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Meerbusch: Gerangel ums Denkmal

Meerbusch : Gerangel ums Denkmal

Nachwehen der Korruptionsaffäre: Über die Zukunft des ehemaligen Pförtnerhauses der früheren Celluloidwerke im Zentrum Lank-Latums entscheidet womöglich das Verwaltungsgericht.

Nach einem Denkmal sieht das ehemalige Pförtnerhaus der Westdeutschen Celluloidwerke im Zentrum Lank-Latums nicht aus. Seit zehn Jahren gammelt das Gebäude vor sich hin. Doch jetzt scheint sich endlich was zu tun. Der Stadtverwaltung ist ein Bauantrag angekündigt. Der Architekt Alfons Kleinwächter plant im Auftrag des Eigentümers ein Ärztehaus, das in zwei Bauabschnitten realisiert werden soll. Doch es gibt Hindernisse. Wahrscheinlich müssen sogar die Gerichte bemüht werden.

Rückblick: Mitten im Ortskern standen Hallen und Verwaltungsgebäude der früheren Westdeutschen Celluloidwerke. Nachdem die Produktion eingestellt worden war, beabsichtigte der Landschaftsverband Rheinland dort das erste Deutsche Kunststoffmuseum einzurichten. Der Maschinenpark für die Herstellung des Vorläuferstoffes Celluloid war noch komplett nach Originalzeichnungen des Patentinhabers vorhanden. Doch es kam anders. Ein Bauinvestor zahlte dem damaligen Meerbuscher Planungsdezernenten ein beträchtliches Schmiergeld und auf einmal rollten die Abrissbagger an. Aus war der Traum von Museum oder Künstlerviertel, wie es einige Visionäre aus Rat und Verwaltung als Nutzung vor Augen hatten. Sowohl der Investor als auch der Planungsdezernent wurden zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

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Und damit, so Reinhard Lutum vom Bauordnungsamt, sei man wieder in der Gegenwart angekommen. Der rechtskräftig verurteilte Firmenchef sei der einzige Anwohner, der dem neuen Eigentümer des Pförtnerhäuschens seine Zustimmung zum Bau verwehre. Die sei nötig, weil die Pläne fürs Ärztehaus an einige Stellen einen zu geringen Abstand des Baukörpers zum Nachbargrundstück mit Parkplätzen vorsähen. "Mit einer Ausnahme haben alle ihre Zustimmung erteilt", berichtete Lutum. Er sehe bei demjenigen nach den Geschehnissen der Vergangenheit eine "moralische Mitwirkungspflicht", um das Denkmal zu retten. Damit nicht noch mehr Zeit ins Land zieht, soll das Projekt in zwei Abschnitten realisiert werden und die Genehmigung auch gegen den Willen des einen Nachbarn vor dem Verwaltungsgericht erstritten werden. "Wir hoffen aber immer noch auf ein Einsehen und eine gütliche Einigung", heißt es.

Das dreieckige Grundstück soll zweigeschossig überbaut werden. Viel Glas und ein Atrium sind markante Zeichen des Vorhabens, das sich an das restaurierte alte Pförtnerhäuschen anschließt. Glaskörper übernähmen die Funktion einer Fuge zwischen Denkmal und Neubau und bildeten den Hauptzugang zum Atrium, das die beiden Geschosse mit zusätzlichem Tageslicht versorgen würde. Dann wäre der Schandfleck beseitigt — mit einem Gebäude, das den Namen Denkmal verdient.

(RP)