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In Meerbusch wird Spitzentennis unter Corona-Bedingungen gespielt

Sport in Meerbusch : Spitzentennis vor teils leeren Rängen

Bei den Tennis Open Stadtwerke Meerbusch gilt ein umfassendes Hygienekonzept. Lediglich hundert Zuschauer täglich sind erlaubt. Der Veranstalter kritisiert den Tennisverband, weil Ballkinder und Linienrichter nicht zugelassen sind.

Kevin Krawietz war der Star, aber nicht der Favorit bei den „Tennis Open Stadtwerke Meerbusch“. Krawietz hätte als amtierender French Open-Doppel-Champion im Sport & Tennis Resort Meerbusch am Eisenbrand antreten sollen, doch der 28-Jährige musste kurzfristig wegen einer Verletzung absagen. „Dass Kevin Krawietz absagen musste, hat mich schon geärgert. Aber mit Verletzungen ist nicht zu spaßen“, kommentierte Turnierdirektor Marc Raffel. „Zum Glück war mit Marvin Möller ein Nachrücker schon vor Ort.“

So stand der French Open Champion-Ersatzmann, der derzeit auf Weltranglistenplatz 1617 geführt wird, auch direkt mit als erster Spieler auf dem Court gegen Turnierfavorit Maximilian Marterer (Weltrangliste 376). Möller verlangte dem um mehr als 1400 Weltranglistenplätze höher platzierten alles ab. „Das war echt ein richtig gutes Match. Da konnte man sehr gut zuschauen“, urteilte Raffel.

Wobei es mit dem Zuschauen beim Halbfinal-Turnier der „Tannenhof Resort German Men’s Series“ nicht ganz so einfach ist. Beim Challenger Turnier, dass die Tennisfans aus Meerbusch und Umgebung in den vergangenen sieben Jahren alljährlich begeisterte, konnten pro Spieltag 1500 Zuschauer auf die Anlage kommen. Coronabedingt wure diese Zahl in Absprache mit dem Ordnungs- und Gesundheitsamt der Stadt für das Tennisevent des Jahres 2020 auf lediglich 100 reduziert. „Wir haben ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet und genehmigt bekommen und setzen das konsequent um. Wir machen, was erlaubt ist, gehen aber nicht darüber hinaus“, konstatiert Raffel. „Wir sind sogar schon vom Ordnungsamt unangemeldet kontrolliert worden. Es gab nichts zu beanstanden.“

Wobei allerdings Raffel eine Beanstandung in Richtung Deutscher Tennis Bund (DTB) hat. „Wir hatten von den Behörden die Erlaubnis, dass zwei Ballkinder mit auf dem Court sein dürften. Aber von Seiten des DTB waren Ballkinder nicht erwünscht“, beklagt er sich. Auch auf die bei solch hochklassigen Tennisturnieren normalerweise üblichen Linienrichter muss in der Coronakrise verzichtet werden. So waren also auch Yannik Maden (WR 149) und Daniel Masur (WR 250) im zweiten Match des Tages auf sich alleine gestellt. Das schien Masur zunächst zu überfordern, denn sang- und klanglos gab er den ersten Satz ab. Dann aber erwachten Kampfgeist und Spielfreude. Die Partie war fortan ausgeglichen und auf spielerisch hohem Niveau. Nur der Applaus, der auf den Zuschauertribünen bei internationalen Turnieren normalerweise aufbrandet, blieb den Tenniscracks in Meerbusch meist verwehrt. Bei 100 Zuschauern, die auch nicht immer bei den Spielen waren, sondern sich gerne mal im extra aufgebauten „Tennisdorf“ an den Sponsorenständen informierten oder die Gastronomie nutzten, mangelte es daran, die Begeisterung über hochklassige Ballwechsel in Applaus umzumünzen. „Eigentlich gebührt auch unseren Sponsoren der größte Applaus“, meint Raffel. „Es ist aller Ehren wert, dass sie ihr Engagement auch in der aktuellen Krise aufrecht erhalten. Ohne diese Unterstützung wären die Tennistage in Meerbusch nicht zu finanzieren.“ Dass die Unterstützung für Tennis in Meerbusch groß ist, bewies auch die „Business Night“. „Wir haben 75 Sponsoren, davon kamen 60 zur Business Night“, so Raffel. Dabei wurde etwa ein Talk mit dem Neusser Landrat Hans-Jürgen Petrauschke über Leistungssport im Rhein-Kreis Neuss geführt, und Maximilian Marterer gab Einblicke ins Leben eines Tennisprofis. Am Freitag steht Marterer wieder auf dem Court und redet nicht mehr über Tennis, sondern spielt.