Meerbusch: Gute Erinnerung an Geschenke der Kindheit

Meerbusch: Gute Erinnerung an Geschenke der Kindheit

Eisenbahn, der erste Computer, Skier oder einfach nur Gottes Geschenk: Bekannte Meerbuscher erinnern sich an frühe Weihnachten.

Sich an Weihnachten zu beschenken, wird in den meisten Familien und Freundeskreisen als lieb gewordene Tradition gepflegt. Für viele sind die Weihnachtsgaben aus der Kindheit unvergessen. Andere wurden erst später mit dem schönsten Geschenk beglückt. Und manche entdecken in dem Fest einen Sinn, der nichts mit Geld zu tun hat. Wir gehen bekannte Meerbuscher Bürger damit um?

"Die schönsten Geschenke waren immer die, die ich mir insgeheim gewünscht, aber nicht damit gerechnet hatte, sie zu bekommen", sagt Angelika Mielke-Westerlage. "Aus meiner Kindheit erinnere ich mich an einen Kaufladen mit Holzregalen, vielen kleinen Päckchen und einer großen Kasse. Er war mein ganzer Stolz", erzählt die Meerbuscher Bürgermeisterin. Heute weiß ihr Mann sie liebevoll zu beschenken. "Vor einigen Jahren überraschte er mich mit einer Uhr, die ich im Sommer davor in einem Schaufenster entdeckt hatte. Er hat sie heimlich erworben, sie ist mein ständiger Begleiter. Es sind aber nicht nur materielle Dinge, über die ich mich freue. Widmungen meines Mannes in diversen Büchern haben mich sehr berührt."

Ein Paar Ski waren die Überraschung für Yvonne Stegel. Foto: anke kronemeyer

Auch der Büdericher Pfarrer Wilfried Pahlke blendet in die Kindheit zurück: "Ich war acht Jahre alt, als ich am Heiligen Abend etwas ziemlich Großes unter einem blauen Tuch geschenkt bekam. Ich weiß noch, dass ich Herzklopfen hatte. Gespannt lüftete ich das Tuch und entdeckte eine Eisenbahnanlage. Mein Patenonkel und meine Mutter hatten sie gebastelt und auf einem großen Holzbrett verkabelt - mit Häusern und Symbolen meiner Heimatstadt Uerdingen. Die Anlage lehnt noch heute an einer Kellerwand meines Pfarrhauses. Es wird Zeit, dass ich sie entstaube und wieder fit und fahrbar mache - ein guter Vorsatz fürs Neue Jahr." Sein katholischer Kollege Michael Berning denkt bei den schönsten Geschenken ebenfalls an früher: "Meine Großmutter hatte neben mir noch 19 weitere Enkelkinder. Und alle bekamen etwas, obwohl sie nicht sehr begütert war. Wir Kinder verstanden, dass wir nicht alle mit etwas Kostbarem rechnen konnten. Doch ihre Geschenke, etwa ein Buch von Karl May, waren uns auf andere Weise sehr teuer. Sie hat an jeden gedacht und uns alle geliebt." Für Pfarrerin Heike Gabernig aus Strümp ist Gott selbst das wertvollste Geschenk: "Er ist ja der, der als erster schenkt, und ich bin die Beschenkte", sagt sie. "In dem kleinen Kind im Stall, in Jesus, wurde er Mensch, um seinen Menschenkindern, also auch mir, unendlich nahe zu sein. Er beschenkt mich jeden Tag neu - mit meinem Leben." Alexander Mous wuchs im Kinderparadies auf. "Wir hatten sicher nicht wenig Spielzeug, wurden vom Christkind reichlich beschenkt, bekamen aber auch nicht jede Neuheit", sagt der Inhaber des Büdericher Spielwarengeschäfts. Heute zählen für ihn andere Werte: "Wir pflegen seit vielen Jahren eine Patenschaft in Kenia. An Weihnachten freue ich mich immer über Post und ein aktuelles Foto unseres Patenkinds. Das zeigt mir immer, wie gut wir es haben und wie gering unsere täglichen Sorgen tatsächlich sind." Der Büdericher Gastronom Anthony freut sich an diesem Weihnachtsfest natürlich über seinen ersten Michelin-Stern. Unvergessen ist aber auch der Computer, den ihm seine Eltern schenkten, als er zehn Jahre alt war: "Das war eine tolle Überraschung. Damals fing das alles erst an. Mein jüngerer Bruder und ich waren begeistert, zumal wir auch noch ein Spiel dazu bekamen." Was für den Koch der Computer, war für Dorothee Achenbach das sehnlich erwünschte Klavier. "Mit 13 Jahren bekam ich es endlich, und ich habe an diesem Heiligen Abend geweint vor Glück." Seitdem begleitet das Instrument die Kunsthistorikerin und Autorin. Es hat viele Umzüge mitgemacht und steht heute in ihrer Büdericher Wohnung. "Darauf spielt jetzt meine Tochter Lilli. Ich eher selten, aber für Weihnachtslieder reicht es noch."

