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Meerbusch: Immer mehr arme Senioren in Meerbusch

Meerbusch : Immer mehr arme Senioren in Meerbusch

Innerhalb nur eines Jahres stieg die Anzahl der Meerbuscher Senioren, deren Rente nicht zum Leben reicht, um 4,2 Prozent an. Der Fachbereich Soziales geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird

Die Zahl der Meerbuscher Bürger, die im Alter oder wegen Erwerbsunfähigkeit auf Sozialhilfe angewiesen sind, ist deutlich angestiegen. Für das vergangene Jahr verzeichnet das Sozialamt des Rhein-Kreis-Neuss insgesamt 275 arme Senioren. Im Vergleich zum Jahr 2012 - damals waren es 264 Senioren - ist das ein Anstieg von rund 4,2 Prozent. Und: Der Trend wird sich fortsetzen. "Aufgrund des demographischen Wandels, schwindender Renten und steigender Lebenshaltungskosten müssen wir davon ausgehen, dass die Zahlen auch in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen werden", sagt Bettina Scholten vom städtischen Fachbereich Soziale Hilfen.

Unter den insgesamt 12 221 Senioren in Meerbusch beziehen derzeit rund 2,3 Prozent Sozialhilfe. Damit liegt die Stadt immer noch unterhalb des Bundesschnitts (2,7 Prozent). Doch seit einigen Jahren beobachtet die Meerbuscher Verwaltung einen Anstieg der Sozialhilfeleistungen, und das nicht nur unter den Senioren. "Auch die Fälle von Erwerbsminderung unterhalb des Rentenalters nehmen zu", berichtet Scholten. Ein Beispiel dafür sei die zunehmende Zahl von Menschen mit Burnout-Syndrom, hervorgerufen durch Erschöpfung und Stress im Beruf.

Laut Gesetz liegt ein Fall von dauerhafter Erwerbsminderung vor, wenn ein Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage ist, mehr als drei Stunden täglich zu arbeiten und sein Auskommen zu sichern. 130 Frauen und Männer in Meerbusch hatten dieses Problem im Jahr 2012. Vergangenes Jahr waren es bereits 150 - ein Anstieg um 15,4 Prozent. "Teilweise sind es auch körperliche Erkrankungen, etwa ein Krebsleiden, das Menschen zwingt, ihren Berufsalltag aufzugeben", sagt Scholten, "in anderen Fällen sind es aber auch psychische Krankheiten."

Knapp zwei Millionen Euro hat die Stadt im Jahr 2012 für die Grundsicherung im Alter und die Unterstützung von Fällen der Erwerbsminderung ausgegeben, im vergangenen Jahr kletterten die Ausgaben auf 2,3 Millionen Euro. In beiden Jahren flossen rund 60 Prozent des Geldes in die Sozialhilfe für Senioren. Ab diesem Jahr werde der Haushalt jedoch entlastet, kündigte Scholten an. "Der Bund wird die Kosten für die Grundsicherung zukünftig in voller Höhe übernehmen."

Die Verwaltung möchte Senioren über die Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung aufklären. "Viele Vereine helfen älteren Menschen bereits sehr erfolgreich dabei, sich über Gesetzesänderungen und neue Angebote auf dem Laufenden zu halten", sagt Scholten. "Die Stadt möchte ihren Beitrag dazu leisten, damit die Betroffenen ihre Ansprüche geltend machen." Mit mobilen Beratungsbüros, die von der Stadt im Frühjahr in Absprache mit den Bürgervereinen eingerichtet wurden, geben die Mitarbeiter des Fachbereichs Soziale Hilfen den Senioren vor Ort ausführliche Auskünfte. Außerdem soll das Thema Grundsicherung im Alter am 19. Oktober bei der Seniorenmesse im Städtischen Meerbusch-Gymnasium aufgegriffen werden. "Die Beratung der Senioren ist notwendig", so Scholten. Denn: "Wenn sich rentenpolitisch in Deutschland nichts ändert und die Senioren nicht mit ihrer Rente auskommen können, werden die Problemfälle auch in Meerbusch zunehmen."

(RP)