In Meerbuscher Senioren-Wohnheim wird ein Pudel für die Therapie eingesetzt

Johanniterstift in Büderich : Im Trösten ist Simba ganz groß

Der Pudel von Andrea Eurich ist ein ausgebildeter Therapiehund. Im Johanniterstift Büderich begleitet er die Sozialpädagogin auf Schritt und Tritt. Manchmal tröstet er sogar sterbende Menschen.

Im Johanniterstift in Büderich gibt es einen neuen qualifizierten Mitarbeiter. Besondere Kennzeichen: gelocktes apricotfarbenes Fell, Spaß am Apportieren, hohe Sensibilität. Im Mai hat Simba seine Prüfung als Therapiehund bestanden.

Ausgebildet wurde der reinrassige Pudel über einen Zeitraum von 18  Monaten in Nottuln bei Münster. „Er sollte das nach einem pädagogischen Konzept von der Pike auf lernen“, sagt sein Frauchen Andrea Eurich, die seit zwölf Jahren in der Einrichtung arbeitet.

Dass ihr eigener Hund jetzt so vielen Menschen Freude bereiten und ihnen dabei ganz zielgerichtet helfen kann, war der große Wunsch der Diplom-Sozialpädagogin aus Moers. „Als Kind durfte ich nie einen Hund haben“, erzählt sie. „Später kam ein Tier wegen meiner Berufstätigkeit nicht in Frage. Aber davon geträumt habe ich mein Leben lang.“

Als plötzlich in den Medien so viel von Therapiehunden die Rede war, war sie Feuer und Flamme für diese Idee. Nach anfänglicher Skepsis unterstützte Detlef Wacker, Leiter des Johanniterstifts, ihren Plan, berief aber zunächst eine Mitarbeiter-Versammlung dazu ein. „Vor diesem Tag hatte ich die allergrößte Angst“, erinnert sich Andrea Eurich. „Doch dann stimmten zu meiner Erleichterung alle zu.“

Damit begann die Suche nach einem geeigneten Hund. Gern hätte sie ein Tier aus dem Ausland adoptiert oder aus dem Tierheim geholt, „aber das war mir wegen eventueller Vorschädigungen zu heikel.“ Auch von ihren Lieblingsrassen Rhodesian Ridgeback, Labrador oder Golden Retriever musste sie sich verabschieden: „Zu groß, die Menschen sollten ja nicht erschrecken.“ Eine befreundete Tierärztin schlug einen Pudel vor. „Da habe ich nur gelacht und gesagt, ja, am besten rosa und parfümiert“, erzählt Andrea Eurich. Doch die Begegnung mit einem Pudel stimmte sie um: „Ich war sofort begeistert von der Intelligenz und Gelehrsamkeit dieser Rasse.“

Sie machte eine Züchterin in Hamburg ausfindig und holte ihr acht Wochen altes Hunde-Baby an Ostern 2017 ab. Der Besuch des Musicals „König der Löwen“ brachte sie auf den Namen Simba. Gleich danach stellte sie den „Hamburger Jung“ im Heim vor. „Vom ersten Moment an ergötzte er die Senioren. Ganz besonders rührend war sein Umgang mit unseren dementen Bewohnern. Die haben bei Simba sofort ihr Herz geöffnet.“

Von da an kam er täglich mit. Erst drehte der Welpe spielerisch seine Runden, weil er noch zu jung war für die Ausbildung als Therapiehund, die über Spenden finanziert wurde. Inzwischen wendet er das professionelle Training zielgerichtet an.

„Du bist mir ein Schlawiner“, ruft Katharina Kraus vergnügt, als der Hund vor ihr steht und geduldig auf sein Leckerli wartet, das sie aus dem Beutel kramt. Am 11. September feiert die muntere Dame ihren 94. Geburtstag. Sie lebt seit drei Jahren im Heim. „Und das sehr gern“, betont die Düsseldorferin, „es war meine eigene Entscheidung.“ Mit dem Rollator ist Katharina Kraus mobil, sie kann draußen mit Simba spielen. Viele bettlägerige Bewohner sind dazu nicht in der Lage, zu ihnen kommen Andrea Eurich und der Hund ins Zimmer. Was er sehr liebt, ist seine Rolle als Briefträger: „Mit Halstuch und Tasche zieht er los und verteilt die Post.“ Manchmal besucht sie mit Simba sogar Sterbende. „Als Therapiehund hat er die nötige Sensibilität dafür erworben“, sagt sie. Aufs Bett darf er eigentlich nicht, aber auf Codewörter wie „trösten“ oder „streicheln“ springt er auf eine Decke und kommt den Menschen in ihren letzten Stunden ganz nah. Dabei ist Erstaunliches zu beobachten: „Egal, ob die geistigen Kräfte schon geschwunden sind oder jemand nicht mehr sprechen kann – eines bleibt unverändert. Die Hand geht immer noch Richtung Fell oder greift nach der Pfote.“ Ein typischer „Knuddelhund“ sei Simba zwar nicht, „aber er spürt sehr genau, wann man ihn braucht.“

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