Meerbusch Der Hamacher Hof ist denkmalwert

Meerbusch · Zum Tag des offenen Denkmals konnten sich Interessierte unter fachkundiger Führung den Hamacher Hof und den Nauenhof in Latum ansehen. Der Nauenhof ist Denkmal und wird zum Wohnhaus umgebaut.

Am Tag des offenen Denkmals busuchten zahlreihe Interessierte den Hamacher Hof und ließen das alte Gemäuer auf sich wirken.

Am Tag des offenen Denkmals busuchten zahlreihe Interessierte den Hamacher Hof und ließen das alte Gemäuer auf sich wirken.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Rund 70 Meerbuscher drängten sich am Sonntag vor den Toren des Hamacher- oder Weyershofes an der Claudiusstraße in Lank-Latum. Der mächtige Vierkanthof war zum Tag des offenen Denkmales Anziehungspunkt, obwohl er aktuell gar kein Denkmal ist. Allerdings wurde das Objekt kürzlich an den Karlsruher Investor Heinz Hanen verkauft, der nun Wohnbebauung in dem attraktiven Karree plant. Makler Guido Biegel, hatte den Schlüssel mitgebracht und ließ zusammen mit dem Heimatkreis Lank zwei Gruppen Schaulustiger auf das sonst hinter hohen Mauern und Toren sowie einer dornröschenhaften Gartenhecke abgeschirmte Gelände. An den alten Stallungen und Scheunentrakten hat der Zahn der Zeit bereits sichtbar genagt, die Dächer weisen Löcher auf und manches Holzstück ist morsch. Anhänger, Ackergerät und einige verwaiste Strohballen verraten, dass auch in jüngerer Vergangenheit hier noch gewirtschaftet wurde, gewohnt wird in dem Herrenhaus am hinteren Ende des Hofes allerdings schon lange nicht mehr. Daher waren modriger Geruch, zerschlissene Tapeten und abgewetzter Boden kaum eine Überraschung für die Neugierigen. Dass in einer Nebenwohnung im Untergeschoss aber die Bodendielen bei leichter Belastung und den Füßen der Menschen nachgaben undzerbröselten,n machte jedem deutlich, dass hier viel Aufwand nötig sein würde, um neuen Wohnraum zu schaffen. Hohe Decken, der mächtige Gewölbekeller und großzügige Räume ließen aber auch Spielraum für schöne Wohnfantasien. Als Peter Weyers den Hof damals noch mitten im Feld erbaut hatte, war er jedenfalls kein armer Mann und hatte einige Ansprüche an sein Wohnhaus, was nicht zuletzt der geschnitzte Treppenaufgang noch erahnen lässt.

Biegel erklärte, dass Investor Hanen aktuell einen Weg sucht, mit der Politik das Ambiente des Vierkanthofes trotz Neubauten zu erhalten. Deshalb sehe es der Heimatkreis aktuell auch nicht als seine Aufgabe, sich hier einzumischen, erklärte der Heimatkreisvorsitzende Franz-Josef Jürgens, der allerdings als CDU-Ratsherr auch bei politischen Entscheidungen involviert ist. Kritischer sieht der ehrenamtliche städtische Denkmalbeauftragte Professor Norbert Schöndeling die aktuelle Diskussion. Für ihn ist der um 1870 entstandene Hof noch weitgehend im Originalzustand und daher potenziell denkmalwert. Dazu müsse aber die noch zu fast 100 Prozent erhaltene Substanz möglichst geschont werden. Die politischen Diskussionen dürften also vielschichtig und spannend werden, bevor ein Kompromiss zwischen historischer Bausubstanz und wirtschaftlichem Interesse gefunden wird, vermutete deshalb einer der Besucher, der selbst als Restaurator tätig ist.

Dieser Kompromiss ist beim Nauenhof in Latum, wenige Minuten entfern bereits gefunden. Mit leichtem zeitlichem Versatz führte Architektin Anna M. Jacobs mit der städtischen Denkmalpflegerin Stefanie Roters Besuchergruppen durch die noch im Ausbau befindliche frühere Scheune des sächsischen Hofes aus dem 18. Jahrhundert. Hier werden künftig drei Generationen der Besitzerfamilie Holler unter einem Dach wohnen, wie in alten Tagen als Scheune, Stall und Wohnbereich unter einem Dach vereint waren. Dabei behält jede Familie auch einen eigenen Rückzugsbereich in Haus und Garten, betont Jacobs. Mit der originalen Substanz wurde dabei besonders schonend umgegangen. Der Hof gehörte im 18. Jahrhundert den Freiherren Geyr zu Schweppenburg, die im benachbarten Haus Latum residierten und den Hof an Bauern verpachtet hatten. Das Gebäude ist teils gemauert, teils in Fachwerk aufgeführt, was die Handwerker durchaus vor Herausforderungen stellte. So wurde der gezapfte Dachstuhl zwar erhalten, aber darüber ein neues Tragewerk errichtet, damit beide Dachhälfte künftig auf einem Niveau sind. Im Gegensatz zum Hamacherhof ist der Nauenhof übrigens ein eingetragenes Baudenkmal.

 Der Tag des offenen Denkmals wird deutschlandweite jährlich begangen und soll für den Denkmalschutz werben, indem historische Baulichkeiten für Besucher zugänglich gemacht werden.

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