinen Zuschauer etwas lernen. „Es geht um sechs Lebenskompetenzen“, beschreibt Yvonne Keßel (43), die als Kunsttherapeutin schon seit Jahren vor allem mit Kindern arbeitet.

Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Drama- und Theatertherapie, als Schema-Coach versucht sie, mit ihren Klienten alte Verhaltensmuster aus der Kindheit aufzubrechen. Sie hat mit ihrer Familie – sie und ihr Mann haben drei Kinder – in Krefeld gelebt, ein freies Haus in Büderich brachte sie nach Meerbusch. Ihr Arbeitsplatz ist jetzt ein früheres Atelier. Sie konnte das Haus mieten, in dem Skulpturenkünstler Will Hanebal gelebt und gearbeitet hat und nutzt jetzt sein helles, lichtdurchflutetes Atelier für ihre Therapiesitzungen. An der Türklingel steht übrigens immer noch sein Name. „Das gehört hier zum Ensemble dazu“, sagt sie.

In all ihren Jahren als Therapeutin hat sie immer festgestellt, dass sowohl Erzieher als auch Eltern nicht immer optimal mit zum Beispiel verhaltensauffälligen Kindern umgehen. Ein Beispiel: Ein hyperaktiver Junge, der ständig in Bewegung ist, ruppig ist, andere Kinder stört, braucht vielleicht nur ein ganz individuelles Sportangebot, sollte toben können, vielleicht sogar boxen. „Viele Eltern gucken mit dem Tunnelblick und dabei nicht nach links oder rechts“, hat Keßel erfahren. Sie glaubt: „Die Lösung liegt nie im Problem.“ Ihr Ansatz: die seelische Widerstandskraft von Kindern stärken. Dafür gibt es natürlich ein Wort: Resilienz. Keßel hat auf der Basis ihrer Ideen ein mobiles Resilienztheater entwickelt. Da sie schon häufiger Theaterstücke inszeniert hat, fiel ihr das nicht schwer. Titel ihres Stücks: „Wie kommt der Maulwurf aus dem Loch?“

Und genau das erleben die Kinder, die sich das Stück in Kitas, Schulen, Heimen oder Kliniken ansehen können – je nachdem, wer Keßel und ihr Team bucht. Auf Wunsch wird das Stück auch in Deutsch und Englisch, also bilingual, aufgeführt. Schweinchen Schnorky sieht den Maulwurfshügel, Harry Hund kommt dazu, Hase Hops hoppelt auch vorbei, die Katza Karla tritt als Diva auf, der schlaue Fuchs entwickelt ein Konzept, den Maulwurf heraus zu locken, und der Bär Brummi will boxen. Das darf ein Kind dann auch während der Vorstellung machen zur großen Gaudi aller anderen Besucher. „Denn das Kind gewinnt immer“, sagt Yvonne Keßel. Die sechs Tiere stehen für die sechs Wochentage. Am Sonntag, dem siebten Tag, kommt dann der Maulwurf endlich aus seinem Hügel. Jedes der sechs Tiere ist anders mit Hügel und Maulwurf umgegangen und will den Kindern damit unterschiedliche Botschaften vermitteln. „Wer ein Ziel vor Augen hat, schafft das auch“, sagt der Fuchs.“ Die Katze steht auf Kreativität, der Bär mit seiner Körperlichkeit ermuntert, sich durchzuboxen.

Das Thema Resilienz zieht sich nicht nur durch das Theaterstück mit Kindern. Keßel, die außerdem in einer Klinik in Mönchengladbach mit psychisch kranken Kindern arbeitet, bietet auch zweistündige Infoveranstaltungen für Eltern an, um ihnen Tipps zu geben. Pädagogische Fachkräfte können sie für einen Fachtag engagieren. Dabei geht es dann auch um die Erzieherinnen und ihre seelische Widerstandskraft. „Viele sind überlastet, überfordert, an ihren Grenzen, haben wenig Zeit für sich, es herrscht oft Stellenmangel.“ Ihr Tipp: ganz bewusst Pausen machen, auch mit den Kindern, sich überlegen, was einem gut tut, Musik zur Entspannung hören, immer wieder die Perspektive wechseln.

In Meerbusch hat sich Yvonne Keßel bislang im Familienzentrum Fronhof vorgestellt. Daraufhin haben sich Eltern entschlossen, Sponsoren für eine Aufführung zu finden. Das Theaterteam berechnet knapp 700 Euro für eine Aufführung. In Düsseldorf wird das Theaterstück am 30. Oktober zweisprachig in einer Rather Grundschule aufgeführt.