JuCa in Meerbusch: Mobile Sozialarbeit statt Jugendzentrum

JuCa in Meerbusch: Mobile Sozialarbeit statt Jugendzentrum

Die Stadt will in die aufsuchende Jugendarbeit investieren und einen mobilen Sozialarbeiter einstellen. So soll die Lücke des JuCas gefüllt werden. Auf Initiative der FDP wurde außerdem eine Liste mit Alternativen zur Halle 9 erstellt.

Zwei Fragen stehen bei der aktuellen Debatte um die Zukunft der Halle 9 im Vordergrund: Wie soll die Jugendarbeit in Osterath aussehen, wenn das JuCa in seiner jetzigen Form wegfällt? Und wird die Halle 9 als „Gemeinwesenseinrichtung“ tatsächlich benötigt, oder gibt es in der Stadt genügend andere Veranstaltungsräume?

Rückblick Das JuCa/Halle 9 in Osterath sollte der neue, coole Treffpunkt für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren werden. 2014 übernahm der OBV die Trägerschaft der großen Immobilie auf dem alten Stoessel-Gelände – eine 250 Quadratmeter große Event-Halle, ein 110 Quadratmeter großes Bistro. Kickertische, Playstation, Billard und Kicker sollten die Jugend anziehen. Der große Ansturm blieb aber aus. Stattdessen ist die Halle 9 bei Vereinen, Unternehmen, Bands oder Privatpersonen beliebt und wird regelmäßig als Veranstaltungsort gebucht. Mitte 2018 kündigte der OBV zum Jahresende die Trägerschaft. Weil es aber noch kein neues Konzept gibt und viele Vereine die Halle 9 schon zum Beispiel für Karnevalsveranstaltungen im Frühjahr gebucht haben, hat sich der Verein bereit erklärt, JuCa und Halle 9 noch bis Ende März 2019 zu betreiben.

Mobile Jugendarbeit „Der Ansatz, das JuCa als Jugendhaus zu führen, ist, auch vor dem Hintergrund des Aufwandes, gescheitert und sollte so nicht weiter verfolgt werden“, schreibt Sozialdezernent Frank Maatz. Und das, obwohl alles „cooler, unverbindlicher und auf die sich wandelnden Interessen Jugendlicher“ ausgelegt worden sei. Die Jugendarbeit als Treffpunkt habe an Bedeutung verloren.

Wenn also die Jugend nicht zum Jugendzentrum kommt, soll künftig der Jugendarbeiter zu den Jugendlichen kommen. Das steht in der neuen Beschlussvorlage für die gemeinsame Sitzung von Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss und Jugendhilfeausschuss am 15. November, die die Stadt jetzt veröffentlicht hat. Bei dieser Sitzung wird es ausschließlich um das Thema JuCa gehen. Wenn die Jugendarbeit im JuCa nicht fortgeführt wird, wird auch Geld gespart. Bisher waren 160.000 Euro aus dem Jugendetat für das Jugendcafé ausgegeben worden – vor allem Bündnis 90/Die Grünen hatten immer wieder kritisiert, dass dieses Geld durch die Nutzung vor allem für Veranstaltungen von Erwachsenen gar nicht vornehmlich den Jugendlichen zugute käme.

Ein Teil des Geldes soll – geht es nach der Stadt – in einen mobilen Sozialarbeiter investiert werden, der den direkten Kontakt zu Jugendlichen an Orten sucht, an denen sie sich oft aufhalten. „Der mobile Jugendsozialarbeiter ist ständig mit den Jugendlichen an verschiedenen Lebensorten im Gespräch, gibt den Jugendlichen eine Stimme, initiiert Mitbestimmung und Engagement“, heißt es.

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Vor allem zwei Arbeitsorte sind vorgesehen: die Schule und der Abenteuerspielplatz. „Hier treffen sich insbesondere Kinder und Jugendliche aus nicht so behüteten Lebensverhältnissen“, schreibt Maatz. Bisher arbeitet dort nur eine hauptamtliche Fachkraft mit Unterstützung von Honorarkräften. Der Sozialarbeiter könnte die Frau unterstützen. 53.000 Euro würden an Personalkosten für einen jungen Sozialarbeiter anfallen.

Ob dieser Ansatz von der Politik gewünscht ist, muss sich in der Sitzung zeigen. Zumindest den Grünen dürfte der Vorschlag gefallen, sie hatten schon in einem Positionspapier im März den Einsatz eines Sozialarbeiters oder Streetworkers vorgeschlagen,

Veranstaltungsräume Die Mehrheit der Fraktionen sieht einen Bedarf für den großen Veranstaltungsraum in Osterath und will die Halle 9 vorerst erhalten. Auch die Überlegungen für ein komplett neues Bürgerhaus in Osterath laufen, im Haushalt für das kommende Jahr sind schon Mittel dafür eingestellt. Die FDP hingegen möchte, dass die Halle 9 als städtische Einrichtung komplett aufgegeben wird und hält auch ein neues Bürgerhaus für überflüssig. Die Fraktion ist der Meinung, dass es in Meerbusch ausreichend viele Veranstaltungsräume gibt, die von Vereinen, Unternehmen oder auch Privatpersonen gemietet werden können, das aber nicht transparent genug kommuniziert wird.

Die Stadt hat daher im Auftrag der Fraktionen eine Liste mit allen Räumen zusammengestellt, die in Meerbusch vermietet werden. 75 Räume sind zusammengekommen, darunter der  Ausstellungsraum in der Teloy-Mühle, ein Besprechungsraum auf dem Baubetriebshof in Strümp, die Turnhalle des Mataré-Gymnasiums, sowie Schulungsräume auf der Feuerwehrwache in Büderich, viele Konferenzräume im Bürgerhaus Lank-Latum oder der neue Sitzungssaal im Erwin-Heerich-Haus in Osterath.

In einem nächsten Schritt will die Stadt diese Räume auch auf der Internetseite der Stadt präsentieren, und Infos zu Ansprechpartnern, Preisen und Räumlichkeiten zusammentragen. „Es ist ja auch im Interesse der Verwaltung, dass die Räume besser genutzt werden“, sagte Stadtsprecher Michael Gorgs.

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