Ideen, um Meerbuscher Freiflächen für Bewohner attraktiv zu machen.

Freiflächenentwicklungskonzept : Visionen für ein attraktives Meerbusch

Das Freiflächenentwicklungskonzept (FEK) enthält gesammelte Ideen, mit denen die Stadt aufgewertet werden kann. Am Donnerstag wurden die Empfehlungen erstmals öffentlich im Planungsausschuss präsentiert.

Der Fähranleger in Langst-Kierst ist so etwas wie Meerbuschs Eingangsportal. Die Stelle, an der viele Nicht-Meerbuscher die Stadt erstmals betreten. Schön sieht es dort allerdings nicht aus: Der Boden gleicht einem Flickenteppich, nichts lädt zum Verweilen ein. Dabei hat die Fläche mit ihrer unmittelbaren Nähe zum Rhein und dem Blick auf das gegenüberliegende Kaiserswerth großes Potential. „Die Fläche ist unglaublich attraktiv und müsste dringend für eine öffentliche Nutzung aufgewertet werden“, sagt Sigrid Ziesel.

Die Landschaftsarchitektin hat jede Menge Ideen für den Fähranleger. „Mit einem einheitlichen Bodenbelag könnte man den Platz ruhiger gestalten.“ Außerdem stellt sie sich vor, an den Flanken des Anlegers Sitzstufen zu integrieren. Ziesel: „Solche Elemente funktionieren immer. Noch dazu sind die Stufen sehr robust und halten auch Hochwasser aus.“ Der Fähranleger ist allerdings nur ein kleiner Teil des sogenannten Freiflächenentwicklungskonzeptes (FEK), das Ziesel nun im Planungsausschuss vorgestellt hat. Darin wird der Platz am Rhein als „Lupenraum“ bezeichnet. Bedeutet: „Eine Stelle, die zwar als Freiraum wahrgenommen, aber noch nicht intensiv als solcher genutzt wird und deshalb besonders ,unter die Lupe genommen’ werden sollte“, erklärt Technischer Beigeordneter Michael Assenmacher. Weitere Lupenräume sind Therapieklinik, Latumer See, Eisenbrand, Limes und Altrheinschlinge.

Der Dezernatsleiter lobt das FEK als „gelungenes Konzept, das die Stadt enorm aufwertet und dem Wohlbefinden der Bürger dienen kann“. Das Nürnberger Landschaftsarchitekturbüro WGF hat die Ideen gemeinsam mit der Meerbuscher Verwaltung und Vertretern des Rhein-Kreises Neuss in anderthalb Jahren entwickelt. „Es gab einen fachbereichsübergreifenden, intensiven Austausch, wir haben uns während dieser Zeit mehrfach getroffen“, sagt etwa Kirsten Steffens, Fachbereichsleiterin Stadtplanung. Sie betont: „Das FEK hat für Meerbusch eine identitätsstiftende Funktion.“ Die Grünräume sieht sie dabei als verbindendes Element. „Das Grün macht Meerbusch aus.“

Dabei hat die Stadt an öffentlichen Grünflächen – außer dem Osterather Rathauspark und dem Hallenbadpärkchen in Büderich – nicht viel zu bieten. „Wegen des hohen Anteils an privaten Grünflächen und der Nähe zur offenen Landschaft wird dieser Mangel jedoch nicht unbedingt als solcher wahrgenommen“, erklärt Ziesel. Dennoch: Privatgärten könnten natürlich nicht von allen Menschen genutzt werden, etwa zum Picknicken oder Sport treiben. Also müsse der Landschaftsraum die Funktion öffentlicher Grünflächen übernehmen, erklärt die Fachfrau. „Für eine attraktive Freizeitnutzung müssen die Freiflächen aber qualifiziert werden.“ Das Problem, das sich den Landschaftsarchitekten dabei gestellt hat, ist die polyzentrische Lage Meerbuschs. Ziesel: „Die acht Stadtteile liegen wie Perlen im Grünen verteilt, und jeder funktioniert für sich. Darauf wollten wir unbedingt aufbauen.“ So entstand die Idee, nicht etwa große Grünflächen innerhalb der Stadtteile zu errichten, sondern an die Ränder zu gehen – das „Konzept der grünen Ringe“. Diese Flächen sollen als Freiflächen aufgewertet und gestaltet werden, etwa mit Bäumen, Fassadengestaltung, Dachbegrünung, Grün- und Blühstreifen oder Spielgeräten. Ziesel: „Das sollen keine aufwendigen Grünanlagen werden, sondern offene, vielfältig nutzbare Räume.“

Die Ringe um die einzelnen Stadtteile dürfe man auch nicht als harte Grenzen verstehen, sondern lediglich als Rahmen, betont sie. Und Kirsten Steffens ergänzt vor dem Hintergrund, dass Meerbusch wächst: „Das Ganze ist eine weitreichende, perspektivische Planung. Deshalb haben wir uns für ein erweiterbares System entschieden, nicht für ein abgeschlossenes.“

Die verschiedenen Ringe könnten durch Wege verbunden werden, an den Schnittstellen könnten „Erlebnisstationen“ zu Themen wie Gewässer, Natur oder Kultur entstehen. Auch alteingesessene Meerbusch-Kenner wurden für die Ideensammlung ins Boot geholt. Sie machten beispielsweise auf solche Punkte aufmerksam, die kulturgeschichtlich bedeutsam sind, von denen die meisten Menschen aber gar nichts wissen, etwa historische Wege oder Gebäude.

Einige Politiker lobten das Konzept am Donnerstag „als charmant“. Es gab aber auch Diskussionen über eine mögliche Waldvermehrung. Ziesel: „Die ist an einigen Stellen machbar, hat für uns aber keine Priorität.“ Sie sehe eher die Altrheinschlingen als identitätsstiftendes Merkmal. Es gab auch Kritik, dass es im Konzept mehr um Touristik denn um ökologische Aspekte gehe, wo­raufhin Sigrid Ziesel klarstellte, dass der Hauptaspekt tatsächlich darauf liege, „verfügbare Räume für die Bürger nutzbar zu machen“. Fragen nach Details und Kosten wurden im Planungsausschuss nicht beantwortet. „Das FEK ist Arbeitsgrundlage für die Entwicklung von Freiräumen, ein informelles Planungsinstrument, eine Empfehlung“, betonte Assenmacher. „Wir wollen im Juni in diesem Gremium entscheiden lassen.“ Bis dahin werden die Fraktionen über das FEK beraten.

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