Meerbusch: Internet Marke Eigenbau

Meerbusch: Internet Marke Eigenbau

Der Büdericher Jörg Franke will für die Piratenpartei in den Landtag einziehen. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Internet-Projekten wie zum Beispiel dem Freifunk, mit dem Bürger ein eigenes Netzwerk aufbauen können.

Computer waren schon als Kind sein Ding. Mit dem C64 und ersten eigenen Mini-Programmen fing es an. Heute ist der Büdericher Jörg Franke (29) Fachinformatiker, besitzt elf Rechner und tüftelt an diversen Internet-Projekten.

Politik war für ihn bislang eher Nebensache. Doch dann kam 2009 die umstrittene Initiative der damaligen Familienministerin von der Leyen, den Zugang zu bestimmten Internetseiten ohne Richterbeschluss durch das BKA blockieren zu lassen. Das "Sperrgesetz" (laut der Ministerin gedacht zur Bekämpfung von Kinderpornografie) elektrisierte Zehntausende, die unkontrollierbare staatliche Zensur im Netz fürchteten. Statt geheimer Sperrlisten forderten sie die konsequente Löschung der Missbrauchs-Seiten.

Zu den scharfen Kritikern des Gesetzes gehörte auch Franke, der nicht verstehen konnte, "dass Politiker so etwas einfach ohne nachzudenken entscheiden". An diesem Punkt merkte er, dass man Politik nur durch gemeinsames Engagement ändern kann. Er trat daraufhin der im Aufbau befindlichen Piratenpartei bei, die in Meerbusch inzwischen rund 30 Mitglieder zählt.

Internet-Aktivisten unter sich

Bei den Internet-Aktivisten traf der eher zurückhaltende junge Mann Gleichgesinnte, verbrachte die Abende plötzlich nicht mehr allein vor dem Computer, sondern häufiger auf Parteiversammlungen und Piratenstammtischen. Als es dann um die Aufstellung der Landtagskandidaten ging, fiel die Wahl der Piraten im Bezirk Neuss III (Meerbusch, Kaarst, Korschenbroich, Jüchen) auf den gebürtigen Niedersachsen, was ihn selbst zutiefst überraschte.

Ob sein Name am 9. Mai tatsächlich neben Minister Lutz Lienenkämper (CDU) und Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD) auf dem Meerbuscher Wahlzettel stehen wird, ist allerdings noch nicht raus. Von den nötigen 100 Unterstützer-Unterschriften fehlen noch rund 70.

Politische Schwerpunkte hat sich Franke schon ausgesucht: Er möchte sich für mehr Transparenz von Entscheidungsprozessen einsetzen, gerade wenn es um Fragen geht, in denen mächtige Lobbygruppen mitmischen – und für Chancengleichheit in der Bildung.

In Büderich, wo Franke seit 2002 wohnt, kennt er übrigens jede Straße. Das liegt daran, dass er den gesamten Stadtplan per Rad abgefahren ist und ein GPS-Gerät (das die genaue Position bestimmt) dabei mitlaufen ließ. Die gewonnenen, genauen Geodaten hat er mit den Straßennamen versehen auf der Seite "OpenStreetMap" hochgeladen. Dort entsteht eine Internet-Weltkarte, die jeder Interessierte lizenzfrei nutzen kann, samt der genauen Koordinaten.

Für die Internet-Zukunft rechnet Franke damit, dass Computernutzer verstärkt ihre Router (also die drahtlosen Sender) zu "Bürgernetzen" zusammenschließen werden. Die Teilnehmer könnten dann überall im Sendebereich des eigenen Netzes Daten austauschen und ins Internet – ohne Zusatzgebühren. Bislang ist das vor allem ein Trend in den Metropolen. Einen auf Freifunk programmierten Router hat Franke gerade aufgestellt. Es ist wahrscheinlich der erste in Meerbusch.

(RP)