Große Probleme für Mieter in Meerbusch

Osterath: Mieter sind sauer : Seit acht Monaten ohne Fahrstuhl

Der Osterather Gerd Lambert ist pflegebedürftig und auf einen Aufzug zu seiner Wohnung im zweiten Stock angewiesen. Beschwerden blieben bislang erfolglos, da der Eigentümer die Verantwortung beim Bauträger sieht.

Wenn Gerd Lambert seine Osterather Wohnung verlassen will, braucht er viel Zeit und Kraft. 15 Minuten dauert es, bis sich der Rentner die Treppen vom zweiten Stockwerk in das Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses auf dem ehemaligen Ostara-Gelände heruntergequält hat. Denn Lambert ist seit einigen Jahren nur noch eingeschränkt mobil, inzwischen hat er Pflegestufe 3.

Dabei war Gerd Lambert mit seiner Frau Barbara vor rund zwei Jahren eigens in das Haus gezogen, um das Treppensteigen zu vermeiden. Denn dem Ehepaar wurde nach Angaben von Barbara Lambert vor Einzug ein barrierefreier Zugang mit Fahrstuhl garantiert. „Sonst wären wir niemals in die zweite Etage eingezogen“, sagt sie. Doch seit nunmehr acht Monaten ist der Aufzug in dem Haus defekt. Trotz mehrerer Mahnungen von Seiten der Mieterschaft hat der Eigentümer GWH ihn bis jetzt nicht reparieren lassen. Das Unternehmen beruft sich in diesem Punkt jedoch auf die Verantwortlichkeit des Bauträgers. Und genau zwischen diesen Streitigkeiten von Verkäufer und Käufer der Immobilie scheinen sich jetzt die Mieter zu bewegen – und stecken in einem Dilemma. Es geht innerhalb der Wohnungen das Gerücht, dass Bauarbeiter die Aufzüge während des Neubaus so stark beansprucht haben, dass die Seile schnell kaputt gegangen sind.

Im Juli 2018, weniger als ein Jahr nach dem Einzug, begann die Odyssee für die Bewohner der Immobilie. Damals ging der Aufzug des Hauses kaputt. Alle drückten immer wieder auf die Knöpfe – doch der Lift fuhr nicht. Barbara Lambert erinnert sich noch gut daran, wie sie einen Mechaniker an dem Fahrstuhl antraf. „Der Mann versprach mir, dass das Gerät schnell wieder repariert würde“, sagte sie. Doch es vergingen Tage, Wochen und Monate, ohne dass der Aufzug repariert wurde.

Immer wieder kontaktierte Barbara Lambert das Unternehmen GWH, wurde dort aber vertröstet. „Man sagte mir jedes Mal, dass es ihnen leid täte und man uns für unsere Geduld danke“, erzählt sie. Doch konkrete Informationen bekam die Mieterin nicht. Anfang Dezember schien es plötzlich so, als käme endlich Bewegung in die Angelegenheit. In einem Aushang sei der baldige Beginn der Reparatur angekündigt worden. Doch das ist jetzt schon wieder drei Monate her – und passiert sei wieder nichts. „Dass die Reparatur etwas Zeit braucht, ist vollkommen in Ordnung, aber acht Monate sind eine lange Zeit“, sagt Barbara Lambert genervt.

Ein Punkt, in dem ihr Marc Hohmann, Sprecher der GWH, zustimmt. „Das ist nicht zumutbar“, sagt er. Dass der Fahrstuhl dennoch bis jetzt nicht repariert worden sei, läge nicht in der Hand des Unternehmens. Denn der funktionstüchtige Aufzug fällt unter die Gewährleistung des Bauträgers, der die Immobilie an die GWH vor der Vermietung veräußerte. Der Bauträger wiederum beruft sich auf die Verantwortung des Unternehmens, das den Fahrstuhl in dem Gebäude installiert hat. „Sobald wir selbst tätig werden, erlischt die Gewährleistung“, sagt GWH-Sprecher Hohmann.

Da bislang kein Grund für den Defekt an dem Gerät ausfindig gemacht werden konnte, will die GWH zumindest an dieser Stelle in den Prozess eingreifen und hat nun einen eigenen Gutachter beauftragt, der sich vor Ort auf Fehlersuche begeben soll. In ein bis zwei Wochen soll dann dieses Gutachten fertiggestellt sein. Wann der Fahrstuhl wieder funktioniert, ist dagegen weiterhin völlig unklar. Bis dahin wolle das Unternehmen den Bewohnern die Möglichkeit einer Mietminderung bieten, die auch nachträglich noch gewährt werde, wie Marc Hohmann berichtet. Die Miete haben einige schon reduziert, auch Ehepaar Lambert. „Als dann aber die Reparatur angekündigt worden ist, haben wir wieder normal bezahlt“, so Barbara Lambert. Jetzt ist sie fest entschlossen, doch wieder was von der monatlichen Summe abzuziehen.

Aber auch das hilft nicht wirklich im Alltag. Rund zehn Arzttermine muss der nur kaum mobile Gerd Lambert pro Monat wahrnehmen, was jedes Mal mit viel Aufwand für ihn verbunden ist. An Spaziergänge ist gar nicht zu denken. „Ich würde gerne einfach mal um die Häuser gehen“, sagt er. Doch aus Sorge vor einem Sturz im Treppenhaus beschränkt er seine Wege aus der Wohnung auf das Nötigste und bleibt lieber auf dem Sofa sitzen und guckt aus dem Fenster.

Dieses Entschuldigungsschreiben vom 3. Dezember hängt am Schwarzen Brett. Die Ersatzteile seien bestellt... Foto: RP/Anke Kronemeyer

Auch andere Bewohner leiden unter der Situation. Das Kind einer Familie, die im ersten Stockwerk wohnt, ist auf den Rollstuhl angewiesen, wodurch das Verlassen der Wohnung ebenfalls eine große Herausforderung ist. Ein anderer Nachbar sei ebenfalls nicht fit und könne die Treppen nur schwer rauf und runter gehen. Deshalb hoffen die Bewohner, dass durch den Gutachter Bewegung in die Angelegenheit kommt. „Für uns geht es darum“, dass wir uns endlich wieder frei bewegen können“, sagt Barbara Lambert.

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