Auch bei Johanna Wiens flossen einmal Tränen: "Als ich 2009 nach fast einem Jahr in Taiwan einen Weihnachtsbaum am Frankfurter Flughafen sah, musste ich weinen", berichtet die Büdericher Malerin. "Mit dem Abstand zu unserer Kultur und unseren Bräuchen habe ich die festliche Zeit erst richtig schätzen gelernt. Nie zuvor hatte ich die Weihnachtszeit so sehr genossen. Wieder zu Hause zu sein war für mich das schönste Geschenk."

Saskia und ihr Vater Ralf Bos beschenken sich gerne gegenseitig. Foto: dackweiler/Meerbusch hilft

Düsseldorfs Venetia Yvonne Stegel kommen gleich die Skier in den Sinn, die sie sich als kleines Kind wünschte wie nichts anderes. In jenem Jahr sah es erst nicht so gut damit aus. Die Büdericher Familie fuhr in den Skiurlaub, ohne dass die aufmerksame Tochter das sperrige Geschenk unter dem Gepäck entdeckt hätte. "Ich war natürlich enttäuscht, aber meine Eltern hatten es tatsächlich geschafft, mein Paar Ski ganz heimlich in die Berge zu transportieren." Die Überraschung am Heiligen Abend hätte größer nicht sein können.

"In Erinnerung an meine Kindheit war ich als junge Frau lange auf der Suche nach normalen Rollschuhen mit vier Rollen", erzählt Andrea Greuner, Chefredakteurin der "TextilMitteilungen". Eine mühsame Suche: "Über die Jahre hatten Rollerblades den Klassiker abgelöst, die guten alten Rollschuhe waren kaum mehr zu finden. Ich war fast 30, als sie dann unverhofft unter dem Weihnachtsbaum lagen, und ich habe ich mich wahnsinnig darüber gefreut."

Michael Berning denkt an seine Großmutter. Foto: Dackweiler Ulli

Feinkosthändler Ralf Bos hat sofort eine Antwort parat: "Am schönsten waren immer die selbstgebastelten Geschenke meiner drei wunderbaren Töchter. Auch die aktuellen. Jeden Tag freue ich mich an meinem Arbeitsplatz über die Fotokalender, die sie mit Enthusiasmus gefertigt haben. Und ganz toll ist auch das alljährliche Geschenk meiner geliebten Frau - eine Woche Urlaub in den USA." Seine Tochter Saskia muss etwas länger nachdenken, "weil wir uns in der Familie zu gerne beschenken und es einfach nicht lassen können." Am meisten freut sie sich über Konzertkarten, weil man dieses Erlebnis teilen kann. Aber sie hat auch verinnerlicht, was ihr Vater ihr schon als Kind mitgab: "Die schönsten Geschenke sind Erlebnisse und Erfahrungen, weil sie einem nie wieder weggenommen werden können."

Für Heike Gabernig ist Gott das Geschenk. Foto: regina goldlücke
(RP)