Meerbusch: Karl Schmalbach — 85 Jahre Freudenbringer

Meerbusch: Karl Schmalbach — 85 Jahre Freudenbringer

Der Gründer des Lotumer Buretheaters prägt mit seinen rheinischen Stücken bis heute die Mundart in Meerbusch

Da sitzt die Mundart-Legende von Meerbusch, kurz vor seinem 85. Geburtstag daheim im Sessel und sagt: "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Platt auf die Bühne zu bringen." Ohne Pointe geht nichts bei Karl Schmalbach. Denn dieser Mann hat mit dem Platt in seinen Rheinischen Mundartstücken in den vergangenen 32 Jahren weit über 150 000 Menschen unterhalten. Morgen feiert Schmalbach seinen runden Geburtstag.

"Wäre nie auf die Idee gekommen, Platt auf die Bühne zu bringen": Karl Schmalbach hat dann doch 13 Rheinische Mundartstücke geschrieben. Foto: privat (2)/ud

Die Suche nach den Anfängen führt ins Jahr 1942, als Schmalbach im Alter von 14 Jahren seine ersten richtigen Gehversuche als Kabarettist unternahm — weil er keine Lust aufs Gehen hatte. "Um diese idiotische Marschiererei zu vermeiden" habe er Heimabende veranstaltet — für diese Abende schrieb er die ersten Stücke.

Dabei half ihm seine Kindheit, im Hause Schmalbach wurde nur Platt gesprochen. "Ich weiß noch, wie meine Mutter sagte: ,Jetzt kommst du in die Schule — da musst du Hochdeutsch sprechen.'" Wie das geht, habe sie ihm dabei aber nicht gesagt. Dafür lebte sie ihm ihre Leidenschaft für rheinische Melodien vor, die sie im Volksempfänger hörte. "Die Antenne war ungefähr fünfzig Meter lang", sagt Schmalbach.

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Bis Schmalbach auf die Idee mit dem Mundart-Theater kam, vergingen tatsächlich noch einige Jahre. Der Meerbuscher hatte schon einige Stücke geschrieben, als er 1982 das Lotumer Buretheater gründete und eine Ära ohne Krisen prägte. Noch heute sind die Vorstellungen ausverkauft. Er selbst sitzt als kritischer Beobachter ("Wenn ich nix sage, war es gut") in jeder Vorstellung, feilt mit den Schauspielern an Pointen. "Die Truppe liefert hervorragende Ergebnisse ab", sagt er.

Der 84-Jährige jammert nicht, wenn es um die Zukunft des Brauchtums geht. Die Probleme anderer Kulturschaffender, die auf ihren Karten für Veranstaltungen sitzen bleiben, seien eigenverschuldet: "Die machen was falsch." Er ist sich aber sicher: Wenn ein Stück gut gemacht ist, kommen die Leute. "Da glaube ich fest dran." Gags aber würden nur funktionieren, wenn man sie an die Entwicklung der Gesellschaft anpasst — alles andere sei Quatsch. "Wie man Mundart-Theater für das heutige Leben verändert, ist eine Sache für sich." Erklären könne er das aber nicht, da ist Schmalbach ganz die Mutter, als sie ihren Sohn aufs Hochdeutsch in der Schule vorbereitete.

Schmalbach hat die Mundart in Meerbusch landesweit bekannt gemacht, professioneller Schauspieler und Regisseur war er aber nie. "Dafür war ich zu alt", sagt Schmalbach. Trotzdem ist er unheimlich stolz auf seine Geschichte mit dem Buretheater. Eine Geschichte, die ihm seine Gastmutter in Stettin voraussagte, wohin es Schmalbach als Zwölfjährigen bei einer sechswöchigen Kinderlandverschickung verschlagen hatte. "Ich kam als unbedarftes Bauernkind — und dann hatten wir eine wunderbare Zeit", erinnert er sich. Nach geselligen Abenden schrieb ihm die Mutter der Familie zum Abschied eine Widmung, die ihn bis heute begleitet: "Sei immer und überall Freudenbringer, das Schicksal wird Dich dafür belohnen."

(RP/rl)
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