1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Jobcenter in Gefahr

Meerbusch : Jobcenter in Gefahr

Die Stadt hat gerade erst einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen und viel Geld in das Jobcenter im alten Osterather Rathaus investiert. Jetzt soll der Standort aufgegeben werden. Politiker protestieren.

Der Plan, das Jobcenter in Meerbusch zu schließen, hat die Stadt überrascht. Noch regiert das Prinzip Hoffnung. "Ich glaube nicht, dass in den nächsten fünf Jahren etwas passiert", sagte Sozialdezernentin Angelika Mielke-Westerlage am Donnerstag im Gespräch.

Meerbusch habe erst 2010 im Gebäude der Wirtschaftsbetriebe Meerbusch Räume gemietet und unter anderem in den Bau eines Aufzugs kräftig investiert. Der Mietvertrag gelte für zehn Jahre. Außerdem seien in dem Jobcenter an der Hochstraße in Osterath zehn Stadtbedienstete beschäftigt, um eine bessere Verzahnung für die vielen Hilfesuchenden zu garantieren.

Zum Hintergrund: Träger des Jobcenters sind der Rhein-Kreis Neuss und die zuständige Agentur für Arbeit in Mönchengladbach. Die Ausgaben für Hartz IV zahlen der Bund und über den Rhein-Kreis Neuss die Stadt Meerbusch für die Unterkunft der Betroffenen. "Das ist kein unerheblicher Betrag", kommentiert Mielke-Westerlage.

Nun hat die Trägerversammlung — in der auch die Bürgermeister der kreisangehörigen Kommunen sitzen — für die Jobcenter beschlossen, die Zahl der Standorte zu reduzieren, um effektiver zu arbeiten. Neue Kompetenzcenter sollen in vier Liegenschaften in drei Städten entstehen.

Meerbusch ist als Quartier nicht vorgesehen. Hilfesuchende aus Kaarst, Korschenbroich und Meerbusch sollen sich auf den Weg nach Neuss in die Nähe des Hauptbahnhofs machen. Allerdings sei bisher keine solche zentral gelegene Immobilie gefunden worden, die den Ansprüchen gerecht werde. Bislang gibt es Jobcenter in 13 Gebäuden in acht Kommunen.

Dass dies zu viel ist, räumt auch Mielke-Westerlage ein. Gleichwohl fiel die Entscheidung der Trägerversammlung denkbar knapp aus. Mit sieben zu sieben Stimmen gab es zunächst keine Mehrheit für den Antrag, die Zahl der Standorte zu reduzieren. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende — und das war ausgerechnet der Vertreter der Agentur für Arbeit Mönchengladbach, die das Konzept maßgeblich favorisiert. "Die Kommunen, in denen die Jobcenter erhalten bleiben, hatten natürlich keinen Grund, gegen den Antrag zu stimmen", meinte Mielke-Westerlage.

Arbeitsvermittlung habe schon in der Vergangenheit nicht im Meerbuscher Jobcenter stattgefunden. Dort seien Abteilungen für Fallmanagement und Leistungsbezug angesiedelt. Rund 1200 so genannte Bedarfsgemeinschaften würden in Osterath betreut und erhielten von dort ihr Geld zum Lebensunterhalt. Außerdem würde die Klientel von dort in besonderen Lebensumständen beraten und betreut.

Jobsuchende müssten sich aber schon jetzt auf den Weg nach Neuss machen, berichtet die Sozialdezernentin. Über die Zukunft des Standorts Meerbusch sei das letzte Wort noch nicht gesprochen — sie habe Signale bekommen, dass dies im Einklang mit den Kommunen geregelt werden solle.

(RP)