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Meerbusch: Hommage an eine Büdericherin

Meerbusch : Hommage an eine Büdericherin

Die Langen-Foundation zeigt zum 100. Geburtstag ihrer Gründerin in der Raketenstation Werke aus dem Fundus. Viktor und Marianne Langen haben die Welt bereist und Kunst nach eigenen Maßstäben gesammelt.

Viktor und Marianne Langen zählen zu den wichtigen deutschen Kunstsammlern. Bei ihrer Auswahl vertrauten die Meerbuscher auf ihr Gefühl, gingen nicht akademisch vor. Kunst bestimmte ihr Leben. Selbst der Wohnsitz in Büderichs Villenviertel Meererbusch genügte den besonderen Ansprüchen des Paars.

Als Architekt verpflichteten Viktor und Marianne Langen nämlich den Mönchengladbacher Georg Lünenborg, der an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig unterrichtete und 1948 als Dozent an die Kölner Werkschulen berufen wurde, wo er zum Professor ernannt bis zu seinem Ausscheiden 1967 eine Klasse für Architektur und Innenarchitektur geleitet hat.

Das Anwesen diente als Heimstatt des über 300 Arbeiten zählenden Bestandes an Malerei und Plastik des 20. Jahrhunderts. "Der moderne Glaskasten mit Flachdach enthielt sogar eine separate Bildergalerie. Im Garten fand eine große Installation von Jean Dubuffet Aufstellung. In diesem Refugium wurden Künstler empfangen, Musikabende veranstaltet, mit der Kunst gelebt", schreibt Hans-Peter Schwanke von der Kunstmarkt Media GmbH.

1974 sei es dann zu einem Einschnitt gekommen. Viktor Langen habe seine Firma — einen renommierten, mit vielen Patenten ausgestatteten Zulieferer der Automobilindustrie — verkauft, berichtet der Autor. Jetzt erhielt das Sammeln neuen Schwung. Es sei nicht mehr nur "vorwärts", sondern auch "rückwärts" erworben worden. Arbeiten von Claude Monet, Paul Cézanne und viele Werke Pablo Picassos fanden Eingang in den Bestand.

Die Vielfalt ihrer Sammeltätigkeit spiegelt daher auch die aktuelle Auswahl wider. Der Parcours führt unter anderem an Bildern von Fernando Botero, Georges Braque, Tony Cragg, Max Ernst, Lucio Fontana, Sam Francis, Wassily Kandinsky, Yves Klein, Berto Lardera, Roy Lichtenstein, László Moholy-Nagy, Piet Mondrian, Kenneth Noland, Sigmar Polke, Robert Rauschenberg, Kurt Schwitters, Norbert Tadeusz, Wladimir Tatlin oder Andy Warhol vorbei.

Zum 100. Geburtstag der 2004 verstorbenen Sammlerin und Stifterin Marianne Langen zeigt die Langen-Foundation jetzt noch bis Dezember 2012 eine umfangreiche Übersicht über die Sammlung des Ehepaars.

Die einzigartige Kollektion umfasst Werke aus ganz verschiedenen Kulturkreisen. Standen bei den bisherigen Präsentationen die beiden Sammlungsschwerpunkte Klassische Moderne und japanische Kunst im Vordergrund, werden nun erstmals auch jene Bereiche vorgestellt, die aus anderen außereuropäischen Kulturen stammen.

In Kontakt mit fremden Kulturen kam Marianne Langen auf ihren ausgedehnten Fernreisen, die sie bereits als junge Frau und später mit ihrem Mann unternahm. "Wir wollten die großen Kulturen mit eigenen Augen sehen. Unsere Kunstsammlungen sind das handgreifliche Ergebnis unserer Reisen", schreibt sie in ihren Erinnerungen. So intensiv sich das Paar mit der Kunst ihrer eigenen, westlichen Kultur beschäftigten, so unvoreingenommen und neugierig ließen sie sich auf die Kunst fremder Kulturen ein.

(RP)