In Meerbusch gibt es zu wenig sozialen Wohnungsbau.

Thema im Sozialausschuss : Meerbusch braucht günstige Wohnungen

Das Problem ist alt, aber gerade wieder aktuell: In Meerbusch gibt es zu wenig sozialen Wohnungsbau. Darüber wollen die Politiker am Mittwoch im Sozialausschuss reden. In diesem Jahr werden noch 84 Wohnungen gebaut.

In Meerbusch gibt es nur wenige Wohnungen, die sozial gefördert und damit preisgebunden sind. Damit liegt die Stadt im bundesweiten Trend. Immer wieder wird darüber in den politischen Gremien diskutiert, immer wieder fordern Sozialpolitiker Kommunen auf, zum Beispiel im Geschosswohnungsbau bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – auch in Meerbusch. Am Mittwoch (20. Februar, 17 Uhr, Sitzungssaal Dr. Franz-Schütz-Platz, Büderich) steht ein Bericht zum aktuellen Bestand an preisgebundenem Wohnraum nach einen Antrag der Fraktion Die Linke und Piraten auf der Tagesordnung.

Zwölf GWG-Wohnungen an der Insterburger Straße sind bezugsfertig, weitere 20 dann im nächsten Jahr. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Es wird zwar in Meerbusch gebaut, aber das reicht offenbar nicht, um die Nachfrage zu befriedigen. Ein Problem: Nach zehn Jahren fällt die Preisbindung von zuvor öffentlich gefördertem Wohnraum, und die Investoren können marktübliche Mieten verlagen. „Es wird zwar durch Neubauten aufgefüllt, das reicht aber nicht, um den Ausfall nach dem Wegfall der Preisbindung auszugleichen“, sagt Sozialdezernent Frank Maatz. Es müsste eigentlich mehr Anreize geben, dass Investoren günstigen Wohnraum schaffen.

Gleichwohl entstehen solche Wohnungen in Meerbusch. Erstes Beispiel ist der frühere Bauhof an der Moerser Straße in Büderich. Dort entstehen in den nächsten Monaten insgesamt 106 Wohnungen. 40 davon gehören zum teuren Segment, 66 aber sind zum großen Teil öffentlich gefördert. Bauverein Meerbusch und die GWG aus Viersen bauen je 33 Wohnungen, die einen vorne links, die anderen vorne rechts.

Zweites Beispiel: Die GWG hat gerade an der Insterburger Straße 32 Wohnungen in zwei Gebäuden fertig gestellt. Die ersten zwölf Wohnungen sollen noch in diesem Monat bezogen werden, die anderen dann im Jahr 2020. Die GWG engagiert sich nach eigenen Angaben seit Jahren intensiv im Bau von sozial geförderten Wohnungen in Meerbusch. Sie vermietet zurzeit 681 Wohnungen in der ganzen Stadt.

Drittes Beispiel: An der Rottstraße in Lank-Latum wurden ebenfalls preisgebundene Wohnungen gebaut. Sie waren eigentlich für Flüchtlinge gedacht, wurden dann aber umgewidmet.

Es ist ja nicht so, dass in Meerbusch nicht an Wohnungsbau gedacht wird. Auf zwölf Flächen sollen in den nächsten Jahren 1102 Wohneinheiten entstehen. 450 Wohnungen an der Ivangsheide, 160 für den Kamper Hof, 120 im Areal rund um die Barbara-Gerretz-Schule, 60 am Schneiderspfad oder 40 in Nierst. Aber: Nicht alle Wohnungen werden öffentlich gefördert und gelten als bezahlbarer Wohnraum. Gleichwohl, so sagt es Dezernent Maatz auch, werde bei allen Neubauprojekten auf Basis des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts auch an geförderte Wohnungen gedacht.

Vor zehn Jahren gab es noch 1242 geförderte Wohnungen, im Jahr 2015 noch 736. Zum Jahresbeginn 2019 hat sich die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen in Meerbusch dann noch einmal reduziert – auf 613. Davon haben laut Ausschuss-Vorlage 72 ein Zimmer, 278 haben zwei Räume, 195 dann drei Zimmer und bei 68 Wohnungen handelt es sich um 4-Zimmer-Wohnungen. Wie groß der Bedarf an preisgebundenen Wohnungen ist, kann die Stadt nicht exakt feststellen. Sie weiß nur, wie viele Berechtigungsscheine beantragt werden – auch wenn der Antragsteller dann nicht zwingend in Meerbusch wohnen muss. Der Schein gilt in ganz NRW. Im vergangenen Jahr stellte die Stadt 199 Wohnberechtigungsscheine aus. 2014 waren es 152, im Jahr darauf 163, 2016 dann 181, im Jahr 2017 waren es 195. Insgesamt sei festzustellen, dass der Meerbuscher Wohnungsmarkt wegen der relativ hohen Mieten gerade für Einkommensschwache und Bezieher von Sozialleistungen schwierig ist, heißt es in der Vorlage für den Sozialausschuss. Gezielt für Senioren oder Geringverdiener solle das Angebot besser werden, vor allem bei öffentlich geförderten Neubauvorhaben. Außerdem wird damit gerechnet, dass die neuen Wohnbaugebiete zu einer „Umschichtung im Bestandwohnungsraum“ führen könnten.

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