Meerbusch: Frist für Kritiker läuft

Meerbusch : Frist für Kritiker läuft

Die Antragsunterlagen zum Trianel-Kohlekraftwerk in Uerdingen liegen im Rathaus Gonellastraße in Lank-Latum öffentlich aus. Die Gutachten dokumentieren die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Die Planunterlagen für das Steinkohlekraftwerk im Chempark in Uerdingen liegen nun sechs Wochen lang auch in Meerbusch im Rathaus an der Gonellastraße in Lank-Latum während der Dienstzeiten der Stadtverwaltung aus. Ansprechpartner für Kritiker und Informationswillige ist Detlev Horn.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) will seinen Landesvorsitzenden Paul Kröfges als Vertreter aller Unterzeichner am 20. September zum Erörterungstermin ins Krefelder Seidenweberhaus senden.

Die Umweltverbände berufen sich im Papier gegen den Bau des Kohlekraftwerkes auf Artikel 2 des Grundgesetzes: Das Vorhaben verletze das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit."

Horn und seine Kollegen arbeiten unterdessen an einer Stellungnahme der Stadt Meerbusch zum umstrittenen Vorhaben in der Nachbarschaft zu Nierst, Ossum-Bösinghoven und Lank-Latum. Die Politik wird sich mit diesem Vorschlag später in öffentlicher Sitzung beschäftigen. Ob aus Meerbusch dann wirklich eine ablehnende Haltung formuliert wird, wie viele in Krefeld vermuten, ist durchaus offen.

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Die UWG hatte unlängst vorgeschlagen, der Rat solle die Firmen Bayer und Trianel auffordern, den Antrag für die 750-Megawatt-Anlage zurückzuziehen. Die Grünen stimmten dem zu, mit der Ergänzung, dass die Resolution an die Stadt Krefeld zu richten sei. Eine Mehrheit aus CDU und SPD votierte dagegen und ließ auch eine (von der FDP vorgeschlagene) Überweisung des Antrags an den Planungsausschuss nicht zu. Damit war der Vorstoß abgelehnt.

UWG-Ratsfrau Daniela Glasmacher begründete den Antrag mit einer Schätzung des BUND, nach der das Kraftwerk pro Jahr 4,3 Millionen Tonnen CO2, 400 Tonnen Feinstaub, 600 Kilogramm Quecksilber und 500 Kilogramm Cadmium ausstoßen und außerdem das Rheinwasser erwärmen wird: "Bei ungewöhnlichen Wetterlagen mit Wind aus Nord und Nordwest wäre auch Meerbusch davon betroffen". Daniela Glasmacher forderte kein Kohle-, sondern ein Gaskraftwerk.

Vor allem die CDU scheint dem Großprojekt nicht im Wege stehen zu wollen. Deren Fraktionschef Werner Damblon lehnte den UWG-Vorstoß ab: "Die Zukunft von Bayer in Krefeld steht auf dem Spiel" — zudem ersetze das moderne Kraftwerk zwei alte Kessel aus den 60er Jahren. CDU-Ratsherr Mike Kunze ergänzte, dass viele der Chempark-Mitarbeiter in Meerbusch wohnten.

Dabei stehen in den Gutachten im Detail besorgniserregende Erkenntnisse: Verdunklung durch reduzierte Sonneneinstrahlung und erhöhtes Krebsrisiko. Für die verschiedenen dort auftretenden Tierarten (Kreuzkröte, Mäusebussard, Steinkauz, Wachtel und diverse Fledermausarten) soll mit Ruhephasen während der Bauzeit und bestimmten Vorkehrungen wie Zäunen und Brutkästen Sorge getragen werden. Aus dem Rhein werden 94 500 Kubikmeter Wasser pro Stunde für das Kühlwasser entnommen; die Fische werden durch eine "Scheuchanlage" abgehalten

(RP)