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Meerbusch: Haus Meer: Neue Schäden am Denkmal

Meerbusch : Haus Meer: Neue Schäden am Denkmal

Stadt: Hotelneubau in Bayern hat für den Investor Vorrang vor der Bebauung von Haus Meer

Wie gestern Abend im Kulturausschuss bekannt wurde, hat das Denkmal Haus Meer in den vergangenen Monaten Schaden genommen. "Im Keller sind quadratmetergroße Stücke herausgebrochen", berichtete CDU-Ratsherr Mike Kunze. Er wollte von Planungsdezernent Just Gérard wissen: "Ab wann besteht Gefahr für das Denkmal?"

Inge Maas (Grüne) dachte im Ausschuss laut über Zwangsmaßnahmen an den Eigentümer für den Erhalt des Denkmals nach. Dies sah der Planungsdezernent kritisch. "Der Eigentümer ermöglicht es, dass Meerbuscher mehrmals pro Jahr das Gesamtdenkmal besichtigen können. Wenn wir Zwangsmaßnahmen anordnen, wäre das Schnee von gestern." Kunze erklärte, es sei aber auch nicht schön, "Jahr für Jahr den schleichenden Verfall zu besichtigen".

Auf dem Gelände des vor knapp 850 Jahren gegründeten früheren Klosters möchte die taiwanische Regent-Gruppe ein Luxushotel errichten. Mehrere Entwürfe hatten heftige Kritik bei Meerbuschs Politikern hervorgerufen, weil sie ihrer Auffassung den Denkmalschutz nicht ausreichend berücksichtigten. Bereits im vergangenen Jahr wollte der Investor dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege überarbeitete Pläne präsentieren, sagte jedoch kurzfristig ab. Ursprünglich sollte es nun im Januar ein Treffen geben, berichtete Gérard. Auch das Treffen sei vom Investor abgesagt und auf Februar verschoben worden. Dieser Termin sei aber auch nicht mehr zu halten.

Im Ausschuss regte sich nach diesen Ausführungen Unmut. Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD) sagte: "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass der Investor überhaupt noch Interesse hat. Er soll sich klar positionieren." Gérard entgegnete, noch im Januar habe die Regent-Gruppe ihm mitgeteilt, dass sie weiterhin das Hotelprojekt weiterverfolge. "Sie haben mir gesagt: ,Wir wollen nicht aussteigen'." Man stehe kurz davor, die entsprechenden Pläne zur Abstimmung mit der Oberen Denkmalbehörde fertigzubekommen.

Der Planungsdezernent berichtete aber auch, dass der taiwanische Investor zurzeit einen Hotelneubau in Bayern vorantreibt. "Er gibt an, dass dort die Absprachen mit dem Denkmalschutz deutlich leichter verlaufen seien."

Birte Wienands (CDU) sah eine gewisse Mitschuld der Meerbuscher Politik für die derzeitige Situation. "Dieser Ausschuss ist nicht ganz unbeteiligt, dass wir jetzt nicht weiter sind. Wir haben die Entwürfe des Investors nicht jubelnd mitgetragen."

Wie soll es nun weitergehen? Die Politiker verständigten sich darauf, dass das Planungsamt dem Grundstückseigentümer ein Erinnerungsschreiben zuschickt, das Sicherungsmaßnahmen für das Denkmal anmahnt. Ausdrücklich soll es keine Androhung von Zwangsmaßnahmen enthalten, um den Eigentümer nicht dazu zu verleiten, das Gelände dauerhaft für die Öffentlichkeit zu versperren.

(RP)