Meerbusch: Im Einklang mit der Natur

Meerbusch: Im Einklang mit der Natur

Heinrich Leuchten, Philip Munscheid und Johannes Siemes sichern den Wildbestand. Gänse und Tauben werden zum Problem.

Ein Schwarm Kiebitze fliegt durch den blauen Frühlingshimmel, die Nutrias wagen sich aus ihrem Bau, Reiher steigen auf, Enten fühlen sich gestört, das Rehwild wittert den Menschen - heile Natur rund um die Altrheinschlinge.

So sieht es auf den ersten Blick aus. Aber Heinrich Leuchten, Philip Munscheid und Johannes Siemes wissen, dass es größter Aufmerksamkeit bedarf, um "die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen" zu garantieren. So ist es im Jagdrecht verankert und dem fühlen sich die per anspruchsvoller Prüfung - wird auch "grünes Abitur" genannt - mit einem Jagdschein ausgestatteten Meerbuscher verpflichtet.

"Wir arbeiten im Einklang mit der Natur. Natürlich hat die Jagd auch etwas mit Schießen zu tun. Aber das ist für mich persönlich der kleinste Aspekt", erklärt Philip Munscheid, Leiter des Hegerings Meerbusch, der zur Kreisjägerschaft Neuss gehört. Beim Erzählen im Naturschutzgebiet mit den Fahrgeräuschen auf der Flughafenbrücke im Rücken und Ben, einem jungen Großer Münsterländer an der Leine, gerät der Meerbuscher Rechtsanwalt ins Schwärmen: "Wenn ich den Lärm ausblende, kann ich hier die Seele baumeln lassen, ich beobachte das Wild und lerne von ihm. Das verbinde ich mit der Jagd."

Aber es ist eben nicht nur eine heile Welt. Zum Niederwild wie Hasen, Fasanen und Kaninchen kommen Jahr für Jahr mehr Gänse. "Sie fressen junges Getreide. Aber das Schlimmste ist die Verkotung der Äcker. Wenn dort täglich 150 bis 200 Gänse sitzen, kann die Wiese nicht mehr als Futter genutzt werden", sagt Johannes Siemes.

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Zuständig sind die jeweiligen Jagdpächter, aber wegen der ortsrandnahen Umgebung und des Naherholungsgebiets können die Gänse hier nicht gejagt werden. Ärger machen auch die Nutrias. Sie nutzen die Deiche am Bachlauf der Issel und am Altrhein, um nahe der Wasseroberfläche ihre Bauten anzulegen. "Sie graben komplette Netze und gefährden damit die Deiche, die zu brechen drohen", erklärt Philip Munscheid. Der Deichverband setzt für die Nutria-Jagd Prämien aus: "Dabei geht es nicht um das Fell, sondern nur um die Natur." Schließlich sollen die Deiche auch vor Hochwasser schützen: "Beim Rheinhochwasser im Januar war dieser steuerbare Rückhalteraum hier eine Seenlandschaft." Muss ein solcher Deich repariert oder erneuert werden, "kostet das richtig Geld." Ein weiteres Ärgernis sind die Tauben. "Jede Taube frisst am Tag 50 Gramm Körner. 2000 auf einem Feld richten Schäden von tausenden von Euro an. Das hat auch die Politik erkannt und für diese sehr gefährdeten Felder unter anderem mit Gemüseanbau die Schonzeit für Tauben ausgesetzt", sagt der Hegeringleiter.

Auch Landwirt Heinrich Leuchten weiß um den Kampf für die Erhaltung der Vielfalt in der Natur: "Der Fuchs macht uns ebenfalls zu schaffen. Er geht stark auf Fasane, Hasen und Kaninchen." Leuchten erinnert an die Veränderungen in der Landwirtschaft und erzählt, dass es vor 20 Jahren etwa 15 Landwirtschafts-Betriebe in Ilverich gab, "heute sind es nur noch drei".

Auf den Flächen am Langster und Ilvericher Broich weidete Rindvieh: "Aber heute gibt es nur noch zwei Milchproduktionsbetriebe." Die Flächen verkrauten, die Wiese kann auch nicht mehr als Äsungsfläche fürs Wild genutzt werden. Johannes Siemes, Inhaber des Osterather Hofs, erinnert daran, dass die als Jäger Bezeichneten in erster Linie Landschaftspfleger sind und zudem noch Lebensmittel liefern: "Wasserwild sowie Enten und Gänse werden verarbeitet. Das hiesige Rehwild hat beste Qualität, kein reines Bio, aber biogleich." Die drei Meerbuscher Landschaftspfleger sind sich einig: "Die Pflege der niederrheinischen Kulturlandschaft und Landwirtschaft wäre ohne Jagd und die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts nicht möglich." Philip Munscheid weiß um die in der Gesellschaft gepflegten Vorurteile gegen Jäger. Wie groß das Interesse ist, konnte er jetzt als Referent des vom Heimatkreis Lank initiierten Vortrags zum Thema "Die Jagd im Wandel der Zeit" feststellen: "Das Interesse war groß."

(RP)
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