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Isabelle von Rundstedt: Neue Kuratorin fürs Küsterhaus

Kultur in Meerbusch : „Künstler liegen mir am Herzen“

Mit Isabelle von Rundstedt hat das Alte Küsterhaus in Büderich seit Juni eine neue künstlerische Leiterin.

Im Alten Küsterhaus in Büderich riecht es nach frischer Farbe. Am nächsten Donnerstag wird Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage die Vernissage zur Ausstellung „Begegnungen“ eröffnen, die erste unter der neuen künstlerischen Leiterin Isabelle von Rundstedt. Die Kunsthistorikerin hat ihre ehrenamtliche Aufgabe von Inge Sternemann übernommen, die in den letzten zehn Jahren das Kulturleben in Meerbusch mit ihren besonderen Ausstellungen nachhaltig geprägt hat. „Ich trete in große Fußstapfen“, sagt Isabelle von Rundstedt. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie von ihren Plänen für das charmante Mini-Museum.

Die Wände im Küsterhaus wurden zu Ihrem Start in einem warmen Graubraun gestrichen. War das Ihre Idee?

Isabelle von Rundstedt Ja. Ich wollte den Ton des Holzes und die Struktur der schönen alten Fliesen aufgreifen und damit den Charakter des Gebäudes betonen.

Wie kamen Sie zu diesem Amt?

Rundstedt Pfarrer Berning sprach mich auf die Nachfolge an. Er kannte mich von meiner Arbeit im Kindergarten, wusste um meinen Bezug zur Kunst und auch, dass ich für ehrenamtliche Aufgaben zu haben bin.

Woher rührt Ihr soziales Engagement?

Rundstedt Ich finde, man sollte der Gemeinschaft, in der man lebt, etwas zurückgeben. Das ist meine tiefe Überzeugung. Am besten macht man etwas, was einem geläufig ist. Bei mir ist es alles rund um das Thema Kunst und Kultur. Jetzt freue ich mich sehr auf diese Arbeit in dem entzückenden Alten Küsterhaus. Noch dazu in Büderich, wo ich wohne.

Aber Sie werden hier nicht für alles verantwortlich sein.

Rundstedt Nein, das kann ich gar nicht leisten, mit meinem Job und mit drei Kindern. Ich konzentriere mich auf die künstlerische Leitung. Natürlich werden in diesem Haus auch künftig Kurse und andere Aktivitäten stattfinden. Astrid Fox vom Pfarramt und ich kümmern uns gerade um eine ehrenamtliche Mitarbeiterin für diesen Bereich. Es laufen Gespräche, aber nach wie vor sind wir offen für Bewerbungen. Für mich war es zunächst wichtiger, diese Ausstellung auf die Beine zu stellen. Auf das Ergebnis und wie es angenommen wird, bin ich sehr gespannt.

Was ist unter dem Aspekt „Begegnungen“ zu erwarten?

Rundstedt Dieses Thema ist mir zugefallen. Jeder kennt Mataré, doch Meerbusch steckt voller Künstler, die leider in Vergessenheit geraten sind. Per Zufall sollte ich eine Schätzung zu den Skulpturen des 1982 verstorbenen Will Hanebal abgeben. Ich musste feststellen, dass es gar keinen Markt und keine Preise mehr für ihn gibt, obwohl er ganz wunderbare Skulpturen gemacht hat. Die letzte Ausstellung fand vor zwölf Jahren in der Teloy-Mühle statt.

Wie kamen Sie ihm auf die Spur?

Rundstedt Ingrid Kuntze, die frühere Leiterin der Musikschule, vermittelte mir den Kontakt zu seinen Erben. Will Hanebal wohnte in der Johannes-Kirschbaum-Straße in Büderich. Dort waren Keller und Garage noch immer voller Skulpturen. Diesen Schatz haben wir gehoben und entstaubt.

Warum koppelten Sie seine Werke mit denen von Thomas Kesseler?

