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Johanniter-Stift hat als erstes Seniorenheim in Meerbusch eine Besucherbox

Johanniter-Stift in Büderich : Besucherbox gegen Einsamkeit

Seniorenheime in NRW dürfen ab Sonntag wieder Besucher empfangen. Das Johanniter-Seniorenstift in Büderich ermöglicht Bewohnern und Angehörigen seit Donnerstag, sich trotz Besuchsverbot nah zu sein.

Die Bewohner von Seniorenheimen leiden noch viel mehr als andere unter der Corona-Krise. Seit Wochen sind sie als Hochrisiko-Gruppe komplett isoliert, in allen Einrichtungen gilt absolute Kontaktsperre. Keine Besucher, kein Blickkontakt, keine Berührungen von vertrauten Menschen. Am Dienstag wurde zwar bekannt, dass Bewohner in Heimen in Nordrhein-Westfalen ab Sonntag wieder Besuch haben dürfen - unter strengsten Auflagen. Dennoch bleibt die Situation belastend. „Für alle unsere Bewohner, aber vor allem für jene mit kognitiven Einschränkungen, ist dieser nun schon lang anhaltende Zustand zutiefst verstörend und kaum zu ertragen“, sagt Detlef Wacker.

Gesundheit beziehe sich nicht nur auf den Körper, sie schließe seelisches Wohlbefinden ein. Der Leiter des Johanniter-Seniorenstifts in Büderich sann daher auf Abhilfe - mit Erfolg. Bereits am Donnerstag wurde eine neuartige Besucher-Box installiert. An einem Fenster des Bistros im Erdgeschoss dürfen sich nun jeweils zwei Menschen „treffen“. Natürlich gilt auch hier die Abstandsregel; als zusätzliche Absperrung sind neben der Box zahlreiche Stühle gestapelt. „Die Box ist überdacht, und zwischen Bewohner und Besucher gibt es zum Schutz eine dicke transparente Folie“, erklärt Detlef Wacker. „Sie überträgt den Schall recht gut.“

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Zwei Stunden täglich ist die Box in Betrieb. Die Termine dafür werden nach Anmeldung vergeben, jede Begegnung ist auf 20 Minuten begrenzt. Danach müssen Stuhl, Folie und Hände gründlich desinfiziert werden. „Wir haben die Angehörigen unserer 120 Bewohner über diese Möglichkeit informiert“, berichtet der Leiter. „Viele sind froh und wollen sie nutzen. Das spielt sich gerade recht gut rein.“ Auch er zeigt sich erleichtert - weil er weiß, wie wertvoll und unersetzlich eine persönliche Begegnung ist. „Mit Telefonaten nicht zu vergleichen. Umarmen darf man sich natürlich auch hier nicht. Aber es geht um ein vertrautes Gesamtbild, um Augenkontakt, Stimmlage, Gestik, Mimik. Eben um alles, was einen Menschen ausmacht.“

Das Johanniter-Stift ist die erste Einrichtung in Meerbusch, die eine solche Besucher-Box anbietet. Die Kreisverwaltung im Rhein-Kreis Neuss befürwortet den Einsatz von sogenannten Besuchscontainern, nachdem das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW deren Zulässigkeit bestätigt hat. Zur Zielsetzung äußerte sich Kreisdirektor Dirk Brügge, der auch den Krisenstab leitet: „Neben der professionellen Pflege und allen damit verbundenen Tätigkeiten müssen wir alles daransetzen, dass das Leben im Altenheim auch in Corona-Zeiten lebenswert bleibt. Besuche und die Anwesenheit von Familie sind dafür sehr wichtig.“ Die Einrichtungen sollen bei der Umsetzung beraten werden.Die neue Möglichkeit für Besuche gehört zu einem Paket von Hilfsmitteln, die das Leben der Bewohner im Johanniter-Stift erträglicher gestalten.

So wird vorerst auch die wöchentliche Andacht am Mittwoch beibehalten, die Pfarrerin Susanne Pundt-Forst und der katholische Pfarrer Michael Berning gemeinsam mit dem Kantor von St. Mauritius feiern. Die Stiftung Büderich sorgte zudem für die Anschaffung von drei Tablets der Telekom mit mobilem Router. „Damit können Bettlägerige, für die unsere Box nicht infrage kommt, per Videochat kommunizieren“, sagt Detlef Wacker. Die segensreiche Kraft der Musik wird ebenfalls eingesetzt. Am 12. Mai gibt die Gruppe Live Music Now ein nicht öffentliches Konzert, und das gleich an drei Stellen auf dem Gelände: am Schachbrett vor dem Eingang, im hinteren Hof und vor den Fenstern der Appartements. „Die Musiker sind Studenten, die mit ihrem Stipendium die Verpflichtung eingehen, bei Einrichtungen wie der unseren zu musizieren“, sagt der Leiter. „Sie geben im Johanniter-Stift zwei, drei Mal im Jahr ein Konzert. Zu Corona-Zeiten benutzen sie dafür mobile Instrumente.“