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Meerbusch: Holocaust-Überlebende trägt "lyrische Zerreißproben" vor

Meerbusch : Holocaust-Überlebende trägt "lyrische Zerreißproben" vor

Heute Abend liest die 82-jährige Ruth Klüger im Kultur-Zentrum Mönter in Osterath

Ihren auswendig gelernten Gedichten hat die 1931 in Wien geborene Jüdin Ruth Klüger es zu verdanken, dass sie das Konzentrationslager überlebte. Bis heute schreibt die 80-Jährige Lyrik. Jetzt sind ihre Gedichte unter dem Titel "Zerreißproben" gesammelt und von ihr selbst kommentiert erschienen. Heute Abend um 19 Uhr stellt Ruth Klüger diesen Band im Kultur-Zentrum Mönter, Kirchplatz 1-5 in Osterath vor. Der Eintritt kostet zehn Euro.

Ruth Klüger wurde 1942 im Alter von elf Jahren in die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz und Christianstadt verschleppt. Literatur wurde für sie das Mittel und Medium der Reflexion und Selbstbehauptung: In Wien stillte die Achtjährige ihren Lesehunger mit deutschen Klassikern und Romantikern aus der Familienbibliothek. In Auschwitz wurden die Schill'schen Balladen zu "Appellgedichten" für die Zwölfjährige, die ihr Zeile für Zeile die stundenlangen Appelle überstehen halfen. Gedichte waren es, so Rust Klüger, die ihr geholfen hätten, den Holocaust zu überleben. Doch nicht nur Gedichte anderer gaben ihr Halt, sondern auch die eigenen, die sie als junges Mädchen in Auschwitz verfasste.

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Im Februar 1945 gelang ihr zusammen mit ihrer Mutter und einer Freundin während des Todesmarsches aus Christianstadt die Flucht. Nach dem Abitur und einem ersten Studienjahr in Regensburg emigrierte Ruth Klüger 1947 mit ihrer Mutter nach New York und studierte dort Anglistik und Bibliothekswissenschaften. Ausgerechnet ihr nach Kriegsende unautorisiert veröffentlichten Auschwitz-Gedichte waren es, die Ruth Klüger 1962 das Angebot des German Department zum Germanistik-Studium bescherten. Als geschiedene Bibliothekarin mit zwei kleinen Söhnen ergriff sie diese Chance und promovierte. Seit 1967 lehrt sie deutsche Sprache und Literatur unter anderem an der University of California in Berkeley und in Princeton. Heute hat sie eine Professur für Germanistik in lrvine (Kalifornien) inne und ist Gastprofessorin in Göttingen.

Große Bekanntheit erlangte die Schriftstellerin mit ihren autobiografischen Büchern "weiter leben" und "unterwegs verloren". Vor zwei Jahren wurde Ruth Klüger in Wien für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt sie den Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck und den Lessing-Preis des Freistaates Sachsen. In ihren Vorträgen und Essays fordert Ruth Klüger zur selbstkritischen Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte auf.

(RP)