Meerbusch: Grabung überrascht Forscher

Meerbusch: Grabung überrascht Forscher

Die Entdeckung der Grundmauern einer Saalkirche aus den Jahren 800 bis 1000 in Lank wird im aktuellen Jahrbuch "Archäologie im Rheinland" gewürdigt. Der Heimatkreis Lank möchte die Umrisse dauerhaft sichtbar machen.

Die vom Heimatkreis Lank in Auftrag gegebene Grabung an der St.-Stephanus-Kirche wird nun auch landesweit bekannt. Im jetzt erschienenen Band "Archäologie im Rheinland 2010" — einer jährlichen Übersicht des Landschaftsverbands Rheinland über bedeutende und interessante archäologische Entdeckungen in NRW — ist dem Projekt ein dreiseitiger Aufsatz mit zwei Grafiken gewidmet. Titel: "Zur früh- und hochmittelalterlichen Baugeschichte von St. Stephanus in Lank-Latum" (Seite 153 bis 155). Autor ist Grabungsleiter Dr. Hans-Peter Schletter von der Duisburger Fachfirma Archäologie.de.

Die Ausgräber hatten die Aufgabe, die Grundmauern der romanischen Vorgängerkirche von St. Stephanus zu erforschen, die dort um 1200 erbaut worden war. Sie hatte im Jahr 1841 (bis auf den Kirchturm) Platz für den heutigen Bau von 1844 gemacht. Doch zwei im 19. Jahrhundert angefertigte Pläne der Grundmauern des alten Gotteshauses zeigen völlig unterschiedliche Grundrisse. Welcher Plan war nun der richtige? Dr. Schletter: "Die Ergebnisse der Grabung waren durchaus überraschend".

Bei den Sondagen stießen die Forscher nämlich nicht nur auf die erwarteten Grundmauern der Vorgängerkirche, sondern auch erstmals auf Spuren eines noch älteren, vorromanischen Gotteshauses. Die Archäologen fanden Überreste einer Saalkirche von mindestens acht Meter Länge und vier Meter Breite. Für die in Frage kommende karolingisch/spät-ottonische Epoche (etwa von 800 bis 1000) war es ein erstaunlich großzügig bemessener Sakralbau, sicher keine einfache Dorfkirche.

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"Das hat schon die Dimensionen einer Pfalzkapelle", hatte der Grabungsleiter bei der Vorstellung der Ergebnisse im Oktober 2010 gesagt. Bereits zur Kreuzfahrerzeit war der Bau wieder abgerissen und durch eine etwa 30 Meter lange, dreischiffige Basilika ersetzt worden.

Nun wurde auch klar, wie es zu den Unterschieden in den überlieferten Grundrissen kam: Als nach Abriss der romanischen Kirche 1841 nur noch Grundmauern zu sehen waren, hat wohl ein Zeichner die ebenfalls freiliegenden Mauerreste der ältesten Kirche als Teil des Chors der romanischen Kirche interpretiert und so im Plan festgehalten.

Der Heimatkreis Lank denkt nun darüber nach, wie man die Umrisse des romanischen Gotteshauses dauerhaft sichtbar machen könnte. Der Kulturausschuss zeichnete den Heimatkreis für die Grabung im Oktober mit dem Meerbuscher Förderpreis für Denkmalpflege aus (dotiert mit 3000 Euro).

(RP)
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