Give-Boxen in Meerbusch sind vermüllt

Ende eines Kirchen-Projekts : Zu viel Müll: Give-Boxen werden abgebaut

Eine Box steht in Lank, die zweite in Strümp. Beide hat die evangelische Kirchengemeinde mit Ehrenamtlern aufgebaut. Jetzt aber ist Schluss damit: Zu viele Meerbuscher haben ihren privaten Müll an den Boxen entsorgt.

„Das ist wirklich schade, dass die Gemeinde die zwei Give-Boxen in Lank und Strümp zumachen will“, bedauern die Senioren, die sich am Montag zum Spiele-Nachmittag in der evangelischen Versöhnungskirche einfinden. Doch sie können verstehen, dass es so nicht weiterging. „Ich habe selbst einmal gebrauchte Unterhosen aus einem Karton gezogen“, erzählt Heidi Bauhof, die auch Mitglied im kirchlichen Kreativkreis ist. „Wir haben jeden Donnerstag nach unserem Treffen einen Blick in die Give-Box geworfen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist“, berichtet sie. Was es nach Ansicht vieler eben oft nicht war.

Pfarrerin Heike Gabernig 2016 bei der Eröffnung der Box in Strümp. Foto: RP/EVK

Einmal lehnte eine Babybettmatratze an dem Häuschen, ein anderes Mal hatte jemand Essig-Öl-Dressing im Regal abgestellt und auf dem Fußboden eine große Plastiktüte mit Kleidung deponiert. Dabei weist ein Schild ganz genau darauf hin, was man in die Give-Box stellen darf und was nicht. Weder Lebensmittel noch Altkleider oder gefährliche Sachen wie Messer oder Tabletten sind erlaubt. Auch Adi Krey ist enttäuscht, dass diese Hinweise nicht beachtet wurden. „Manche Menschen stellen einfach gepackte Kartons oder Koffer in die Box, ohne die Dinge in die Regale zu stellen“, hat er beobachtet. Auch an diesem Nachmittag stehen wieder zwei Kartons mit allerlei Krimskrams im Wege herum. Die Gemeinde musste die unerwünschten Gegenstände dann bis zum nächsten Sperrmüll unterstellen.

Konfirmanden haben 2012 mit Ehrenamtlern die Box in Lank gebaut. Foto: RP/Archiv: EVK

Die Give-Boxen waren ein Projekt der Konfirmandenarbeit der evangelischen Gemeinde. „Am Anfang stand eine tolle Idee: Wir wollten ein Häuschen errichten, in das Menschen etwas hineinlegen konnten, was zu schade war, um es in die Mülltonne zu werfen“, so Pfarrerin Heike Gabernig. Und andere Menschen konnten sich gratis bedienen.

Mit tatkräftiger Hilfe von Konfi-Eltern wurde 2012 das erste Holzhäuschen vor der Lanker Kreuzkirche errichtet, dem vier Jahre später ein ähnliches in Strümp folgte. Während man zunächst mit Paten arbeitete, die die gespendeten Dinge einräumten oder aufräumten, vertraute man später darauf, dass sich jeder verantwortlich fühlte, der etwas hineinlegte. Doch das hat offensichtlich nicht funktioniert.

Ebenso wie neben den öffentlichen Wertstoffcontainern wurden auch in den Give-Boxen immer wieder Dinge entsorgt, die man niemanden mehr anbieten kann. Da die Holzhäuschen nicht einsehbar sind, war das Risiko aufzufallen offensichtlich nicht so groß. „Verschmutzte Kleidung, stinkende Bücher, die augenscheinlich schon jahrelang in irgendwelchen Kisten in feuchten Kellern gammelten, Tassen, denen man noch das letzte Getränk dank eines nicht weggespülten Randes ansah, und vieles mehr“, zählt Gabernig auf. Bald jeden Monat habe man Sperrmüll und Elektroschrott anmelden müssen, denn natürlich war für den zusätzlichen Müll kein Platz in den normalen Tonnen der Gemeinde.

„Manche Menschen stellten ihren Müll einfach vor der Give-Box ab. Hauptsache, man war die Sachen los“, ärgert sich die Pfarrerin. Mehrere Male habe man die Reißleine gezogen, die Häuser entmüllt und für einige Zeit geschlossen, um sie dann wieder in sauberem und ordentlichen Zustand zu öffnen. Doch die Freude habe nicht lange angehalten. Schweren Herzens habe nun das Leitungsgremium der evangelischen Kirchengemeinde beschlossen, die beiden Häuschen zu schließen und abzubauen. Pfarrerin Gabernig bedauert es sehr, dass die Idee der Nachhaltigkeit nicht funktioniert habe. Inzwischen ist die Give-Box in Lank bereits leergeräumt. In Strümp stehen dagegen noch viele Dinge in dem Häuschen an der Versöhnungskirche, die brauchbar sind. So hat Heidi Bauhof eine große grüne Glasschale entdeckt, die sie mitnehmen möchte. Eine andere Seniorin deckt sich mit Lesestoff ein, der noch reichlich vorhanden ist. „Ich bin immer gerne gekommen“, sagt sie.