Hans Pleschinski blickt in die Vergangenheit

Hans Pleschinski blickt in die Vergangenheit

Der in München lebende Schriftsteller Hans Pleschinski (Jahrgang 1956) stellt am Mittwoch, 19 Uhr, im Osterather Buch- und Kunstkabinett Konrad Mönter sein Buch "Wiesenstein" vor (Eintritt 10 Euro) - eine teils gespenstische Geschichte um Gerhart Hauptmann.

Gibt es für Sie Anlass, sich dem Thema letzte Kriegstage zu widmen?

Pleschinski Bei meiner Recherche stieß ich auf die teilweise absurde Geschichte von Gerhart Hauptmanns Ende. Wie war es möglich, dass der große deutsche Dichter und Nobelpreisträger 1946 nach Beginn der Vertreibung auf polnischem Gebiet verstarb? Parallel zu diesen Vorgängen um Hauptmanns Tod musste ich auch den Untergang des alten Schlesien miterzählen. Wie kann jemand in einer Villa mit Zofe, Butler, Masseur und Köchin wie in einem Raumschiff über dem Untergang leben?

War es Ihre Absicht, Hauptmann in den Mittelpunkt zu stellen?

Pleschinski Ja, denn es geht um das tragische Ende dieses großen Schriftstellers. Ich möchte seine Dichtung lebendig machen, aus dem Schatten herausholen. Aber auch seine Umgebung, seine Frau und das Panorama von Menschen um ihn herum, werden beleuchtet. Dabei gab es eine Überraschung nach der anderen. Und dann habe ich mich gefragt, wie hat er den Untergang Dresdens erlebt, dann Morde und Überlebenskämpfe? Hauptmanns Dichtung weist grandiose Stellen auf, auch in der nicht so bekannten Literatur. Es geht um sein Spätwerk und um die Verquickung im Dritten Reich. Man wird nicht klug aus ihm. Das Ganze ist Teil dramatischer deutscher Geschichte.

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Was erwartet die Besucher der Lesung in Osterath?

Pleschinski Ein höchst spannendes Geschehen. Ein Blick in die Vergangenheit und gleichzeitig eine Mahnung vor Fanatismus, ein Wachrufen des deutschen kultivierten Bürgertums, das 1945 untergegangen ist. Die augenblickliche politische Entwicklung und das Verdrängen der Erinnerung an diese Zeit haben mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben.

MONIKA GÖTZ STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)