Meerbusch Halle 9: Es darf ein bisschen mehr sein

Meerbusch · Anders als bisherige Konzerte haben die Bands am Samstagabend nicht viele Gäste angelockt. Für eine Zwischenbilanz sei es noch zu früh, sagen die Veranstalter. Man ist aber zuversichtlich, dass sich das Angebot durchsetzen wird

 Die Duisburger Gruppe "Gorilla Taxi" rief die Zuschauer auf, ihre Lieder zu bewerten. Die Musiker um Sänger Phil Borg lobten den guten Sound in der Halle.

Die Duisburger Gruppe "Gorilla Taxi" rief die Zuschauer auf, ihre Lieder zu bewerten. Die Musiker um Sänger Phil Borg lobten den guten Sound in der Halle.

Foto: Stefan Büntig

Das Publikum am Samstagabend in der Halle 9, dem neuen Jugendcafé in Osterath, ist überschaubar: Für weniger als 20 Gäste spielen die zwei Rock-Bands aus dem Ruhrgebiet, Gorilla Taxi und Fools Errant. Bei den ersten Konzerten wurden noch über 100 Tickets verkauft, das Kabarett-Duo Onkel Fisch zog rund 80 Zuschauer an. Die Besucherzahlen seit der Eröffnung Mitte Dezember für Comedyabende, Partys, Workshops und Musik-Events sind somit schwankend.

"Für eine Zwischenbilanz ist es definitiv zu früh", sagt Ralf Zenker von der Musikszene. Der Verein ist für das Kultur-Programm verantwortlich. "Zudem fehlen uns Erfahrungswerte. Zeitlich gesehen und für ein Projekt wie Halle9/JuCa. Die Angebote sind breit gefächert und nicht exklusiv für bestimmte Altersgruppen gedacht. Auch junge Erwachsene dürfen hierhin", sagt Zenker. Nur sei es nicht immer einfach, den richtigen Geschmack zu treffen. Über die Facebook-Seite kämen kaum Anregungen oder Feedback. "Und dann verstehen viele einfach nicht, dass wir im Low-Budget-Bereich arbeiten", so Zenker. "Wir können hier nicht ,große Namen' hinstellen." Wobei man das auch gar nicht möchte. "Wir sehen uns als Plattform für junge und lokale Bands", sagt Zenker. "Um für die Veranstaltungen zu werben, müssen wir uns auf das beschränken, was uns zur Verfügung steht", sagt Norbert Stirken, Vorsitzender der Musikszene.

Flyer in Schulen verteilen, Plakate aufhängen, Facebook-Seite pflegen und auf die Hilfe der lokalen Medien hoffen. Stirken sagt: "Wir stehen noch am Anfang dieses Experiments." Erst nach einem Jahr sollte man Bilanz ziehen. "Natürlich ließen sich Tausende von Theorien anstellen, aber wir sollten dann ganz nüchtern gucken: Was war gut, was war schlecht?" Wenn man feststellt, dass der Bedarf für eine solche Einrichtung nicht vorhanden sei, müssten sich alle Verantwortlichen zusammensetzen. "Klar ärgern wir uns, wenn mal weniger Besucher kommen als erhofft", sagt Zenker. "Wir sind aber zuversichtlich, dass dieses Projekt klappt." Nicht zuletzt weil einige Events gut besucht waren und von einer Finanzkalkulation von 75 verkauften Tickets ausgegangen wird, bei der sich eine Veranstaltung rechne.

Das gute Wetter und der geringe Bekanntheitsgrad der Ruhrpottler sind möglicherweise Gründe für das kleine Publikum am Samstag. Gorilla Taxi rockt dennoch die Bühne und überzeugt mit Selbstironie, als Sänger Phil Borg sagt: "Wir sind ja hier in gemütlicher Runde. Bewertet unsere Songs." Zehn Finger bedeuten die Bestnote. "Ich zähle durch." Deutschsprachig und fetzig sind die Songs — die Musiker orientieren sich an Bands wie die Foo Fighters. "Enttäuschend leer ist es, aber als Künstler muss man damit umgehen", sagt Borg. Der Sound in der Halle sei super, die Techniker wüssten, was sie tun. Die Kollegen von Fools Errant standen mit viel Leidenschaft auf der Bühne. Ihre Musik ist eine Mischung aus blues-inspiriertem Rock'n'Roll und modernen Elementen aus Hardrock, Metal, Pop und Post-Grunge "Jeder Einzelne zählt", sagt Gitarrist Martin Biernatowski. "Wir spielen wie vor 500 Leuten. Bei der Hammer-Location geht das gar nicht anders." Die Halle sei flexibel einsetzbar, aber das Ganze noch recht frisch. "Ich bin mir sicher: Das wird sich durchsetzen."

(RP)
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