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In Meerbusch verschickt die AfD Post an junge Wähler

Wahlen in Meerbusch : Erstwähler bekommen Post von der AfD Meerbusch

Knapp 2000 junge Leute haben den Brief erhalten. Ein 21-jähriger Student ärgert sich über diese Art der Wahlwerbung und fragt sich, wie die Partei an seine Adresse gekommen ist.

Rund 2000 junge Meerbuscher können bei der Bundestagswahl am 26. September zum ersten Mal ihr Wahlrecht ausüben. Die meisten von ihnen haben in den vergangenen Tagen Post von der AfD Meerbusch bekommen. So auch Alex M. aus Lank (Name von der Redaktion geändert). „Diese Art der Wahlwerbung macht mich wütend“, sagt der 21-jährige Jurastudent. „Auf den ersten Blick sei das Schreiben nämlich gar nicht als AfD-Post zu erkennen gewesen. In dem Briefkasten lag ein einfacher frankierter und an ihn persönlich adressierter Brief. Das AfD-Logo fehlte auf dem Umschlag, ebenso im Anschreiben. „So können Eltern nicht erkennen, dass der Brief von der AfD kommt, um dann mit ihren Kindern darüber zu reden“, sagt Alex. Diese versteckte Art der Ansprache findet er manipulativ, tricky und gefährlich.

„Wir gratulieren zum Wahlrecht“ steht im Betreff. Nach der persönlichen Anrede mit Vornamen geht es erst einmal darum, das Interesse der Leser zu wecken: „Wenn Sie den Brief sofort wegwerfen, dann verpassen Sie die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen. Nehmen Sie alles als unumstößlich hin und hinterfragen nichts und sind neuen Themen gegenüber aufgeschlossen?“ Weiter geht es: „Wir wünschen Ihnen Mut, eine eigene Meinung zu haben und offene, aufgeschlossene Gespräche mit ebenso mutigen Menschen zu suchen.“ Und schließlich endet das Anschreiben mit einem Zitat des Philosophen Voltaire, das wohl häufig von der Partei genutzt wird: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Um dann zu enden: „Wir freuen uns auf Sie! Ihre AfD in Meerbusch“.

 Der Flyer ist wie ein Comic gestaltet.  Quelle: AfD/Junge Alternative NRW
Der Flyer ist wie ein Comic gestaltet. Quelle: AfD/Junge Alternative NRW Foto: RP/AfD
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Alex lässt sich von dieser scheinbar kritisch bis rebellischen Haltung nicht blenden. „Die AfD vertritt nicht meine Werte.“ Er befürchtet, dass möglicherweise 18-Jährige, die noch zur Schule gehen oder gerade damit fertig sind und sich in einer orientierungslosen Phase oder Anti-Phase befinden, von der Wahlwerbung angesprochen fühlen könnten. Beigelegt ist dem Schreiben ein Flyer in Form eines Comics. Darin wird mit der Doppeldeutigkeit des „Ersten Mals“ gespielt. Was vielleicht im ersten Ansatz noch zum Schmunzeln bringt („Erstes Mal? Kein Grund, Rot oder Grün zu werden“), wird dann konsequent weiter durchgespielt und damit Stimmung vor allem gegen die Grünen gemacht.

„Das kennt man ja: Gegen andere, aber sie stellen selbst keine konstruktiven Pläne vor“, sagt Alex. Er ist zwar noch unschlüssig, wem er am Wahltag seine Stimme gibt. „Es steht für mich aber außer Frage, dass ich nicht die AfD wählen werde.“ Zusammen mit Studienkollegen hat er sich gefragt, warum die Partei überhaupt seine Adresse hat.

Dazu erklärt ein Sprecher der Stadt: „Laut Bundesmeldegesetz ist eine sogenannte Gruppenauskunft zulässig. So können Parteien beispielsweise abfragen, wer im Zeitraum zwischen dem 25.9.2017 bis zum 26.7.2021 volljährig geworden und damit als Erstwähler gilt. Es handelt sich um eine Gruppenauskunft, die so auch vom Umfang nicht zu beanstanden ist.“ Und weiter: „Insgesamt wurden durch die Stadt Meerbusch 1785 Datensätze von Personen übermittelt, die in dem oben genannten Zeitraum volljährig geworden sind und nicht von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch gemacht und die Datenübermittlung an Parteien gesperrt haben.“ Denn die Möglichkeit haben die Bürger. „Aber in dieser Altersgruppe hat in Meerbusch kaum jemand von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch gemacht“, so der Sprecher weiter.

Die AfD Meerbusch ist stolz auf ihre Kampagne samt Flyer, die vom Landesvorstand der Jungen Alternative NRW entwickelt und allen AfD-Gliederungen zur Verfügung gestellt wurde. Ratsmitglied Zacharias Schalley, der im Landesvorstand der Jungen Alternative NRW ist, erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Die entsprechenden Gliederungen konnten die Flyer auf der Homepage der AfD-NRW herunterladen und dann selbstständig drucken und verteilen oder zusenden lassen.“ In Meerbusch sei dem Flyer noch ein persönliches Anschreiben des Bundestags-Direktkandidaten Christof Rausch beigefügt und an knapp 2000 Erstwähler versendet worden. Schalley: „Die bisherigen Rückmeldungen sind durchweg positiv. Wir konnten viele junge Leute erreichen und hoffen, zahlreichen Erstwählern bei ihrer Wahlentscheidung geholfen zu haben.“ Ihm persönlich gefalle „die jugendliche und freche Aufmachung der Kampagne, die ja auch das Image der AfD selbstironisch aufs Korn nimmt“. Auf die Frage, wer die Idee zu dieser Art von Info-Post hatte, sagt er: „Besonders stolz bin ich darauf, dass diese Kampagne von Ehrenamtlern organisiert wurde, während die Altparteien mit ihren üppigen Finanzen wahrscheinlich eher hoch bezahlte Agenturen beauftragen würden.“