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Meerbusch: Kadaver im Bach "entsorgt"

Meerbusch : Kadaver im Bach "entsorgt"

Unbekannte haben mehr als eine halbe Tonne verwesende Schlachtabfälle in den Langenbruchbach gekippt. Kripo und Veterinäramt ermitteln. Dort ist es bereits die dritte Tat seit dem Sommer.

Bestialischer Gestank war das erste, was Reiter am Sonntag Früh bemerkten, als sie zu einer erste Runde durch die Felder bei Langst-Kierst aufbrachen. Der Geruch war so stark, dass die Tiere unruhig wurden und die gewohnte Strecke am Langenbruchbach nicht entlanglaufen wollten. Der Ursprung der Pestilenz waren dutzende blaue Plastiktüten voller verwesender Schlachtabfälle, die Unbekannte in der Nacht zuvor von einer Brücke in den Bach gekippt hatten. Kadaverteile von 20 Schafen im Gewicht von mehr als einer halben Tonne lagen mitten im Wasserschutzgebiet. Aus den teilweise offenen Tüten schauten verknäulte Gedärme, blanke Schädel und blutige Felle. Es ist bereits der dritte Fall dieser Art an dem Bachlauf in Langst-Kierst seit Juli des vergangenen Jahres.

Gestern traf die Rechnung der Tierkörperbeseitigungsanstalt bei der Stadt ein. 83 Euro muss die Kommune für die ordnungsgemäße Entsorgung der 560 Kilogramm bezahlen. "Ein solch geringer Betrag kann kaum die Ursache sein, mehr als 30 Plastiksäcke mit dem unappetitlichen Inhalt in einen Bach zu schütten", sagt Dana Frey, Umweltexpertin der Stadtverwaltung. Sie vermutet, dass unbekannte "schwarz geschlachtet" hätten. Die rund 20 Schafe seien fachmännisch zerlegt und die Felle fachmännisch entfernt worden. Wo das Fleisch geblieben ist, sei bislang unbekannt. Es sind größere Mengen, die unkontrolliert offenbar in Umlauf gebracht und zum Verzehr bestimmt seien. Das Lebensmittelüberwachungsamt sei bereits eingeschaltet. Für heute erwartet Frey den Besuch der Kripo. "Wir erstatten Anzeige gegen Unbekannt."

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Zeugin ist die Halterin eines Hundes, die dort regelmäßig spazieren geht. Am Samstag habe sie noch nichts Außergewöhnliches feststellen können, Sonntag hingegen hätten die blauen Säcke im Wasser gelegen. Einige seien wohl von Füchsen, Ratten, streunenden Katzen oder Hunden bereits aufgerissen gewesen. Die Abfälle könnten hoch infektiös sein. Unter den Kadavern habe sich ein trächtiges Mutterschaft mit ihrem Lämmlein befunden, berichtet Frey und schüttelt sich. "Das ist echt bestialisch."

Laut Heinrich Westerlage, Leiter der Meerbuscher Rechtsabteilung , drohen dem Täter bis zu fünf Jahren Gefängnis. "Er hat sich strafbar gemacht." Die Paragrafen 324 (Gewässerverunreinigung), 324a (Bodenverunreinigung) und 326 (unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen) könnten zur Anwendung kommen. In besonders schweren Fällen – falls zum Beispiel Menschen oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere zu Schaden kommen – beträgt die Mindeststrafe bei Vorsatz sechs Monate Freiheitsstrafe.

Noch stehen die Ermittlungen am Anfang. Doch die Fälle häufen sich. Am 6. Juli 2010 wurden am Langenbruchbach 340 Kilogramm Rinderinnereien abgeladen, am 15. Februar waren es 240 Kilo zum Teil "unidentifizierter Innereien", und jetzt 560 Kilo Felle, Schädel, Klauen und Gedärme. Hinweise an die Kripo unter Telefon 02131-3000.

(RP)