Meerbusch: Idee: Mehr Gewerbe - weniger Lkw

Meerbusch : Idee: Mehr Gewerbe - weniger Lkw

Der Norden Meerbuschs wäre der ideale Standort für eine trimodale Logistikfläche mit Anbindung an den Krefelder Hafen, heißt es in einer neuen Studie. Die IHK Mittlerer Niederrhein sieht die Chance zur Verkehrsentlastung Lank-Latums. Meerbuschs Politiker sind skeptisch.

Der Güterverkehr steigt deutlich stärker an als alle bisherigen Prognosen. "Noch 2010 hat das Land NRW in einer Studie von 325 Hektar zusätzlicher Fläche gesprochen, die nötig wäre", berichtet Rainer Schäfer, Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen. "Heute wissen wir: Das reicht bei weitem nicht aus."

Logistikfläche gesucht – die Gewerbegebiete rund um den Rheinhafen Krefeld sind nahezu voll. Foto: T.L.

In einer groß angelegten Studie der Standort Niederrhein GmbH wurden jetzt mehr als 50 Areale zwischen Krefeld, Viersen und Köln auf ihre Logistiktauglichkeit geprüft. Ein besonders günstiges Areal liegt, zumindest zum Teil, auf Meerbuscher Stadtgebiet, im Süden des Krefelder Hafens. Mit 185 Hektar wäre es eine der größten möglichen Logistikflächen in NRW, die trimodal — per Lkw, Schiff und Schiene — erreichbar wären.

Ein Drittel weniger Autos

In der Studie heißt es, die Verkehrsanbindung des Geländes per Straße sei "schwierig" — schon heute ist der Stadtteil Lank-Latum durch Lkw-Verkehr aus oder zum Krefelder Hafen stark belastet. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hat Meerbuschs Bürgermeister Dieter Spindler (CDU) nun einen Vorschlag gemacht, wie trotz deutlich mehr Gewerbe weniger Verkehr durch Lank-Latum fahren könnte: Die IHK plädiert für eine direkte Autobahnanbindung der Logistikfläche über die demnächst ausgebaute Raststätte Geismühle.

Dazu müsste die K1 ertüchtigt werden; betroffen sind die Bismarckstraße im Westen Lank-Latums und der Vordere Lohweg im Osten. "Wenn diese Anbindung steht, nimmt der Gesamtverkehr durch Lank-Latum um mehr als ein Drittel ab", verspricht IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Porschen.

Doch die Stadt Meerbusch reagiert gelinde gesagt zurückhaltend. "Grundsätzlich vertritt die Verwaltung die Auffassung, dass die Verkehre, die durch den Krefelder Hafen entstehen, auch auf Krefelder Stadtgebiet abgewickelt werden müssen", sagte Bürgermeister Spindler, der Ende August über die Pläne informiert wurde. "Die angedachte Querverbindung zur A57 würde zu einer unheimlichen Zunahme der Verkehrsbelastung in Ossum führen.

Dort führt die Straße direkt an den Häusern vorbei." Meerbuschs Fraktionsvorsitzenden hätten sich ähnlich geäußert. Aus Verwaltungssicht sei diese Quer-Anbindung nicht vertretbar, so Spindler — zumal auch die geplante Logistikfläche mitten im Grünen liege. Im Landesentwicklungsplan, der in naher Zukunft fortgeschrieben wird, ist das Areal als "Ballungsrandzone" bezeichnet; aktuell wird es landwirtschaftlich genutzt.

Es grenzt direkt an die Naturschutzgebiete Latumer Bruch und Die Spey. Nun soll das Thema bald im Planungsausschusses beraten werden. In der Studie steht, dass aus Meerbusch "heftiger Widerstand erwartet" werde. Der zeitlichen Rahmen der Realisierung wird in der Studie als "langfristig" angesetzt. Was bedeutet das konkret? Porschen: "Wenn die Quer-Anbindung an die A57 gelingt, dann muss man von mindestens fünf Jahren ausgehen."

Krefelds Politiker sind von der Idee der IHK begeistert. Im Rathaus blickt man verständnislos aufs Zögern der Stadt Meerbusch. Ein Ratsherr fragt irritiert: "Warum soll Lank-Latum nicht vom Lkw-Verkehr entlastet werden?"

(RP/rl)