Meerbusch: Keine Handwerker: Probleme am Bau

Meerbusch: Keine Handwerker: Probleme am Bau

Schulen, Kitas oder Turnhallen: Immer dann, wenn die Stadt umbauen will, hat sie Probleme, Firmen zu finden. Grund sind die gute Konjunktur und der Bauboom. Für Meerbusch bedeutet das, dass viele Bauten später fertig werden.

Eigentlich ist die Situation mit der guten Konjunktur gut und positiv, sagt Michael Assenmacher, Technischer Dezernent im Rathaus. In dem Fall wirkt sich die Hochkonjunkturlage aber negativ für Meerbusch aus. Turnhallen, Kitas oder Schulrenovierungen verzögern sich immer mehr, weil es kaum noch Firmen gibt, die die Arbeiten erledigen wollen oder können.

Das Feuerwehrgerätehaus sollte schon vor Monaten umgebaut werden. Die Stadt fand aber keinen Rohbauunternehmer. Foto: Hans-Juergen Bauer

Claus Klein, Leiter des Services Immobilien, und sein Team stellen die Probleme auf dem Bau seit Anfang des vergangenen Jahres fest. "Seitdem wird es immer schwieriger, Firmen zu finden, die Fenster einbauen, anstreichen, Fliesen legen oder eine neue Haustechnik einbauen." Aber auch Planer seien immer schwerer zu finden. "Zum Beispiel Ingenieure, Architekten oder Gutachter für den Brandschutz." Konkretes Beispiel: An der Gesamtschule sollte die Fassade erneuert werden. Drei mal habe er eine Firma angefragt, die zwar zugesagt hatte, aber die Arbeiten vom Frühjahr in den November schieben musste. Klein akzeptierte - mit dem Ergebnis: "Die kamen dann im Dezember." Dadurch hätte die Stadt ein Dreivierteljahr verloren.

Nach vielen Monaten Verzögerung sind die Arbeiten in der Mataré-Turnhalle - hier der Raum für Sportgeräte - jetzt abgeschlossen. Foto: Hans-Juergen Bauer

Dass man das Schülern, Lehrern und Eltern erklären müsse, stehe auf dem einen Blatt. Auf dem anderen der buchhalterische Aspekt. Das Geld ist oft für ein bestimmtes Jahr freigegeben und muss dann im Etat verschoben werden - inklusive Beratung in den Ausschüssen und Zusatzarbeit in der Kämmerei. "Ein hoher Verwaltungsaufwand."

Auch in der Mauritus-Schule soll die Fassade erneuert werden. Im vergangenen Jahr habe man keine Firma gefunden, so Claus Klein. "Wir sind jetzt erst mit den Arbeiten dran." Die Renovierungen an den Schulen werden meistens für die sechswöchigen Sommerferien geplant - "diese Ferien sind aber überall, und die Firmen, die noch Kapazitäten haben, sind schon in vielen anderen Städten gebunden."

Aktuell werde eine Firma für die Generalsanierung des Rathauses in Büderich gesucht. Ende 2017 habe ein Planer ein Vor-Gutachten ausgearbeitet, daraufhin gab die Stadt den Auftrag. Aber: Der Planer sagte direkt wieder ab.

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Können die Arbeiten nicht früher in Auftrag gegeben werden? Ausschreibungen dürfen erst dann veröffentlicht werden, wenn der Etat freigeschaltet sei, erklärt Michael Assenmacher - und das sei meistens Mitte Februar. Fristen und Vorlaufzeiten - zum Beispiel für Arbeiten in den Sommerferien - könnten dann oft nicht mehr gehalten werden.

Nächstes Beispiel: das Feuerwehrgerätehaus Büderich. Grundsteinlegung für den Umbau sollte schon 2016 sein. Die städtischen Planer konnten kein Rohbauunternehmen finden, das die Arbeiten erledigen konnte. Deswegen sei erst jetzt begonnen worden.

Beispiel Mataré-Turnhalle: Die wurde umfassend - auch mit finanzieller Unterstützung der Bezirksregierung - saniert, nachdem dort über Monate Flüchtlinge untergebracht waren. Schnell war klar, dass zum Beispiel die Fliesenfirma nicht ordentlich und im Zeitrahmen arbeitete. Man habe sich dann von der Firma getrennt - was aber weitere Verzögerungen verursachte, weil es Wochen brauchte, um eine neue Firma zu finden. Die Trockenarbeiten seien öffentlich ausgeschrieben worden, es gab zwei Angebote. Für die Heizung kam nur ein Angebot, ebenfalls für die Sanitärarbeiten. "Früher gab es immer bis zu acht Angebote auf unsere Ausschreibungen", so Klein. Für die Elektroarbeiten am Mataré sei dann gar kein Angebot gekommen. "Das waren sogar Arbeiten im Wert von 160.000 Euro." Die Stadt beendet dann das formelle Verfahren und schreibt neu aus. Mittlerweile ist die Turnhalle am Mataré fertig.

Mit der Halle am Städtischen Meerbusch Gymnasium habe man ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie sollte im vergangenen Jahr fertig sein. Auch hier gab es Verzögerungen im Rohbau. Für den Abbruch war ein Auftragsvolumen von 100.000 Euro ausgeschrieben worden. Klein: "Nicht ein Angebot auf die erste Ausschreibung." Auf die zweite reagierte nur eine Firma, wollte aber 160.000 Euro. "Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar." Also werden alle Arbeiten neu sortiert, neue Lose geschrieben. Darum sei erst in diesem Jahr mit den Abbrucharbeiten begonnen worden. Auch die Kita am Wienenweg sei darum später fertig geworden. Der Fensterbauer habe einfach mal Urlaub gemacht, dadurch habe sich die Trocknungsphase in den Winter geschoben.

Gibt es eine Lösung für das Problem des Fachkräftemangels? Assenmacher: "Das Handwerk müsste ganz generell attraktiver als Beruf sein, aber die meisten Schulabgänger zieht es auf die Universitäten."

(ak)
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