In Meerbusch können Hobby-Gärtner Gemüse ernten

„Hof am Deich“ in Büderich : Theresa erntet ihre eigenen Tomaten

Selber ernten liegt im Trend und ist auch in Meerbusch möglich. Karin Birgels-Rahm verpachtet an der Niederlöricker Straße in Büderich immer für eine Saison kleine Parzellen. Dort wachsen dann Blumenkohl, Kartoffeln und Salat.

Theresa Melk ist 30 Jahre alt, stammt aus dem Odenwald, studiert in Mönchengladbach an der Fachhochschule Niederrhein, lebt in Düsseldorf – und gärtnert in Büderich. „Das habe ich vermutlich von meiner Mutter“, sagt sie und stapft mit ihren schwarzen Gummistiefeln übers nasse Feld. Heute guckt sie nach ihren Tomaten. „Oh, hier ist eine aufgeplatzt.“ Theresa Melk kann noch bis zum Ende des Monats ihr eigenes Gemüse ernten und das ist eine ganze Menge. „Alles mein Feld“, sagt sie und zeigt auf die nächsten Beete. Hier zieht sie fast ihr komplettes Essen selbst Salate, Kräuter, Kohlrabi, alle Kohlsorten, Kartoffeln. „Ich gehe nur noch ganz selten in den Supermarkt.“

Karin Birgels-Rahm (re.) besucht Theresa Melk auf ihrem Feld an der Niederlöricker Straße. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Theresa Melks Hobby liegt im Trend. Überall in Deutschland sprießen die Selbst-Ernte-Felder aus dem Boden. Auch bei Karin Birgels-Rahm an der Niederlöricker Straße kann man sich für eine Saison ein Feld pachten und dort nach Lust und Laune sein Gemüse selber ernten. Und gleichzeitig etwas über Landwirtschaft lernen. Denn das war auch der Grund, warum Karin Birgels-Rahm vor einigen Jahren das Projekt startete. Durch einen Vortrag an der Kasseler Universität war sie auf die Idee aufmerksam geworden. „Da haben wir uns gedacht, das probieren wir auch mal.“ Mittlerweile ist der kleine Acker, eingeteilt in einzelne Parzellen, an 34 Pächter vermietet.

Im Mai werden die Felder nach einer kurzen Einweisung an die Pächter übergeben, zuvor hat Karin Birgels-Rahm die Parzellen mit Kartoffeln, Zucchini, Möhren, Sellerie und vielen weiteren Gemüsesorten bepflanzt, alles aus kontrolliert biologischer Herkunft. Zudem gibt es ein kleines Feld mit Blumen. Bereits vier bis sechs Wochen später geht es bereits mit der Ernte los. Salat ist als erstes fertig, mit der Ernte des Grünkohls im November endet die Saison. „Eine Parzelle kann eine vierköpfige Familie ernähren“, sagt Birgels-Rahm. Deshalb würden einige Parzellen von mehreren Menschen geteilt.

Darüber hinaus gibt es auch eine freie Fläche, auf der jeder nach eigenem Wunsch etwas anpflanzen kann – vorausgesetzt, es ist auch aus biologischem Anbau. Manche nutzen die Fläche für weiteres Gemüse, andere für Blumen oder um Tisch und Stühle zum Verweilen zu errichten. „Für viele ist das Feld ein Ort, um sich zu erden“, sagt Karin Birgels-Rahm.

Der sonnige Sommer hat vor allem die Tomaten gut gedeihen lassen, während Salat und Spinat unter der Hitze gelitten haben. Manchmal aber lässt es sich schlichtweg nicht erklären, warum ein bestimmtes Obst oder Gemüse besser oder schlechter als im Vorjahr gelingt, sagt Birgels-Rahm, die ansonsten auf Wochenmärkten ihr Obst und Gemüse verkauft.

Das Gärtnern ist aber nicht nur Idylle, sondern auch harte Arbeit. Zwei- bis dreimal pro Woche sollte man jeweils ein bis zwei Stunden vor Ort einplanen. Denn ob Gießen, Ernten oder Unkraut jäten – es gibt immer etwas zu tun. „Es ist wichtig, dass man Spaß an der Arbeit hat“, sagt Birgels-Rahm. Und das haben die meisten ihrer Pächter auch, da die überwiegende Mehrheit seit vielen Jahren mitmacht. Dabei haben sich Gemeinschaften gebildet. Zum Beispiel, um sich beim Gießen abzuwechseln oder um mit dem geernteten Gemüse zusammen zu grillen und kochen. Ab und zu kommen auch Gruppen aus Schulen oder Kindergärten vorbei, um sich das Projekt anzuschauen. Für Karin Birgels-Rahm eine wichtige Arbeit, da ihrer Meinung nach immer weniger Kinder Ahnung von Landwirtschaft haben. „Deshalb wäre es auch schön, wenn mehr Familien mitmachen würden.“ Platz genug gebe es, denn Karin Birgels-Rahm kann ihr Feld nach Belieben erweitern.

Für Theresa steht fest, dass sie sich im nächsten Jahr ein neues Ernte-Feld sucht. Sie weiß nur noch nicht, wo. „Kann ja sein, dass ich jetzt einen Job in einer anderen Stadt oder im Ausland finde. Das mache ich aber auf jeden Fall weiter.“ Schließlich habe sie sich sehr daran gewöhnt, alles einzumachen oder einzufrieren und vor allem, ihren Freunden beim Sommerfest nur selbst Geerntetes zu servieren.

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