1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Hundert Zeitzeichen

Meerbusch : Hundert Zeitzeichen

Die Meerbuscher Künstlerin Ulrike Mayer-Trede (Matre) hat hundert Titelseiten der Rheinischen Post mit bunten Sägeblättern bedruckt. 33 davon zeigt sie ab morgen im Frauenmuseum in Bonn.

Wenn morgen im Frauenmuseum Bonn die Ausstellung "Wo ist Sophia? Die Weisheit des Leibes" eröffnet wird, ist die Rheinische Post dabei. Genauer gesagt: mit 33 Titelseiten, auf denen sich ein Sägeblatt dreht.

Genau hundert solcher "Zeitzeichen" hat die Meerbuscher Künstlerin Ulrike Mayer-Trede (Künstlername Matre), entworfen. Auf hundert Titelseiten der Rheinischen Post, die in der Zeit vom 11. November 2010 bis zum 9. März 2011 erschienen sind, hat sie den gezackten Kreis in verschiedenen Farben gedruckt. Im Kreis bewegt sich ein tanzendes Paar. "Ich wollte das aktuelle Geschehen mit dem unendlichen Lauf der Zeit und der darin liegenden Weisheit konfrontieren", beschreibt Mayer-Trede einen Aspekt ihrer Arbeit.

Dass der Zeitraum die "fünfte Jahreszeit" umfasst, ist eher Zufall. Von Hoppediz-Erwachen bis zu seiner Beerdigung am 9. März seien es genau hundert Erscheintage gewesen. Das habe sie zu dieser Auswahl bewogen. "Ich wollte für diesen Zyklus einen Anfang und ein Ende haben", sagt sie. Die "fünfte Jahreszeit" wird besonders im jecken Rheinland gefeiert.

Da Bewegung in ihren Drucken eine besondere Rolle spielt, hat sie auch bei der Hängung im Museum (aufgeteilt in dreimal elf) darauf geachtet, dass die Zeitungsseiten frei hängen und sich bewegen. "Bewegung ist Leben", findet sie. Den Fragen der Ausstellungsmacher, warum sie denn die Rheinische Post gewählt habe, hat sie entgegengehalten. "Das ist meine Zeitung."

Jeden Morgen hat sie die Zeitung aus dem Briefkasten ihres Langst-Kierster Hauses geholt, die Titelseiten gesammelt und mit ins Atelier nach Krefeld in die alte Dujardin-Fabrik genommen. Dort hat sie die verschiedenen Farben angemischt, und fleißig gedruckt. "Die Farbe durfte nicht zu dick, also nicht zu ölig sein, dann hätte sie die Zeitungstexte verdeckt. Sie durfte aber auch nicht zu dünn, also mit zu viel Wasser angerührt sein, dann wären die Kreise zerlaufen", erläutert sie den Entstehungsprozess. Die Mischung hat's gebracht.

Jetzt kommen sowohl die aktuellen Ereignisse in Schrift- und Bildform wie auch das Lebensrad in seiner symbolischen Bedeutung gleichberechtigt zur Geltung. Dass die Sägeblätter auf den ersten Blick zerstörerisch wirken, ist gewollt. "Alte Strukturen werden immer wieder zerstört, es entstehen neue, und danach steht man dennoch wieder am Anfang", kommentiert Mayer-Trede. "Das ist Leben. Das ist Veränderung und Entwicklung." Mit der Ausstellung in Bonn feiert die Künstlerinnen-Gruppe "Gedok" ihr 85-jähriges Bestehen. Mayer-Trede ist dort ebenso Mitglied wie im Verein Düsseldorfer Künstlerinnen. Diese stellen ab 29. Mai in der Rathaus-Galerie in Kaarst unter dem Titel "Passage" aus. Die Bonner Ausstellung wird am Sonntag um 12 Uhr eröffnet und ist bis zum 21. August zu sehen.

(RP)