Meerbusch: Heimat – frisch, frech, retro

Meerbusch: Heimat – frisch, frech, retro

Der Osterather Conbook-Verlag bringt im Herbst eine neue Reihe auf den Markt: Heimatbücher im Retrolook, geschrieben von jungen Autoren mit kabarettistisch-satirischem Talent.

Das hätte ein Außenstehender so nicht sagen dürfen. Die kölsche Mundart eine "triefäugige Töle" nennen, die Bonner als Dörfler zu bezeichnen, die zu geizig sind, etwas wegzuwerfen. Die Düsseldorfer als Menschen zu charakterisieren, die ihre Zeit nur auf Modenschauen oder beim Bierbrauen verbringen. Das "Öcher Platt" (Aachener Platt) sei von exquisiter Bräsigkeit geprägt, die an das Frittenfett des nahe gelegenen Belgiens erinnert. Das ist Heimatkunde einmal anders — herzerfrischend und garantiert aus berufenem Munde.

Der Meerbuscher Conbook-Verlag bringt nach den Fettnäpfchenführern eine neue Reihe auf den Markt. Heimatbücher — fürs Rhein- und Schwabenland, für Westfalen und Ostfriesland. "Wir haben dazu Autoren aus den jeweiligen Regionen verpflichtet", erläutert Conbook-Geschäftsführer Matthias Walter.

Rheinland-Buchautor Christian Bartel etwa ist gebürtiger Bonner. Er ist Mitglied der Bonner Lesebühne und mehrfach ausgezeichneter Poetry-Slammer, unter anderem Vizemeister der deutschsprachigen Meisterschaften (Leipzig). Im Heimatbuch Rheinland stellt er den "grundlos frohsinnigen Menschenschlag vor und nimmt den Leser mit auf eine Expedition ins Herz der Finsternis zwischen Düsseldorf und Koblenz" heißt es im Ankündigungstext.

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"Uns war es wichtig, Autoren zu gewinnen, die aus der Region kommen und deshalb quasi autorisiert sind, die Bewohner humorvoll- kritisch zu betrachten", sagt Walter. Er will die Reihe langfristig ausdehnen. Gesucht haben die Geschäftsführer im Comedy- und Poetry-Genre. Dennoch: Albern sind die Heimatbücher nicht. Unterhaltsam, wenn auch "nicht immer politisch korrekt", dürfen die Texte sein, die von zwei Lektoren gegengelesen werden. Die wichtigsten und charakteristischsten Merkmale einer Region sind obligatorisch. Das Rheinland etwa ist ohne Karneval nicht denkbar. Schützenfeste werden dabei auch mal aus einer etwas anderen Sicht beleuchtet.

Die Bücher der Reihe erscheinen im Retrolook mit frischem Inhalt. "Wir bieten junge Literatur", beschreibt Walter den Kontrast von 50er-Jahre-Optik und modernem Ansatz.

"Unsere Heimatbücher sind keine Reiseführer. Sie sollen dem Leser ein Gefühl für die Menschen in der jeweiligen Region vermitteln. Dazu würden viele Facetten beleuchtet: die Menschen, regionale Besonderheiten und Spezialitäten, Historisches. "Senioren und junge Menschen gleichermaßen sollen die Bücher mit Gewinn lesen", so Walter und gibt gleich eine Kostprobe zum Thema Rosenmontag: "Erschrecken Sie nicht, wenn Sie mit einer Prinzessin aus dem Haus gegangen sind, am nächsten Morgen aber neben einem Zorro aufwachen. Derlei gilt im Karneval als normal und kann Aschermittwoch unbürokratisch und auf Kulanz umgetauscht werden . . ."

(RP)
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