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Helden des Alltags in Meerbusch: Evangelische Frauenhilfe schafft Nähe

Helden des Alltags : Evangelische Frauenhilfe schafft Nähe

Auch in der Krise haben die Leiterinnen der Gruppe Wege gefunden, für ihre Mitgleider da zu sein: mit Briefen und selbst gebackenen Muffins. Für viele der 52 Frauen des Kreises sind die Treffen eine wichtige Gelegenheit zum Austausch, für manche die einzige.

Am Mittwoch nach den Osterferien hatten Sabine Pahlke und Monika Metzner-Piertzyk für die Mitglieder der evangelischen Frauenhilfe etwas ganz Besonderes geplant: einen Ausflug zum hinduistischen Tempel nach Hamm-Uentrop mit anschließendem Besuch in einem indischen Restaurant.

Doch das mussten die beiden Leiterinnen der Gruppe absagen, wie bereits die gesamten Mittwochstreffen seit Karneval. Keine schöne Aussicht: Für viele der 52 Frauen des Kreises sind die Treffen eine wichtige Gelegenheit zum Austausch. Für manche alleinstehende Frau – die ältesten sind 95 – ist es sogar manchmal die einzige. Doch dann hatte Sabine Pahlke eine Idee für eine kleine Aufmunterung.

Für jede Frau packten die beiden ein kleines Päckchen mit einem selbst gebackenen Muffin, einer Kerze und einem persönlichen Brief. Die Osterkerzen für die Besucher der nächtlichen Ostermesse waren schließlich auch nicht zum Einsatz gekommen. Dabei ist es für die Pfarrersfrau Sabine Pahlke der „allerschönste Moment im Kirchenjahr“, wenn der dunkle Kirchenraum nur mit den Kerzen der Gemeindemitglieder erleuchtet ist.

In dem Brief wandte sie sich persönlich an die Empfängerin mit warmen, einfachen Worten und schlug vor, in der Zeit des Treffens die Kerze anzuzünden, es sich mit einer Tasse Kaffee und dem kleinen Kuchen gemütlich zu machen und an die anderen zu denken.

„Das hat mich richtig gerührt“, sagt Gudrun Broocks, die seit sechs Jahren zu den Treffen kommt, und sie weiß von anderen Mitgliedern ebenfalls, dass dieses überraschende wie liebevolle Päckchen in schwieriger Zeit viel Freude brachte. Die beiden Frauen lieferten es bei allen 52 Frauen zu Hause persönlich ab. Wenn die Empfängerin nicht da war, stellten sie es einfach vor die Tür.

„Wir haben sofort sehr viele Nachrichten bekommen, andere haben angerufen und sich bedankt“, sagt Monika Metzner-Piertzyk, die wiederum von dieser schnellen und starken positiven Resonanz überrascht war. Aber diese zeigt eben auch, dass trotz der relativ großen Gruppe dort ein persönlicher Draht und damit eine Verbundenheit entstanden ist.

Das ist Sabine Pahlke als Leiterin auch wichtig. „Wir machen unser Herz weit auf und machen das mit viel Liebe“, sagt sie. So hält sie zu Beginn der Treffen eine Andacht, in die eben auch Persönliches einfließt. Geburtstage werden gemeinsam gefeiert: Von der Frauenhilfe gibt es ein kleines Geschenk, es wird zusammen das Wunsch-Lied gesungen, begleitet von der Pianistin Galina Belowa.

Und vor allem kommt zu jedem Treffen ein Referent, der etwas über sein spezielles Thema erzählt. Zuletzt zu Gast waren ein Kardiologe aus dem EVK in Düsseldorf, eine Schiedsfrau, ein Gefängnismitarbeiter oder etwa eine Pflegemutter. „Wir versuchen, ein bisschen den Horizont zu erweitern“, sagt Sabine Pahlke. Die evangelische Frauenhilfe wurde einst von Kaiserin Auguste Viktoria ins Leben gerufen. Das ist mehr als 100 Jahre her, 1913 war das Geburtsjahr der Frauenhilfe. Das Wort klingt deswegen heute vielleicht ein wenig verstaubt, meint Sabine Pahlke. Aber es wird eben mit sehr viel frischem Leben gefüllt. „Wenn ich Hilfe benötigen würde, wäre sie sofort da“, davon ist Gudrun Broocks überzeugt.