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In Meerbusch freut sich eine Flüchtlingsfamilie auf Weihnachten

Festliches Meerbusch : Fröhliche Weihnachten in der neuen Heimat

Familie Tamaskani Zahedi-Salkhordeh aus Strümp feiert Heiligabend mit Tannenbaum und Weihnachtsgeschichte. Vor zwei Jahren kam sie nach Deutschland und ist in die evangelische Kirche eingetreten.

Der helle Flur ist wenige Tage vor Weihnachten adventlich geschmückt. Liebevoll hat Razieh Salkhordeh dort Adventskalender für ihre Kinder Mohammed und Marzieh aufgehängt. Für jeden Tag ein Säckchen, dazu noch ein Schoko-Kalender mit einem weihnachtlichen Motiv. Große rote Sterne ergänzen das Ambiente. Der christliche Advent ist bei der persischen Familie eingekehrt, die vor zwei Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet und hier in die evangelische Kirche eingetreten ist.

„Wir haben uns schon im Iran für den christlichen Glauben interessiert, aber wir durften ihn nicht ausüben. Das wäre gefährlich gewesen“, berichtet Salkhordeh. Ein Übertritt vom Islam zum Christentum ist in vielen muslimischen Ländern nicht erlaubt und wird hart bestraft. Nun kann die Familie ganz unbefangen Weihnachten feiern und freut sich schon sehr darauf. „In der Schule haben wir ganz viel gebastelt“, erzählt die sechsjährige Marzieh mit leuchtenden Augen. Sie besucht die erste Klasse in der Martinus Grundschule. Jeden Tag durfte ein Kind ein Türchen am Adventskalender aufmachen und eine kleine Überraschung mit nach Hause nehmen, berichtet sie. Dagegen ging es im Meerbusch-Gymnasium, das der zwölfjährige Mohammed besucht, eher normal zu. Nur ein Tannenbaum verbreitete im Foyer eine besondere Atmosphäre. Auch die Bäckerei ist nicht so Mohammeds Ding, wenngleich er auf die Frage, welches Weihnachtslied er denn kenne, „In der Weihnachtsbäckerei“ nennt.

Marzieh hingegen ist in den Tagen vor Heiligabend mit Feuereifer dabei, wenn es um das Glasieren der Plätzchen etwa mit rosa Zuckerguss und bunten Streuseln geht. Die Rezepte hat Razieh Salkhordeh aus dem Meridias Rheinstadtpflegehaus mitgebracht, wo sie eine Ausbildung zur Köchin absolviert. Von dort stammt auch die Anleitung zum Backen eines echten Christstollens, den die Iranerin in der heimischen Küche geknetet und gebacken hat. Nun muss er ruhen, ehe er Heiligabend angeschnitten wird. Auch ein Tannenbaum steht im Wohnzimmer, geschmückt mit Kerzen und Kugeln. „Das Lied ‚Oh Tannenbaum‘ ist mein Lieblingslied“, erzählt Marzieh. Mohammed kann auch etwas vom Sinn des Weihnachtsfestes berichten, nämlich, dass damals in Bethlehem Jesus geboren und in eine Futterkrippe gelegt wurde, die mit Heu gefüllt war.

Die Familie wird am Heiligen Abend eine der Freiluft-Kurzandachten mit Weihnachtsgeschichte und Musik besuchen, die die evangelische Gemeinde anbietet. Dann erfährt der Junge vielleicht noch mehr von dem Geheimnis dieser besonderen Nacht. Was es mit den deutschen Traditionen zu Weihnachten auf sich hat und wie diese gepflegt werden, hat Familie Salkhordeh, zu der noch Vater Mahmoud Tamaskani Zahedi gehört, gleich im ersten Jahr nach der Flucht bei einer deutschen Freundin erlebt, die sie zum gemeinsamen Feiern eingeladen hatte.

Das ist nun dieses Jahr wegen Corona nicht möglich. „Das finde ich sehr schade“, bedauert Razieh Salkhordeh. Gerne hätte sie auch Menschen aus ihrer Nachbarschaft einmal zum Adventstee eingeladen, um neue Kontakte zu knüpfen und ihr Deutsch zu verbessern. Als gelernte Reporterin und mit einer großen Familie war sie es im Iran gewohnt, immer Menschen um sich zu haben und sich auszutauschen. Das muss sich in der neuen Heimat erst noch entwickeln.