Meerbusch : Herr der Lüfte

Martin Michael gründete mit 23 Jahren seine eigene Fluggesellschaft. Die Airline Rhein Jet GmbH hat ihren Sitz in Büderich und schließt nun Lücken in den Streckennetzen der Flughäfen Graz und Linz.

Eine junge Fluggesellschaft mit einem jungen Chef hat ihren Sitz in Meerbusch: Die 2005 gegründete Rhein Jet GmbH mit ihrem 28-jährigen Geschäftsführer und Mitgesellschafter Martin Michael firmiert unter einer Büdericher Adresse. "Wir versuchen Nischenmärkte zu finden und zu besetzen", berichtet der gebürtige Düsseldorfer, der sich von Kindesbeinen an für die Fliegerei begeistert. "Ich kann eine Maschine am Geräusch erkennen", sagt er. Schon während der Schulzeit verbrachte er viel Zeit am Airport Lohausen, machte dort Praktika und Ferienjobs.

Inzwischen bewegen sich die Geschäfte in anderen Größenordnungen. Eine Spezialität des Unternehmens sind Flüge für Privatkunden in Krisengebiete. Rhein-Jet startet vom Flughafen Köln-Bonn in den Iran, Irak, Afghanistan und in die afrikanische Militärdiktatur Eritrea. Sicherheitsdienste, Hotelbuchungen und -transfer zählen zum Leistungsumfang. "In Deutschland leben allein 70 000 Iraker", berichtet Michael. Und viele von ihnen flögen mit zahlreichen Konsumartikeln wie Flachbildschirmen, Computern, DVD-Playern und anderen elektronischen Geräten in ihre Heimat. "Wir stellen uns darauf ein", sagt der Geschäftsführer.

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Noch hat die Meerbuscher Fluggesellschaft keine eigenen Maschinen. Die Charterjets oder Turboprops werden samt Cockpitbesatzung gemietet und zusätzlich mit eigenem Personal für Check in und Catering bestückt. In den meisten Fällen ist Michael selbst mit an Bord. Ehe er den großen Schritt Richtung eigene Fluggesellschaft wagen konnte, hat der Absolvent der Internationalen Schule Düsseldorf drei Jahre lang in Hamburg von der Pike auf das Frachtgeschäft zur See, in der Luft und mit Lkw studiert und dann finanzstarke Unterstützung für seine Ideen gesucht und gefunden. Sechs Büros für die acht Länder USA, Großbritannien, Norwegen, Finnland, Schweden, Frankreich, Belgien und die Niederlande repräsentieren die Rhein Jet GmbH im Ausland.

Seit wenigen Tagen drängt das Unternehmen auf den österreichischen Markt: In Zusammenarbeit mit Reisebüros und -veranstaltern will es Lücken in den Streckennetzen der Flughäfen Graz und Linz schließen. "Dort gibt es großes Potenzial für uns", sagt Michael. Für den Sommer seien Flüge in die Destinationen Genua und Dubrovnik in Vorbereitung und für den Winter wöchentliche Flüge nach Dubai geplant.

Ein anderes Standbein für die Rhein Jet GmbH ist der Transfer von mittelständischen Industriellen, die zu geschäftlichen Zwecken von Werk zu Werk fliegen. "Unsere Kunden kommen zumeist aus der Schweiz, aber auch aus Meerbusch", sagt Michael, der auf stetig wachsende Erlöse setzt. Im Moment bewegen sich die Jahresumsätze im mittleren sechsstelligen Bereich.

(RP)