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Gymnasiasten diskutieren in Meerbusch mit den Bundestagskandidaten

Meerbusch vor der Wahl : Oberstufenschüler am Mataré diskutieren mit Politikern

Die Bundestagskandidaten von CDU, SPD, FDP und Bündnis90/Grüne stellten sich den Fragen. Bei der abschließenden Wahl gewann Otto Fricke (FDP).

Die Große Koalition ist Geschichte. Zumindest, wenn es nach der Oberstufe des Mataré-Gymnasiums in Büderich ginge. Demnach wäre die FDP der Wahlsieger, vor den Grünen mit immer noch mehr als 30 Prozent. Deutlich abgeschlagen kämen erst dann CDU, SPD und Sonstige. „Vielleicht gibt es CDU und SPD ja zu denken, dass sie zumindest für uns keine Favoriten sind“, sagte Oberstufenschülerin Katharina, als das Ergebnis auf dem Bildschirm sichtbar wurde.

278 Schülerinnen und Schüler haben haben bereits einige Tage vor der „richtigen“ Bundestagswahl in der Aula des Gymnasiums ihre Stimme abgegeben. Begleitet wurde die Wahl von einer rund einstündigen Podiumsdiskussion, die der Leistungskurs Sozialwissenschaften organisiert hatte. „Die Schüler haben sich intensiv mit den Parteiprogrammen beschäftigt und bereits nach den Sommerferien damit angefangen, die Bundestagskandidaten einzuladen und die Moderation vorzubereiten“, berichtet deren Lehrer Julius Massenkeil. Für das Mataré-Gymnasium war die Podiumsdiskussion die erste Großveranstaltung nach rund anderthalb Jahren Corona-Stillstand, freute sich Schulleiter Christian Dölls.

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Auf der Bühne stellten sich die Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis 110, Ansgar Heveling (CDU), Otto Fricke (FDP), Katharina Voller (Grüne) und Philipp Einfalt (SPD), den Fragen des Moderatorenduos Helena und Lukas. Die machten ihre Job souverän und professionell, aber dennoch sympathisch. Das war vor knapp drei Wochen bei einer ähnlichen Runde in Osterath, die die Querkopf-Akademie organisiert hatte, anders. Damals gab es Knatsch, weil einer aus der jungen Moderatorengruppe bei einigen Politikern und Zuschauern recht forsch, arrogant und bisweilen respektlos rübergekommen war. „Ihr habt euren Job wirklich toll erledigt, das hat extrem viel Spaß gemacht“, lobte diesmal die Bundestagskandidatin der Grünen, Katharina Voller. Und SPD-Kandidat Philipp Einfalt konnte sich nicht verkneifen: „Das haben wir auch schon anders erlebt. Das hier heute war eine spannende und sachliche Diskussion.“

Einig waren sich alle vier Kandidaten darüber, dass solche Formate für Jugendliche wichtig sind. „Nur so können wir junge Leute für Politik begeistern und sie ermuntern, sich selbst zu informieren und sich ihre eigene Meinung zu bilden“, sagte Otto Fricke (FDP). Sein Konkurrent Ansgar Heveling (CDU) ergänzte: „Wir haben hier auch mal die Chance, zu zeigen, dass man durchaus unterschiedliche Positionen vertreten, aber sich untereinander dennoch gut verstehen kann.“

Welche Positionen das waren, wurde in der Diskussion deutlich: Die Moderatoren sprachen viele Themen an, etwa Europa, Bildung, die Folgen der Corona-Krise, die Staatsverschuldung und den Mindestlohn. Besonders viel Raum nahm die Klimapolitik ein. So fragte etwa Helena, ob man die Klimakrise überhaupt ohne Verbote lösen könne. In diesem Bereich konnte besonders Katharina Voller beim jungen Publikum punkten. Nicht nur, weil sie betonte, wie wichtig das Thema gerade für die Jugend sei: „Deshalb müssen wir jetzt und umfassend handeln.“ Sondern auch, weil sie die Lacher auf ihrer Seite hatte, als sie während ihres Redebeitrags eine Elster unter der Aula-Decke entdeckte und spontan bemerkte: „Eure Aula ist ein gelebtes Biotop.“

Vieles konnte wegen der begrenzten Zeit nicht ausführlich diskutiert werden. Aber es reichte, damit sich die Oberstufenschüler ein Bild von den Kandidaten machen konnten. „Mir hat Otto Fricke mit seiner lockeren Art besonders gut gefallen, auch weil er uns immer direkt angesprochen hat“, sagte etwa Henri.

Zum Schluss hatte sich der SoWi-Kurs noch etwas Besonderes überlegt: die Blitzfragerunde. Mit einem Tischtennisschläger zeigten die Bundestagskandidaten ihre jeweilige Zustimmung (grüne Seite) oder Ablehnung (rote Seite) zu konkreten Fragen wie etwa Wahlrecht ab 16, legaler Verkauf von Cannabis, Impfpflicht, Tempo 120 auf Autobahnen, Einführung einer Vermögenssteuer, Abschaffung des Soli oder Verbot von Neu-Zulassungen von Autos mit Verbrennungsmotor. Für ihr „Ja“ zum Wahlrecht mit 16 und zum legalen Cannabisverkauf erhielten Fricke und Voller viel Applaus von den Gymnasiasten.

„Das war eine nette, interessante Runde“, sagte Moderatorin Helena nach der Veranstaltung. „Uns hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht.“ Ihr Dank ging auch an die Mitschüler, „die die ganze Zeit über so toll zugehört haben“.