Hilfsbereitschaft in Meerbusch Spendenwelle rollt für die Ukraine

Meerbusch · Die Meerbuscher wollten angesichts des Krieges in der Ukraine nicht untätig sein. Sie gehen auf die Straße und sammeln Spenden. Hilfsorganisationen und Stadt arbeiten hier zielgerichtet Hand in Hand.

 Die Meerbuscher wollen nicht tatenlos auf den Krieg schauen. Sie gehen für den Frieden auf die Straße und sammeln Spenden.

Die Meerbuscher wollen nicht tatenlos auf den Krieg schauen. Sie gehen für den Frieden auf die Straße und sammeln Spenden.

Foto: Ja/Anne Orthen (ort)

Die Meerbuscher sind hilfsbereit, mitfühlend und spontan. Das haben sie am Rosenmontag bewiesen, als sich rund 500 Menschen vor dem Meerbad zu einer Friedensdemo trafen. Sie forderten Putin auf, den menschenverachtenden Krieg gegen die Ukraine sofort zu beenden. Auch haben sie bei der Flüchtlingskrise und bei der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer bewiesen, dass sie bereit sind, zu sammeln und zu spenden.

„Gerade aus der Flutkatastrophe haben wir gelernt“, sagt Antje Schwarzburger, stellvertretende Vorsitzende von „Meerbusch hilft“. Deshalb wollen die Aktiven der gemeinnützigen Organisation jetzt im Kriegsfall nicht unüberlegt und überstürzt handeln. „Wir haben uns mit den offiziellen Stellen abgesprochen“, sagt Schwarzburger. Am Samstag, 5. März, wird an drei Sammelstellen in Meerbusch von 10 bis 14 Uhr gesammelt: Und zwar am Tafel-Lager von „Meerbusch hilft“, Insterburgerstraße 16a/Haus 11/Halle 7 in Osterath. Bei der Firma Akkuplanet, Berta-Benz-Straße 18 in Strümp (Drive-in), und im „Meerbusch hilft“-Zelt auf dem Parkplatz P+R Haus Meer an der Meerbuscher Straße (von Büderich erreichbar).

„Wir nehmen keine Kleiderspenden an“, sagt Antje Scharzburger und nennt die Liste der Dinge, die dringend benötigt werden: Schlafsäcke, Isomatten, Wärmedecken, Powerbanks, Batterien, Taschenlampen, Gas-/Campingkocher und Kartuschen, Dosenöffner, vollständige Verbandskästen. Haltbare Lebensmittel: Nudeln, Reis, Suppen-, Obst-, Gemüse- und Fleisch-Konserven (möglichst mit Dosenlasche), löslicher Kaffee, Tee, Powerriegel, Cerealien, Babynahrung. Mit Ausnahme von Babynahrung muss auf Glas verzichtet werden.

Unter dem Verwendungszweck „Ukraine“ steht das Spendenkonto für Geldspenden zur Verfügung: Meerbusch hilft e.V., Verwendungszweck: Ukraine, Commerzbank DE78 3004 0000 0841 7073 00. In der Geschäftsstelle liegt eine Liste mit ehrenamtlichen Dolmetschern für Ukrainisch und Russisch aus. Interessierte melden sich bitte unter info@meerbusch-hilft.de.

Im „Pappkarton“ der Diakonie in Strümp freut man sich auf Kleiderspenden für Frauen und Kinder. Auch Decken, Schlafsäcke und Isomatten würden dringend gebraucht sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kleiderkammer, Ingeborg Horstmann-Rabba. Donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr nehmen die Mitarbeiter in der Kleiderkammer am Fouesnantplatz auch Zahnpasta, Konserven, Hygieneartikel, Nudeln und Kerzen, Taschenlampen und Masken entgegen. Man habe unter den ehrenamtlich tätigen Helfern auch russisch sprechende Kollegen, die für Geflüchtete dolmetschen könnten.

Maria Groteguth, Organisatorin der Friedensdemo am Rosenmontag, rief auch im Namen ihres Mannes Markus Groteguth zu medizinischer Hilfe auf: „Die Ärzte in der Ukraine benötigen dringend Medikamente und Verbandmaterialien. Diese werden in einem koordinierten Transport am Freitag zur polnisch-ukrainischen Grenze transportiert, um von dort zu den ukrainischen Ärzten geliefert zu werden“, sagt die Lankerin. Sie bittet um: Mullbinden, Einmal-Handschuhe, Watte, NaCL für Infusionen, Verbandsmaterial, Antibiotika und Bluthochdruckmedikamente. Die Spenden können bis Donnerstag, 3. März, 10 Uhr, bei der Firma SeCoMe-Medical Manager, Hauptsraße 92 in Lank abgegeben werden.

Spenden für die Ukraine werden aber auch beim Büdericher Delikatessenhändler Bos Food gesammelt, sie sollen zum Ende der Woche per Lkw in die Ukraine gebracht werden. Viele Privatmenschen, aber auch viele Firmen - wie zum Beispiel Hakle oder das Autohaus Krüger und Schellenberg - haben bereits viele Kartons mit Toilettenpapier, Medizin oder Bekleidung an der Grünstraße abgestellt. „Noch fehlen uns Medikamente und Verbandsmaterial", so Saski Bos, die mitsamt dem Bos-Team die Spenden sichtet und verpackt.

Für Bürger, die Geflüchteten aus der Ukraine eine vorübergehende Unterkunft bieten möchten, stehen ab sofort auf der Internetseite der Stadt Meerbusch – www.meerbusch.de – Meldeformulare bereit. Für Nachfragen wurde die E-Mail-Adresse krisenhilfe@meerbusch.de eingerichtet. Bürgermeister Christian Bommers ist erfreut über die Hilfsbereitschaft der Meerbuscher: „Allen Bürgerinnen und Bürgern, die Unterstützung anbieten, danke ich schon jetzt sehr herzlich.“ Freie Plätze in städtischen Gebäuden seien bereits geprüft. „Grundsätzlich aber ist ein private Unterbringung, in der die Menschen auch sozial angebunden sind, immer einer Gemeinschaftsunterkunft vorzuziehen“, so Bommers. Der Wunsch, Geld für die vom Krieg heimgesuchten Menschen in der Ukraine und den Nachbarländern zu spenden, sei auch in Meerbusch groß. Von der Einrichtung eines lokalen Spendenkontos habe man aber bewusst abgesehen. „Hier gibt es schon ein großes Angebot an seriösen Organisationen, die sicherstellen, dass jede Spende auch ihren Zielort erreicht.“ Sachspenden zu sammeln sei nach Ansicht von Bommers derzeit nicht sinnvoll. Grundsätzlich sei es aber wichtig, nun nicht überstürzt, sondern mit Maß und Ziel zu handeln.

Zuvor hatten Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Christian Bommers und die Bürgermeister-Kollegen aus dem Rhein-Kreis Neuss den russischen Angriff auf die Ukraine in einer gemeinsamen Erklärung als menschenverachtenden Akt verurteilt. Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine sei eine Zäsur für die demokratische Wertegemeinschaft, für Europa – und damit auch für die Kommunen im Kreis. „Wir fordern eine politische und keine militärische Lösung der Krise im Osten Europas“, heißt es im Statement der Verwaltungsspitzen. Es müssten alle internationalen Anstrengungen unterstützt werden, um auf dem Wege der Diplomatie eine friedliche Lösung des Russland-Ukraine-Konfliktes zu erreichen. In einer Arbeitsgruppe werde man sich mit der Unterbringung Geflüchteter beschäftigen.