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Meerbusch: Gott versteht auch Mundart

Meerbusch : Gott versteht auch Mundart

In der Strümper St.-Fransziskus-Kirche hielt Pfarrer Hermann Lunkebein eine Messe „op Platt“. Die Besucher fanden es nicht nur urgemütlich sondern auch eingängiger und intensiver als eine übliche Messe.

„Unser Bischof weiß, dass ich auf Platt predige“, sprach und tat es der katholische Pfarrer Hermann Lunkebein in der Kirche St. Franziskus in Strümp. Seit über 25 Jahren feiern die Strümper Katholiken ein Mal im Jahr einen besonderen Samstagabend-Gottesdienst und luden mit der Mundartmesse „Merr senge on bääne op Platt“ ganz Meerbusch ein. Und so ließen es sich rund 130 Gläubige nicht nehmen, ihre Messfeier in ordentlichem Platt vorgetragen zu bekommen.

Kein Klamauk

„Hochdeutsch ist für mich schon eine Fremdsprache“, erklärte Pfarre Hermann Lunkebein aus Krefeld den Gläubigen mit einem Lächeln. Und so hielt der Geistliche auch die Messe, mit Ausnahme der Hochtexte, komplett auf Platt. Strahlende Gesichter und gelegentlich auch ein Lachen konnten die Zuhörer in St. Franziskus vernehmen. Doch ein Schelm, wer dabei Schlimmes denkt. „Die Messe ist kein Klamauk“, erklärte Pfarrer Hermann-Josef Schagen, der unter den Zuhörern weilte. So wird ein Gottesdienst „op Platt“ nicht ins Lächerliche gezogen, sondern intensiviert dabei sogar die Aufnahme des gesprochenen Wortes auf seine ganz eigene Art und Weise.

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Denn natürlich sind den beiden Geistlichen auch die jüngsten Geschehnisse aus Düsseldorf um Engelbert Oxenfort, Präsident des Comittees Düsseldorfer Carneval (CC), und Joachim Kardinal Meisner nicht entgangen. Mit einer Handreichung, die Gottesdienste auf Platt nur eingeschränkt zulässt, mahnte Joachim Kardinal Meisner vor wenigen Tagen. Doch die damit ausgelöste Unruhe in Düsseldorf trifft halt nur auf das Bistum Köln zu. Und somit auch die dem Bistum Köln angehörigen Büdericher. Denn die Bistumsgrenze läuft mitten durch die Stadt Meerbusch. Dabei werden die Büdericher Christen dem Bistum Köln und die restlichen Gemeinden dem Bistum Aachen angegliedert. „Unsere Gäste kommen aus allen Ortsteilen“, sagte Wilhelm Essers fröhlich, Organisator der Mundartmesse, „natürlich auch aus Büderich“. Denn das Wort Gottes kennt keine Bistumsgrenzen, genauso wenig wie es Sprachbarrieren kennt.

„Es ist urgemütlich“, schwärmte Besucher Josef Coppel aus Osterath, der mit Enkeltochter Raja Winkelmann (4) zum ersten Mal eine Mundartmesse besuchte. Ebenso begeistert ist Niersterin Ingrid Kleb. „Herzlich“ und „ganz besonders“, nennt die Katholikin die Hauptcharakteristika. So verwundert es nicht, dass die Gläubigen noch mit den Gebeten dafür dankten, dass die Messe in der Heimatsprache gehalten werden darf. Selbstverständlich war dieses Gebet auch „op Platt“. Denn: Egal in welcher Sprache mit Gott kommuniziert wird – Gott hört zu.

(RP)