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Geschichten und Lieder vom Karneval mit Thomas Cieslik in Meerbusch

Ehemaliger Kulturbeauftragte : Geschichten und Lieder vom Karneval

Thomas Cieslik ging gleich aufs Ganze. Mit „Spot on und Bühne frei für König Karneval“ startete der ehemalige Kulturbeauftragte Meerbuschs in der Teloy-Mühle in den bebilderten Heimatkreis-Vortrag „Fastelovend zesame – Lieder und Verzällcher zur Geschichte des Kölner Karnevals“.

Dass sich der in Krefeld lebende Thomas Cieslik mit überzeugender Hingabe dieses Themas annimmt, ist kein Zufall. Er ist in Köln geboren: „Ich bin zweisprachig aufgewachsen – Kölsch und Hochdeutsch.“ Davon, wie gut er das Kölsch noch heute beherrscht, konnte sich das Publikum überzeugen – auch bei mehreren Gesangseinlagen plus Gitarrenspiel. Im Mittelpunkt aber stand die Geschichte: „Die Kölner sind stolz auf ihre Traditionen. Aber die Behauptung, schon die römischen Stadtgründer hätten Karneval gefeiert, ist wohl eher eine Erfindung des 19. Jahrhunderts“, sagte er. Letztendlich sei der Karneval eine christliche Tradition und eindeutig mit dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit verknüpft.

Thomas Cieslik beleuchtete den Karneval im Mittelalter, im Rokoko, unter der Trikolore und dem preußischen Adler. Auch in diesen Zeiten lief nicht alles reibungslos. Es gab Vermummungsverbote und Epochen der strikten Trennung zwischen den Armen und Reichen oder Massenorgien, bei denen das Volk über die Stränge schlug. Der Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 brachte eine neue Zeitrechnung. Es wurde grundsätzlich modernisiert, eine Reform des Karnevals angestoßen, die Jeckenzahl 11 eingeführt und die Sprache mit „eingekölschten französischen Vokabeln verfeinert“.

Mit einer Reform 1823 schließlich wurde der Karneval für das 19. Jahrhundert fit gemacht. „Fast immer, wie sollte es auch anders sein, spiegelt sich die ganze Bandbreite unterschiedlicher politisch-gesellschaftlicher Tendenzen“, erklärt Thomas Cieslik. Er erzählte vom Frauencarneval, der Fastelovendsmötz der „Käppler“, dem Karnevalsruf „Kölle Alaaf“ und gab Hörproben, die beweisen, dass „der Humor noch in den Kinderschuhen steckte“.

Trotzdem gab Cieslik eine Menge „Verzällcher“ preis, die für die heitere Seite des Karnevals stehen. Er erinnerte an Musiker wie Karl Berbuer, Willi Ostermann oder die Bläck Fööss, die 1975 noch unter der Vorläufer-Band Stowaways“ auftraten. Bei den vorgetragenen Liedern war auch das Publikum gefragt. Ob bei „Schnüssen Tring“, „Däm Schmitz sing Frau es durchgebrannt“ oder dem „Trizonesien-Song“ – alle sangen mit. Schließlich versteht Thomas Cieslik sein Handwerk. Er tritt vor allem in Köln mit historischen Liedern und Gedichten auf.