Rundstedt Ich finde es spannend, Meerbuschs vergessene Kinder in den Dialog mit lebenden Künstlern zu bringen. Zu Kesseler gibt es gleich mehrere Brücken. Er ist Maler, Bildhauer, arbeitet mit Glas und sammelt selbst. An der Düsseldorfer Kunstakademie war er Student von Erwin Heerich, der in Meerbusch wohnte. Außerdem hat er für drei Kirchen Glasfenster entworfen, es ist also auch ein sakraler Bezug vorhanden. Übrigens hat er auch das Muggel in Oberkassel umgebaut.

Wie bringen Sie diese gegensätzlichen Künstler zusammen?

Rundstedt Die Ursprungsidee war, dass die Wände nicht leer bleiben sollten, wenn wir Skulpturen zeigen. Im Kosmos von Professor Kesseler kreist alles um die perfekte Form. Seine monochromen Bilder leuchten intensiv in Orange, Rot, Grün und Blau. Das alles bildet einen schönen Kontrast zu Hanebals Werken.

Die Ausstellung bleibt nicht allein aufs Küsterhaus beschränkt, sie setzt sich in der Bethlehemkirche fort. Was steckt hinter diesem Konzept?

Rundstedt Mir ist es wichtig, Dinge miteinander zu verknüpfen, damit nicht jeder nur sein eigenes Süppchen kocht. Das Küsterhaus ist ein kleines, feines Kabinett, in dem wir die kleineren Arbeiten von Hanebal und Kesseler zeigen. In der Kirche haben die großen Köpfe und Skulpturen einen perfekten Platz. Ein lohnender Anreiz, beide Ausstellungsorte zu besuchen.

Auch die begleitenden Programmpunkte fügen sich in diesen verbindenden Rahmen.

Rundstedt Das ist mir ein großes Anliegen. Am 5. September wird es im Alten Küsterhaus einen Vortrag über Will Hanebal mit anschließender Diskussion geben. Ich wünsche mir, dass Zeitzeugen dazu kommen und ein bisschen über ihn erzählen. Eine Woche später findet im Café Leib & Seele an der Bethlehemkirche ein Künstlergespräch mit Thomas Kesseler statt. Beide Standorte werden bei einem Spaziergang auf Will Hanebals Spuren quer durch Büderich am 16. September miteinander verbunden. Hanebals Skulpturen sind tatsächlich überall zu entdecken. Wenn man darauf achtet, lernt man seine Stadt gleich wieder besser kennen.

Gutes Stichwort. Wie sehr ist Meerbusch Ihre Stadt?

Rundstedt Ich wurde hier geboren und sogar in der Mauritiuskirche getauft. Aufgewachsen bin ich in Krefeld. Später ging ich in England zur Schule, studierte in London, zog später nach Paris. Über München lockte mich meine Jugendliebe Constantin von Rundstedt dann wieder in die alte Heimat.

Und in Düsseldorf ging es nahtlos weiter mit der Kunst?

Rundstedt Das ergab sich durch meinen Schwiegervater. Ihn störten die langen weißen Flure in seiner Firma. Er schlug mir vor, einige ansprechende Poster zu kaufen. Wenn schon, dann richtige Kunst, war meine Antwort. Seitdem unterstützen wir junge Talente und riefen einen Kunstförderpreis für Akademiestudenten ins Leben. Ich organisiere Ausstellungen in der Familienfirma und berate inzwischen auch eine Reihe anderer Unternehmen rund um das Thema Kunst.

Ihr Schwiegervater lieh Ihnen fürs Alte Küsterhaus einen Sekretär. Was haben Sie damit vor?

Rundstedt Ich plane, an diesem Platz meine Doktorarbeit zu schreiben. Eine anregendere Umgebung kann ich mir dafür kaum vorstellen. Wann immer ich hier bin, wird die Tür offen sein, Besucher sind herzlich willkommen.