Meerbusch Immer ein nettes Wort für den Kranken

Meerbusch · Helga Schachtschneider ist ehrenamtlich beim Besuchsdienst im St. Elisabeth-Hospital in Lank tätig

 Helga Schachtschneider kümmert sich seit neun Jahren ehrenamtlich um die Bedürfnisse der Patienten des St. Elisabeth-Hospitals in Lank. Sie macht Einkäufe, geht mit ihnen spazieren und hat ein offenes Ohr für die Kranken.

Helga Schachtschneider kümmert sich seit neun Jahren ehrenamtlich um die Bedürfnisse der Patienten des St. Elisabeth-Hospitals in Lank. Sie macht Einkäufe, geht mit ihnen spazieren und hat ein offenes Ohr für die Kranken.

Foto: Dackweiler

Für jeden nimmt sie sich Zeit. Mit einem freundlichen Lächeln kommt Helga Schachtschneider in eins der Krankenzimmer im St. Elisabeth-Hospital in Lank. "Brauchen Sie irgendetwas?", fragt die 72-Jährige die Patienten. Wer will, kann sie mit kleineren Besorgungen beauftragen. Vielleicht benötigt jemand ein Buch oder eine neue Tube mit Zahnpasta. Aber die rüstige Rentnerin, die zum dreiköpfigen Team des ehrenamtlichen Besuchsdienstes der Klinik gehört, kümmert sich nicht nur um kleine Einkäufe. Auf Wunsch des Patienten rückt sie einen Stuhl an das Krankenbett, setzt sich - und hört zu.

"Viele haben das Bedürfnis, sich ihre Ängste und Sorgen von der Seele zu reden", berichtet Schachtschneider. Einfühlsam geht sie auf ihre Gesprächspartner ein, tröstet sie mit liebevollen Worten und versucht, ihnen etwa die bange Nervosität vor einer anstehenden Operation zu nehmen. Auf die Uhr schaut sie dabei nicht. Sie hat Zeit.

Das wissen viele der Patienten zu schätzen. Bei ihnen kommt in der Zeit des Wartens im Krankenbett mitunter tiefsitzender Kummer hoch. Den vertrauen sie Helga Schachtschneider an. "Manchmal wird gemeinsam geweint, manchmal auch gebetet", sagt die Seniorin. Das gehört für sie zum Alltag.

Es gab aber auch schon Situationen, wo sie mit dem ihr angetragenen Leid an ihre Grenzen stieß. Doch damit wird sie nicht alleine gelassen. "Wir von den Beschäftigten im St. Elisabeth-Hospital verstehen uns als ein Team, in dem alle an einem Strang ziehen", betont Klinik-Pflegedirektorin Anja Becker. Gemeinsam mit der Stationsleitung und Seelsorgern besprechen die Mitarbeiterinnen des Besuchsdienstes regelmäßig die Abläufe. "Wenn jemand ein ihm offenbartes Problem nicht verarbeitet bekommt, wird er von den anderen aufgefangen", erklärt Anja Becker.

Seit 2005 gibt es im St. Elisabeth-Hospital den Besuchsdienst. Helga Schachtschneider war von Anfang an dabei. Vor neun Jahren suchte die frühere Chefsekretärin eine ehrenamtliche Tätigkeit. "Ich wollte als Rentnerin nicht den ganzen Tag zu Hause herumsitzen, sondern mich ehrenamtlich um Menschen kümmern", sagt sie. Im St. Elisabeth-Hospital bot sie ihre Unterstützung an. Dort wurde sie mit offenen Armen empfangen. "Auf Sie haben wir gewartet!", jubelte damals Pflegedirektorin Anja Becker, die einen fertigen Plan für einen ehrenamtlichen Klinik-Besuchsdienst in der Schublade hatte.

Immer donnerstags kommt die Seniorin ins St. Elisabeth-Hospital. Ab 8.30 Uhr in der Früh beginnt ihr Einsatz, Ende offen. "Wann ich nach Hause gehe, hängt davon ab, wie stark an einem Tag meine Hilfe gefragt ist", erläutert Helga Schachtschneider. An anderen Tagen in der Woche ist sie ebenfalls zur Stelle, wenn sie gebraucht wird. Der Besuchsdienst sucht derzeit weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, das Alter von Interessierten spielt dabei keine Rolle.

Helga Schachtschneider empfindet ihre Einsätze als eine Bereicherung. "Es kommt so viel zurück von meinen Gesprächspartnern", sagt sie. Das hat mitunter auch Wert bis in alle Ewigkeit. Die 72-Jährige erzählt von einer Patientin, die im Krankenzimmer einen Reim nach dem anderen verfasst hatte. "Als sie entlassen wurde, habe ich als Dankeschön ein wunderschönes Gedicht erhalten."

(RP)
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