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Inwerk: Sensor am Bürostuhl soll Bewegung am Schreibtisch fördern

Inwerk : Eine App für den Bürostuhl

Die Möbelfirma Inwerk aus Osterath hat ein Gerät entwickelt, das Bewegungen und Sitzzeiten auf Bürostühlen messen kann – und per App zu mehr Bewegung animiert. Die Innovation wird jetzt auf der Messe „Orgatec“ in Köln präsentiert.

Die schwarze Box ist kaum größer als ein Frühstücks-Ei, doch sie bekommt vieles mit: Wie oft jemand von seinem Bürostuhl aufsteht – oder wie lange er sitzen bleibt. Wie oft herum gekippelt wird mit dem Stuhl und wie lange still gesessen wird. Aber auch: Wie laut es rund um den Stuhl ist, wie kalt oder warm und wie die Luftfeuchtigkeit ist.

Smarte Helfer für den Alltag gibt es viele. Doch nun will die Meerbuscher Firma Inwerk digitale Technik auch an den Bürostuhl bringen. „MasterMove“ nennt sie ihre kleine Box, die unter jeden Bürostuhl geklebt werden kann. Inwerk will sie nun erstmals ab dem heutigen Dienstag auf der Orgatec in Köln einem internationalen Publikum vorstellen. Die Box ist mit einem Sensor ausgestattet, der Bewegungen wie eine Art dreidimensionaler Kompass messen kann. So registriert das Gerät schon kleinste Veränderungen des Sitzwinkels.

Über eine App werden so die Bewewgungsveränderungen in sogenannten „Moves“ gezählt. „Die nächste Sitzhaltung ist immer die beste“, erklärt Inwerk-Geschäftsführer Jens Hohenbild. So wie einige Menschen ihre Schrittzahl pro Tag zählen, können mit dem Gerät auch die Bewegungen auf dem Stuhl gezählt werden.

Wozu das gut ist? „Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt Hohenbild. Langes Sitzen, das wurde auch in vielen Studien nachgewiesen, ist ungesund und kann sogar die Lebenserwartung verkürzen. Deshalb will Inwerk mit seinem Gerät, dass die Firma eine „Weltneuheit“ nennt, nun die Büroarbeiter zu mehr Bewegung auf dem Stuhl animieren. Über die App teilt die Box dem Benutzer mit, wie er sich anders hinsetzen könnte: mehr anlehnen, mehr nach vorne setzen, aufrechter hinsetzen. Hauptsache, es entsteht Bewegung.

Der Hauptfokus aber liegt laut Hohenbild darauf, dass die Box nach 40 Minuten vibriert. Ein Zeichen, dass der Benutzer mal wieder aufstehen sollte. „Bewege ich mich aber viel auf dem Stuhl, darf ich länger sitzenbleiben“, sagt Hohenbild.

Zudem zeigt die App an, welche Temperatur, Luftfeuchtigkeit und welche Lautstärke rund um den individuellen Arbeitsplatz herrschen. Die App gibt an, in welchem Bereich es sich gut arbeiten lässt und wann es etwa zu laut wird. Dann könne man Kollegen bitten, leiser zu sein oder das Telefon leiser stellen, sagt Hohenbild.

Entstanden ist die Idee zum Sitzsensor vor rund anderthalb Jahren. Das Möbelhaus an der Krefelder Straße verkaufte zu dieser Zeit immer mehr Schreibtische, die sich elektronisch so weit nach oben fahren lassen, dass der Benutzer wahlweise auch im Stehen arbeiten kann.

Denn der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen gilt als gesünder für den Rücken als das alleinige Sitzen. Allerdings stellten viele Kunden fest, dass ihre Mitarbeiter die Tische kaum nutzten. Inwerk führte Schulungen durch, um über Ergonomie am Arbeitsplatz aufzuklären. „Aber das haben die Leute nach zwei Tagen wieder vergessen“, sagt Hohenbild. Der Arbeitsalltag hole sie ein.

Der Sensor, den Inwerk final im März für knapp 100 Euro auf den Markt bringen will, soll das ändern. Durch die Vibration weist er auch ohne App die Mitarbeiter darauf hin, mal wieder aufzustehen. Seine Mitarbeiter in Meerbusch werden die Box in den kommenden Wochen ausgiebig testen, sagt Hohenbild. „Das Gute ist: Man braucht dafür keinen neuen Stuhl – die Box lässt sich an jeden Stuhl installieren“, sagt Hohenbild. Zumindest an jeden Bürostuhl, fügt er hinzu und sagt lachend: „An Bierkästen funktioniert der Sensor nicht.“