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Meerbusch: Gefahr auf den Gleisen

Meerbusch : Gefahr auf den Gleisen

Das Eisenbahnbundesamt sieht den Bahnübergang bei Bösinghoven im Falle eines Rückstaus als Gefahrenpunkt. Autofahrer sollen deshalb einen vier Kilometer langen Umweg fahren. Betroffene protestieren.

Bösinghoven Die Protestaktionen sind erfolgreich angelaufen. Rund 800 der 2250 Einwohner in Ossum-Bösinghoven haben sich mit einer Unterschrift gegen eine neue Verkehrsführung an den Bahngleisen nahe der Stadtgrenze zu Krefeld ausgesprochen. "Ohne Rücksicht auf unsere Einwände würde das für die Betroffenen bedeuten, dass sie ab sofort stets einen unnötigen Umweg von vier Kilometern nehmen müssten, um zur Fischelner Straße oder ins Ortszentrum zu gelangen", sagt Hubert Kräling, Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins.

Dass sowohl beschrankte als auch unbeschrankte Bahnübergänge zu einer Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer werden können, haben zwei tödliche Unfälle im vergangenen Jahr gezeigt. Zwischen Büderich und Kaarst war ein 16-jähriger Rollerfahrer aus Osterath im Sommer vom Niersexpress erfasst und tödlich verletzt worden. Im November bemerkte ein Lokführer am Görgesheideweg eine leblose Person an den Gleisen liegen. Helfer fanden dort dann einen 20-Jährigen mit schweren Verletzungen tot vor.

Der Bahnübergang nahe Bösinghoven sei vom Eisenbahnbundesamt offiziell als Gefahrenpunkt benannt, aktenkundig und insofern auch nicht wegzudiskutieren, teilte die Stadt gestern in einer Stellungnahme mit. Das Problem bestehe darin, dass beim Linksabbiegen von der Kreisstraße 6 (Auf Krefelder Stadtgebiet ist das der Strümper Weg) in die Fischelner Straße ein Rückstau bis auf die Gleise entstehen könnte. Der Einmündungsbereich befinde sich nämlich innerhalb einer 25-Meter-Zone und habe damit nicht den vorschriftsmäßigen Abstand zum Bahnübergang, informierte Wolfgang Trapp auf RP-Anfrage. Der Meerbuscher Verwaltungsexperte spart auch nicht mit Kritik an die Adresse der Stadt Krefeld. Die Nachbarn hätten eine Lösung viel zu lange verschleppt. Seit 2008 bestehe bereits ein Planungsrecht, um diesen Verkehrsknotenpunkt zu entschärfen.

Was die wenigsten wissen, die Stadtgrenze zwischen Meerbusch und Krefeld verläuft knapp zehn Meter östlich der Bahntrasse unmittelbar bis an die Einmündung zur Fischelner Straße. Straßenschilder westlich der Gleise lassen nämlich vermuten, dass der gesamte Gleiskörper auf Meerbuscher Gebiet liegen würde. "Die Schilder stehen falsch", sagt Trapp gestern unmissverständlich.

Am 16. Juni gibt es einen Ortstermin mit Vertretern der Deutschen Bahn, der Polizei, aus Krefeld und Meerbusch. Kräling und seine Mitstreiter wollen ihre Unterschriften heute in der Sitzung der Bezirksvertretung Fischeln vorlegen. Sie schlagen vor, die Fischelner Straße als abknickende Vorfahrtsstraße einzurichten und damit einen eventuellen Rückstau auf die Gleise zu verhindern. Doch dieser Vorschlag trifft selbst in der Meerbuscher Verwaltung auf wenig Gegenliebe. Die K6 sei derzeit bevorrechtigt und auch entsprechend ausgebaut. "Da kann niemand mit dem plötzlichen Ende seiner Vorfahrt rechnen", meint Trapp – das wäre nur eine neue Gefahrenstelle.

(RP)