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Meerbusch: Jugendarbeit ohne Vorbestrafte

Meerbusch : Jugendarbeit ohne Vorbestrafte

Das neue Bundeskinderschutzgesetz verlangt ein "erweitertes polizeiliches Führungszeugnis" auch von Ehrenamtlichen in der Vereinsarbeit. Über die Details muss das städtische Jugendamt noch befinden.

Einschlägig Vorbestrafte haben in der Kinder- und Jugendarbeit nichts zu suchen. Das ist einhellige Überzeugung in Politik und Gesellschaft. Seit Beginn des Jahres ist es auch Gesetz — und trägt den Namen Bundeskinderschutzgesetz. Wie die Passagen zur Vorbeugung vor körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt gegen Jungen und Mädchen in der Praxis umgesetzt werden sollen, damit lässt der Bund die Kommunen ziemlich alleine. Peter Annacker, Leiter des Meerbuscher Jugendamtes, berichtete gestern im RP-Gespräch, dass sich die Städte und Gemeinden untereinander abstimmen, um zu einer einheitlichen Vorgehensweise zu gelangen. "Das Gesetz ist zwar seit Jahresbeginn gültig, die Umsetzung der weitgehenden Forderungen und Bestimmungen hinsichtlich Personal und Kosten noch völlig unbestimmt", sagt Annacker. So sei vorgesehen, dass die Kommune mit freien Trägern und Vereinen Vereinbarungen treffe, in denen zum Beispiel Jugendfeuerwehr und Jungschützen, aber auch in der Jugendhilfe tätige Sportvereine verpflichtet würden, sich von ihren Ehrenamtlern "erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse" vorlegen zu lassen.

Da gebe es durchaus noch Diskussionsbedarf, meinte Annacker. So sehe er die Notwendigkeit für eine ehrenamtliche Kraft, die mittags an der Essensausgabe stehe, nicht. Für einen Betreuer während einer dreiwöchigen Ferienfreizeit, der in einen Eins-zu-Eins-Kontakt mit den Minderjährigen und Heranwachsenden komme und auch über Nacht bei der Gruppe sei, wäre die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses deutlich sinnvoller, erklärte er.

Das sieht zum Beispiel Ulli Wetter, Vorsitzender des Vereins TuS Treudeutsch 07 Lank, als Praktiker ein wenig anders: "Ich begrüße die neuen Bestimmungen, und ich denke, dass auch kein Trainer oder Betreuer damit ein Problem hat, wenn die Vorschriften uneingeschränkt für alle gelten", sagte der Vater und Großvater. Er habe sich schon auf einer Fortbildung mit der Thematik beschäftigt und werde in seinem Klub vorzeitig eine entsprechende Initiative starten. Eine Information von Seiten der Stadt habe er bislang nicht erhalten.

Auch der TuS Bösinghoven habe sich mit der Problematik schon früh beschäftigt, erklärte Vereinspräsident Johannes Peters, und als einer der Ersten in Meerbusch an der Kampagne "Zeig' die rote Karte gegen sexuelle Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen in Vereinen" unter der Schirmherrschaft von Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg teilgenommen. Wir haben für Verdachtsfälle zwei Ansprechpartner im Klub benannt — einen Mann und eine Frau.

(RP)