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Meerbusch: Kälte im Notquartier

Meerbusch : Kälte im Notquartier

Die Stadtverwaltung berichtete über die Situation der Obdachlosen in den Schlichtwohnungen in Osterath. SPD will mit dem Sozialausschuss prüfen, ob die Zustände noch menschenwürdig sind.

Seit Wochen herrschen am Niederrhein eisige Temperaturen. Für die meisten Meerbuscher ist das kein Problem. Sie drehen die Heizung einfach etwas höher. Für die 31 Obdachlosen in den städtischen Schlichtwohnungen in Osterath gibt's diese Möglichkeit nicht (RP berichtete). Sie müssen ihre komplette Wohnung mit einem einzigen Werkstattofen heizen. Der steht in der so genannten Wohnküche. Bad, Flur und Schlafräume werden so zu Kältekammern.

Nun sollen die Lebensumstände in den Notquartieren Thema im zuständigen Fachausschuss werden. "Die Obdachlosenheime sind bei uns etwas in Vergessenheit geraten. Wir müssen vor Ort nachsehen, ob das dort überhaupt noch menschenwürdige Bedingungen sind", sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Ilse Niederdellmann in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Sie könne sich noch an die Zustände in Büderich erinnern, das sei menschenunwürdig gewesen. Inzwischen sind die Schlichtwohnungen sowohl in Lank-Latum als auch in Büderich abgerissen worden, die Grundstücke zum Kauf angeboten. "Wir haben Verantwortung für diese Menschen", erinnert Niederdellmann.

Eher technokratisch argumentierte Sozialdezernentin Angelika Mielke-Westerlage: Die Heizkosten für Holz, Briketts oder Kohle würden erstattet. Berechnungsgrundlage sei ein Energieverbrauch von 220 Kilowatt pro Quadratmeter pro Jahr. Die meisten Bewohner bekämen Unterstützung nach dem Sozialgesetzbuch II oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. "Den Bewohnern ist von unseren Mitarbeitern noch mal verdeutlicht worden, dass das Verfeuern belasteten und damit gesundheitsgefährdenden Materials untersagt ist", berichtete die Beigeordnete.

Heiko Bechert, als Leiter der Ordnungsbehörde für das Obdachlosenwesen in der Stadtverwaltung zuständig, informierte, dass die Zahl der Betroffenen zuletzt gesunken war. Von einst weit über 100 habe sie sich auf unter 20 reduziert, um jetzt wieder leicht anzusteigen. Die Standards für Mietwohnungen, nach denen in der Zeit von 6 bis 24 Uhr in Bädern durch Heizen mindestens 22 Grad, in Wohnräumen 20 Grad und in Schlafräumen 18 Grad erreichbar sein müssen, griffen hier nicht, sagt Bechert. Es handele sich nicht um Wohnungen, sondern um Notquartiere.

"Unser Ziel ist es aber, zukünftig auf solche Notquartiere ganz verzichten zu können", sagt Bechert. Es wäre wünschenswert, für den Notfall ein Kontingent im öffentlich geförderten Wohnungsbau zur Verfügung zu haben, auf das die Stadt zugreifen könnte. Dauerhaft sollte es möglich sein, die Wohnungslosen in ein ordentliches Mietverhältnis zu vermitteln, erklärt Bechert. Noch sieht die Realität allerdings anders aus. "Einige betrachten das Notquartier als ihr Zuhause und wollen auch gar nicht weg", sagte er.

(RP)