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Hospiz-Arbeit im Zeichen der Corona-Pandemie in Meerbusch

Hilfe für Todkranke in Meerbusch : Hospiz-Arbeit im Zeichen der Pandemie

Die Ehrenamtler des Vereins Hospizbewegung Meerbusch sind sehr achtsam im Umgang mit Schwerkranken. Die Hygienemaßnahmen, Abstandsregelungen und eingeschränkte Besuchszeiten werden streng eingehalten.

In Zeiten von Corona muss die Betreuung Schwerkranker, Sterbender und deren Angehöriger vom Ambulanten Hospizdienst neu geordnet werden. „Wir müssen beispielsweise gemeinsam mit den Einrichtungsleitern von Altenheimen genau überlegen, welche Bewohner unter strenger Beachtung aller Hygienemaßnahmen betreut werden. Und das gilt natürlich auch für die Patienten im privaten Bereich. Auf jeden Fall brauchen wir das Einverständnis der Angehörigen“, fasst Gudrun Fuß, Geschäftsführerin des Vereins Hospizbewegung Meerbusch, den augenblicklichen Umgang zusammen.

Außerdem müssen die Ehrenamtler eine entsprechende Einwilligungserklärung unterschreiben. Gehören sie etwa einer Risikogruppe an, übernehmen sie die telefonische Begleitung der Familien. Trotz der angespannten Situation mit den stark eingeschränkten Besuchszeiten in den Altenheimen und im stationären Hospiz sei es extrem wichtig, „in eine gewisse Normalität zu kommen“.

Die kurzen Besuchszeiten sind auch der Grund, warum vor allem im Lockdown im Frühjahr viele Menschen ihre Angehörigen aus dem stationären Hospiz mit nach Hause genommen haben: „Deshalb haben wir dort mehr Menschen als sonst begleitet.“ Ohne die enge Zusammenarbeit mit den Meerbuscher Alten- und Pflegeheimen sowie mit Hausärzten, Pflegekräften und Seelsorgern wäre das nicht möglich, betont Fuß.

Den größten Anteil aber an einer palliativen Versorgung haben die Ehrenamtler: „Ich bin sehr dankbar, dass sie positiv und doch höchst achtsam ihre Aufgaben erfüllen. Das ist nicht selbstverständlich und freut mich sehr“, lobt Gudrun Fuß. Diesem Dank schließt sich Christiane Klindt, ausgebildete Krankenschwester und seit September als Koordinatorin zum Meerbuscher Team gehörend, an: „Das persönliche Miteinander ist grundsätzlich positiv.“ Vom Tragen des Mundnasenschutzes und einem Schutzkittel lässt sich die ehrenamtliche Mitarbeiterin Diana Carolus nicht beeindrucken: „Ich bin trotzdem froh, bei den Patienten sein zu dürfen und bekomme ganz viel Dankbarkeit zurück.“ Ähnliche Erfahrungen hat der Ehrenamtler und Rechtsanwalt Thomas Uhling gemacht: „Es ist ein sehr gutes Gefühl, helfen zu können. Mit wie viel Nähe das geschieht, entscheiden die Angehörigen. Ich erfahre viele positive Reaktionen und Dankbarkeit.“

Wie genau die jeweiligen Umstände und die erforderliche Hilfe abgewogen werden müssen, weiß auch Rainer Kienast. Der Jurist gehört seit einem Jahr als Berater dem Vorstand der Hospizbewegung in Meerbusch an und sagt: „Es wäre schlimm, wenn wir die Menschen in dieser schweren Situation am Ende des Lebens allein lassen müssten. Aber das Risiko muss genau abgewogen werden.“

Parallel zu der vielfachen Betreuung und Versorgung lief das Trauerangebot der Hospizbewegung so lange wie möglich weiter. „Die Gruppen, beispielsweise im Trauercafé, wurden halbiert.“ Im Dezember findet jedoch kein Trauercafé statt. Großen Zuspruch habe auch das monatliche Angebot der Trauerwanderung. „Leider fällt der Termin auch im Teil-Lockdown und im Dezember aus. Aber grundsätzlich werden die Wanderungen durch den Meererbusch von den Menschen sehr geschätzt. Hier werden Ängste ausgetauscht, persönliche Gespräche geführt, meist sehr entspannt und locker“, berichtet Veronika Müller, die als ehrenamtliche Trauerbegleiterin diese Wanderungen koordiniert.

Feingefühl ist aktuell besonders gefragt. „Die Ehrenamtler haben in diesen schwierigen Zeiten einen fast normalen Arbeitsalltag. Obwohl die Koordination schwieriger ist, übernehmen sie alle Verantwortung – und das ist unser Herzstück“, bedankt sich Gudrun Fuß.