In Meerbusch wurden für einen Neubau zahlreiche Bäume gefällt.

Bürgermonitor : Nachbarn empört über Kahlschlag

Zahlreiche Bäume – auch zwei große Buchen – wurden auf einem Grundstück am Feldbrand in Büderich abgeholzt. Der neue Eigentümer hat nichts Unrechtes getan. Aber die Anwohner fordern die Stadt auf, so etwas künftig zu verhindern.    

Am Feldbrand in Büderich kreischen seit Tagen die Sägen. Ein großes Grundstück wird komplett abgeholzt. Nacheinander fielen hochgewachsene Birken, üppige Gingkos und andere Bäume zu Boden. Die Nachbarn beobachteten das Geschehen erst betrübt, dann entsetzt. Ihr Geduldsfaden riss endgültig, als zwei riesige Buchen sterben mussten.

Anwohnerin Kerstin Gunnarsson postete Fotos der gefällten Giganten in den sozialen Netzwerken und wandte sich an unsere Redaktion. „Ein so trauriger Anblick“, sagt sie. „Diese Bäume sind über Jahrhunderte gewachsen – und an einem Tag einfach weg. Leider gibt es in Meerbusch keine Baumschutzverordnung. Aber muss man deshalb einfach still sein und alles hinnehmen?“ Sie appelliert an die Stadt, das freizügig erlaubte Fällen von Bäumen in Frage zu stellen. Der Sturm Ela habe 2014 in unmittelbarer Umgebung sehr viel zerstört, dadurch seien die Nachbarn besonders sensibilisiert. Anwohnerin Annika Holzammer pflichtet ihr bei. „Warum darf jeder ungehindert über Bäume bestimmen, die viel länger leben als er selber? Das macht mich fassungslos.“ Renaturierungsmaßnahmen wie das Bürgerwäldchen würden da geradezu befremdlich wirken. „Der erste Schritt wäre ja wohl, das zu erhalten, was da ist“, sagt sie. Auch Sibylle Schweiger ist aufgebracht: „Mir blutet das Herz, wenn ich an den herrlichen Baum denke. Ein Unding, dass so ein Kahlschlag erlaubt ist. Die Stadt muss aufgerüttelt werden, damit sie das künftig verhindert.“ Schräg gegenüber des Grundstücks wohnen Gaby und Jörg Bohnet. „Ein Frevel, was hier passiert“, ärgert sich der frühere Internist. „Die große Buche war die schönste in ganz Büderich. Mindestens 200 Jahre alt und kerngesund, wie man leicht erkennt. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich nicht wachsamer war und beizeiten interveniert habe. Jetzt ist es zu spät.“

Erfolg hätte sein Einspruch ohnehin nicht gehabt. Die Buchen flankierten das bisherige Haus auf dem Grundstück zu beiden Seiten. Es stammt aus den 1950er Jahren, wurde vom Vorbesitzer verkauft und soll demnächst abgerissen werden. Der jetzige Eigentümer will die gesamte Grundstücksbreite für eine neue Bebauung nutzen. Sie erregt mit ihren Dimensionen die Gemüter der Nachbarn. Vorgesehen sind zwei Häuser mit jeweils fünf Wohnungen sowie eine Tiefgarage. „Sie zerstören mit ihrer Größe den Charme unseres Viertels“, sorgt sich Sibylle Schweiger. Annika Holzammer kann nicht verstehen, warum Bauherren völlig freie Hand haben, „egal, ob das neue Haus in die Umgebung passt oder wie hier ein Fremdkörper ist“. Auch die Bohnets befürchten, der Charakter der beschaulichen und einheitlich bebauten Straße werde sich unschön verändern.

Das Recht aber ist auf Seiten des neuen Besitzers. Er schöpft nur aus, was ihm erlaubt ist. Die Vorwürfe der empörten Anwohner richten sich in erster Linie gegen die Stadt, die den Plänen zugestimmt hat. Sind ihre Einwände gegen den erwarteten „Klotz“ begründet?

Auf Nachfrage bei der Stadt Meerbusch heißt es, dass das Bauvorhaben im sogenannten unbeplanten Innenbereich nach Paragraf 34 Baugesetzbuch beurteilt wurde. Bei diesem Verfahren werde die Bebauung im erweiterten Umfeld in Betracht gezogen und mit dem Bauvorhaben abgeglichen. Die Anzahl der Wohnungen auf einem Grundstück ist im unbeplanten Innenbereich nicht vorgegeben, heißt es. Die Prüfung ergab, dass die neuen Häuser sich einfügen und deren Firsthöhen mitsamt dem Staffelgeschoss die angrenzenden Häuser nicht überragen. Inzwischen läuft das Baugenehmigungsverfahren. Für Wohnungen sind sogenannte notwendige Stellplätze vorgeschrieben. Aufgrund der Anzahl der notwendigen Stellplätze, die sich nach Anzahl und Größe der geplanten Wohnungen richtet, wird die geplante Tiefgarage ausdrücklich begrüßt. Nur so können die Freiflächen des Grundstücks begrünt und die Umgebung von parkenden Autos entlastet werden.

Auch wenn die Nachbarn den Neubau akzeptieren müssen, die Trauer über den Verlust der Bäume bleibt. Es werde sehr lange dauern, bis da wieder etwas anwachse, klagt Sibylle Schweiger. In diesem Fall konnten die Buchen nicht gerettet werden, aber es gibt Hoffnung für die Zukunft. Meerbusch soll eine Baumschutzsatzung bekommen, ein entsprechender Beschluss zur Aufstellung wird gerade vorbereitet. Der Schutz greift allerdings nicht, wenn Baumaßnahmen ein Abholzen erfordern.

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