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In Meerbusch betreuen 67 Tagespflegepersonen rund 260 Kinder

Betreuung in Meerbusch : Tageseltern erhalten noch keine bessere Bezahlung

Die Vorsitzende des Vereins Tagesmütter, Angelika Schumann, hat dem Jugendhilfeausschuss vorgeschlagen, eine dritte Qualifizierungsstufe in der Tagespflege einzuführen. In einigen anderen Kommunen ist das der Fall.

„Wenn wir die Weiterqualifizierung der Tagespflegepersonen unterstützen und damit diese Tätigkeit so attraktiv wie möglich machen, schaffen wir weitere Betreuungsplätze für kleine Kinder“, erklärte Guido Fliege von den Grünen im Jugendhilfeausschuss. Und ergänzte: „Wir wollen nicht in Steine, sondern verstärkt in Menschen investieren.“ Die Fraktion setzt darauf, dass sich mit einer höheren Bezahlung mehr Menschen dazu entschließen, als Tagesmutter oder Vater zu arbeiten. Derzeit gibt es in Meerbusch 67 Tagespflegepersonen, die rund 260 Kinder betreuen. Bei den Unter-Zweijährigen sind rund ein Drittel der Betreuten nicht in einer Kita, sondern werden von einer Tagesmutter versorgt. Die Vorsitzende des Vereins Tagesmütter, Angelika Schumann, hatte dem Ausschuss vorgeschlagen, eine dritte Qualifizierungsstufe in der Tagespflege einzuführen, wie es in einigen anderen Kommunen der Fall ist. Bisher werden die Tagespflegepersonen in zwei Kategorien bezahlt, nämlich Grundqualifikation (3,93 Euro pro Stunde und Kind) und Aufbauqualifikation (5,15 Euro). Dabei dürfen bis zu fünf Kinder betreut werden. Wer dieses Kontingent ausschöpft und die Kinder ganztags betreut, kann in der Spitze ein ähnliches Einkommen erzielen wie eine pädagogische Fachkraft in einer Kita. „Der Entschluss, als Kindertagespflegeperson zu arbeiten, hat jedoch weniger mit dem Geld, das man bekommt, zu tun, als mit der Möglichkeit, Berufstätigkeit und Familie zu vereinbaren“, erläutert Schumann.

„Die Frauen (meist sind es Frauen), die sich dazu entschließen als solche zu arbeiten, haben selber mindestens ein, meist mehrere Kinder.“ Daher würden nur in einigen Fällen tatsächlich fünf weitere Kinder Vollzeit betreut. Sie ergänzt: „Während Erzieher in einer Kita eine 37,5 Stundenwoche haben und meist um 16 Uhr nach Hause gehen, haben Tagespflegepersonen mit fünf Kindern, die sie bis zu 45 Stunden betreuen dürfen, noch lange nicht Schluss.“ Zu der eigentlichen Betreuung komme noch das Putzen der Räume, Desinfizieren der Spielzeuge, Einkauf für das Mittagessen oder das Bastelmaterial am nächsten Tag, Abrechnungen und weitere Aufgaben wie Elterngespäche, so die Vereinsvorsitzende, die selber als Tagesmutter arbeitet. „Die Kitas haben zum Beispiel in der Coronapandemie vom Land bezahlte Helfer finanziert bekommen, die das Hygienekonzept umsetzen“, erläutert Schumann. Die Tagespfegepersonen aber nicht. Die städtische Verwaltung gibt jedoch zu bedenken, dass eine höhere Bezahlung der Tagespflege zu einem Verdrängungswettbewerb mit Erziehern in Kindertageseinrichtungen führen könne. Schon jetzt haben alle Kitas Schwierigkeiten, ausreichend Fachpersonal zu bekommen. Das Jugendamt befürchtet zudem, dass sich Eltern dann besonders die Tagespflegepersonen mit der 3. Qualifizierungsstufe aussuchen würden. „Nur wenige Eltern fragen gezielt nach der Qualifizierung, sondern wählen meist über Empfehlungen“, erklärt dagegen Schumann. Auch in den Kitas arbeite Personal mit unterschiedlicher Qualifikation. Sie bezweifelt zudem, dass Erzieher in die Tagespflege abwandern würden. „Das bedeutet nämlich der Schritt in die Selbstständigkeit mit vollem unternehmerischen Risiko“, so Schumann. Nicht jeder wolle Tageskinder und ihre Eltern in den eigenen privaten Räumen begrüßen und diese entsprechend umgestalten.

Der Antrag der Grünen, diese 3. Qualifizierungsstufe einzuführen, wurde von der SPD und der UWG unterstützt. Ralph Jörgens (FDP) konnte sich im Namen seiner Fraktion dem noch nicht anschließen. Er möchte genauere Zahlen sehen und sagte, dass er sich auch eine generelle Erhöhung der Sätze vorstellen könne. „Ich glaube, wir sind nahe beieinander.“ Ein Beschluss wurde im Jugendhilfeausschuss nicht gefasst.