1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Jeden Montag können Lesefans stöbern

Meerbusch : Jeden Montag können Lesefans stöbern

Der wöchentliche Büchermarkt der Arbeiterwohlfahrt in Büderich bietet gut erhaltene Bücher für einen Euro an. Um das Einräumen, den Verkauf und die Organisation kümmern sich Ehrenamtler, allen voran Günter Lorch

Auf den Tischen, die in U-Form angeordnet sind, findet sich kein freies Plätzchen mehr. In akkuraten Reihen sind Bücher darauf angeordnet – auf der rechten Seite Taschenbücher und auf der linken Seite Hardcover-Bücher – allesamt in sehr gutem Zustand. In den Wandregalen dahinter gibt es noch mehr zu entdecken. Doch es handelt sich um gebrauchten Lesestoff, der beim Büchermarkt der Arbeiterwohlfahrt (Awo) einen neuen Besitzer finden soll.

Den wöchentlichen Markt für Bücher gibt es seit einigen Jahren. "Genau festmachen lässt sich der Start nicht", sagt Günter Lorch, der den Büchermarkt verantwortlich betreut. Früher gab es in der Büdericher Awo eine Tauschbörse für Romane. "Aber das entwickelte sich nicht so gut, viele Bücher staubten in den Regalen ein", sagt Lorch. Durch den Einfall, die Bücher für einen Euro zu verkaufen, kam wieder neuen Schwung in die Sache.

Seither kümmert sich Lorch ehrenamtlich um die Organisation. Da der Raum, in dem die Bücher jeden Montag zum Stöbern ausliegen, auch für andere Zwecke genutzt wird, muss er die Bücher – mehrere 100 Stück – jedes Wochenende aus einem Raum holen, in dem sie gelagert werden. Dienstagmorgens geht der Lesestoff wieder zurück. "Es macht mir Spaß und ich tue es gerne. Da ich sehr früh in Pension gegangen bin, brauchte ich eine Aufgabe", sagt Lorch, der früher zweiter Bürgermeister in Meerbusch war.

Der Markt habe sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. "Inzwischen kommen die Besucher aus allen Meerbuscher Stadtteilen", sagt Lorch stolz. Die Einnahmen – nie unter 30 Euro und in der Spitze bis zu 70 Euro pro Montag – tragen dazu bei, Kosten zu decken, die der Awo entstehen. "Die Awo wird zwar von der Stadt bezuschusst, aber das reicht nicht. Wir müssen auch einen Eigenanteil selbst erwirtschaften."

Aus Platzgründen können Lorch und sein Team aus weiteren Ehrenamtlern, keine Fachliteratur und auch keine Kinder- und Jugendbücher annehmen. Zudem muss der Lesestoff aus hygienischen Gründen sehr gut erhalten sein. "Das ist wichtig, da wir auch vom Gesundheitsamt kontrolliert werden." Besonders freut sich Lorch über aktuelle, beliebte Belletristik. Die Thriller von Ken Follett und die Kriminalromane von Iny Lorentz wie "Die Wanderhure" sind derzeit besonders beliebt. "Neu kosten diese Bücher um die 20 Euro und hier bekommen man sie für einen Euro.", sagt Lorch.

Inzwischen hat der Awo-Büchermarkt richtige Stammkunden. "Ein Herr kommt jeden Montag und kauft fünf oder sechs Bücher", sagt Lorch. Eine behinderte Dame aus Büderich komme regelmäßig. Da sie an einem Abend ein ganzes Buch schaffe, seien ihr die Preise im Handel zu viel. Bei solchen Anliegen ist der Büchermarkt ideal.

Lotte Danneberg hat vor etwa zwei Jahren Bücher ihres Mannes gespendet. "Mein Mann hat sich sehr für Kriegsromane interessiert. Als er verstarb, habe ich viel aussortiert, da ich so etwas nicht lese", sagt die Meerbuscherin. Seither schaut sie gelegentlich montags vorbei und schaut, was andere Menschen für Bücher abgegeben habe.

Zum ersten Mal gibt Gudula Pavek Bücher ab. "Wir haben so viele zu Hause und beginnen nun, einiges auszusortieren", sagt die Büdericherin. Lorch zieht schnell ein paar Schätze aus der Tüte. Sie sei sicher nicht zum letzten mal gekommen, meint Pavek. Immerhin habe sie mit dem Sortieren gerade erst angefangen. "Und zum Wegschmeißen sind Bücher einfach zu schade."

Lorch findet, dass das Buch nicht aus der Mode kommt – Internet und E-Books zum Trotz. "Ich kann abends nicht einschlafen, wenn ich nicht zumindest ein paar Seiten gelesen habe. Und ich will dazu ein richtiges Buch in der Hand halten."

(RP)